The Veg Box {veganes Kochbuch}

Vegane Rezepte! Das war mir erst gar nicht klar, als ich das Buch The Veg Box in die Hände bekam. Irgendwie habe ich das überlesen. Was mich viel mehr angesprungen hatte war, dass es um regionale Gemüse ging. Was man nicht alles Leckeres aus den einheimischen Sorten so kochen kann. Also blätterte ich mich erst einmal durch die ersten Seiten und bekam eine Lektion in Umweltschutz, Regional, weniger Abfall, Nachhaltigkeit, Gemüseanbau … und noch so einiges mehr. Die irischen Zwillinge betreiben einen Gemüseladen, zwei Cafés und eine Bäckerei. Sie haben den Traum, dass sich die Menschen ein Stück weit besser ernähren sollen wollen. Im besten Falle vegan. Die ersten 50 Seiten in dem Kochbuch The Veg Box drehen sich jedenfalls nur darum. Wer noch mehr erfahren möchte, kann sich ja mal ihre Webseite TheHappyPear.ie anschauen. Ich denke mal, dass das Bestellen nach Deutschland nicht sonderlich ökologisch ist, aber die Seite ist ganz hübsch aufgebaut. Zurück zum Kochbuch.

Spinat-Kartoffel-Curry

The Veg Box

Wie gesagt, ich esse üblicherweise nicht bewusst vegan. Allerdings haben mich die Rezepte in diesem Buch echt erreicht. Die Bilder sind schön von Maja Smend in Szene gesetzt. Ich konnte mich nicht satt sehen. Na ja, nur vom Gucken wird man ja auch nicht satt. Leider hat nicht jedes Rezept ein eigenes Bild bekommen. Aber ich denke, dass das auch mal ohne geht und der Fantasie sind auch keine Grenzen gesetzt. Sind ja auch nur wenige Rezepte betroffen.

Also kommen wir jetzt zu den Rezepten. Das Buch ist in verschiedene Kapitel unterteilt (wie es wohl auch so üblich ist). Allerdings geht es in The Veg Box nicht um Vor-, Haupt- und Nachspeise, sondern um das Gemüse selber. Die Aubergine, Kartoffel, Pilze, Rote Beete und noch so einige mehr haben den Vorrang. So kann man, wenn man noch eine Stange Porree (Lauch) übrig hat nachschlagen, was man noch daraus zaubern kann. So haben es sich zumindest die Koch-Zwillinge ausgedacht. Finde ich mal gelungen. Gut finde ich auch, dass am Kapitelanfang zu den verschiedenen Gemüsen Tipps zum Einkauf und Lagerung, Anbau, Zubereitung und zu guter Letzt den Nährwerten. (welche Vitamine, Mineralien und wozu das Gemüse gut sein kann)

Was mir auch an den Rezepten sehr gut gefällt, dass man nicht allzu viele Zutaten braucht. Manches könnte etwas exotisch anmuten, aber hier bei mir in der Großstadt war es kein Problem alles zu bekommen. Klar ist, der Discounter hat bestimmt nicht alles, was man braucht, ein Reformhaus oder Bioladen ist das schon besser sortiert.

Die Rezepte

Die Anleitung zum Rezept ist ganz einfach. Das kann man auch ohne große Kocherfahrung. Was aber eine kleine Herausforderung sein könnte ist, dass man etwas mehr mit den Gewürzen spielen könnte. Ich esse gerne etwas würziger und damit meine ich nicht salziger. Es werden für mein Empfinden zu wenige Gewürze benutzt. Das kann man aber nach seinem eigenen Bedürfnis anpassen. Etwas was mich aber viel mehr ärgert ist, dass keine Nährwerte in den Rezepten angegeben werden. Ich esse gerne etwas Eiweißreicher. Auch in der veganen Küche gibt es die Möglichkeiten, natürliches Eiweiß zu sich zu nehmen. In den meisten Rezepten sind aber so gut wie keine natürlichen Eiweißquellen vorhanden.

Blumenkohl“Chickenwings“

Ich habe bisher drei Rezepte ausprobiert. Ich bin wie gesagt keine Veganerin, weshalb ich meine Gerichte ein bisschen mit vegetarischen Zutaten abgewandelt habe. Aber eines kann ich dir zu 100 % sagen: Alles war sehr lecker! Die Blumenkohl „Chickenwings“ sind zu meinen persönlichen Favoriten aufgestiegen. Aber auch der cremige Gemüse-Champignon-Pie ist unglaublich lecker. Sogar der Kerl (weder Veganer noch Vegetarier) war schwer begeistert und das will was heißen.

Cremiger Gemüse-Champignon-Pie

Mein Fazit

Ich bin begeistert, mit kleinen Abstrichen. Mehr Gewürze, Nährwerte wie Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette fehlen. Aber die Rezepte sind leicht nachzukochen, nicht besonders aufwendig und gut beschrieben. Back und Kochtemperaturen muss man vielleicht nach eigenem Ermessen etwas anpassen (jeder Herd und Ofen hat so seine Eigenheiten). Es gibt reichlich Rezepte, sodass man noch eine Weile braucht, um sich da durchzukochen. Der Kerl war zu begeistern und das ist schon ein Pluspunkt!

 

 

The Veg Box

10 Gemüse, 100 Ideen
ein Kochbuch von Stephan & David Flynn
ISBN 9783965843127
288 Seiten
ZS – ein Verlag der Edel Verlagsgruppe

Oma zeigt Flagge (ein Hörbuch)

Oma Jette hat sich auf die Nordseeinsel Langeoog zurückgezogen, nachdem sie ihre drei erwachsenen Kinder in die Welt hinausgelassen hatte. Dort lebt Jette schon einige Zeit und genießt ihr freies Leben. Demnächst soll sie ihren sechzigsten Geburtstag feiern. Dabei fühlt sie sich doch noch gar nicht so alt. Nein, nein. Oma zeigt Flagge, denn sie hat einen jugendlichen Liebhaber, Pablo, der gleichzeitig ein Künstler ist. Dieser hat Jette als Akt verewigt, worauf Jette sehr stolz ist. Überhaupt ist Jette hier so zufrieden und lebt ihr friedliches Leben. Bis zu dem Zeitpunkt, als ihre Tochter auf die Idee kam, mitsamt ihren eigenen drei Kindern bei Oma aufzutauchen, mit der Ansage, sie müssten doch ihren Geburtstag planen. Der Hintergedanke war aber eher, die Enkel bei Oma zu lassen, um dann selber nach Amerika zu verschwinden.

Oma zeigt Flagge

Die Enkel, allesamt mit speziellen Macken, machen Oma das Leben zur Hölle. Und dann taucht auch noch Jettes Verflossener auf. Günther, mit seinen braunen Kordhosen, den Polyesterhemden und dem Scheidungshamster seiner Nachbarin. Ausgerechnet der! Was will der hier, denkt sich Jette. Und dann verschwindet auch noch der Akt, den Jette vorsorglich unter dem Bett versteckt hatte. Die Verwicklungen können beginnen.

Als Erstes möchte ich mal bemängeln, dass es mir nicht gefallen hat, dass Oma Jette sozusagen mit ihren fast sechzig in diese Rolle gesteckt wurde. Sechzig ist ja nun wirklich noch nicht zu alt, um sich Obenohne sonnenbaden oder sich in schicke moderne Kleider zu hüllen. Auch ist eine Frau in diesem Alter bestimmt noch nicht zu alt, um noch Sex zu haben.

Aber ansonsten fand ich das Hörbuch ein echt unterhaltendes Exemplar. Oma zeigt Flagge, indem sie auch mal auf den Tisch haut und ihren Enkeln oder dem (wiedererwachtem) liebestollen Günther und dessen Machofreund, Einhalt zu gebieten. Immerhin leben die meisten der Erwähnten vorübergehend unter ihrem Dach. In einem beschaulichen Inselhäuschen auf Langeoog. Nebenfiguren, wie der weibstolle Kölner Direktor und seine „Gattin“ sind genauso hübsch gezeichnet wie die Insel mit ihren vielen Stufen (der Enkel betreibt Stufenforschung, damit ihm nicht langweilig ist). Witzig, fand ich auch, dass eine der Enkelinnen Günther unter die Fittiche nimmt, um ihn wieder in die Gunst Jettes zu bringen.

Und wieder ist dieser Roman von der Sprecherin Gabriele Blum gelesen. Sie macht es auch dieses Mal wieder zu einem Hörerlebnis. Es wird gejammert, gelacht und gemeckert. Einfach toll gelesen. Ein lustiges, unterhaltsames Buch. Rubi und ich hatten jedenfalls viel Spaß an den Verwicklungen und den aufgedrehten Kindern. Das ist uns 🐭🐭🐭🐭 wert.

 

Oma zeigt Flagge

Ein Roman von Regine Kölpin
Gelesen von Gabriele Blum
Audio-To-Go Verlag
9 Std. 20 Min.
auch als Buch erschienen im Knaur-Verlag

Todesspiel

Das Todesspiel beginnt als der elfjährige Albert dabei zusehen muss, wie die Familie seines Freundes umgebracht wurde. Nicht, dass er es absichtlich zusehen wollte! Er war auf dem Weg zu seinem Freund, als ein mächtiger Tornado auf das Haus seines Freundes zu brauste.

Todesspiel

Albert schaffte es nicht mehr in den Sicherheitsbunker der Familie und versteckte sich vor dem herannahenden Sturm im Hühnerstall. Keine gute Idee, denn der brach über dem Jungen zusammen. Doch war die Idee dann doch nicht so schlecht. Denn nach dem Tornado tauchte plötzlich ein Mann auf der Farm auf, der den überlebenden Familienmitgliedern helfen wollte. Albert steckte unter dem Haufen des Hühnerstalls und konnte sich nicht rühren. Aber einen Moment sah er den Mann. Und er hörte auch etwas, nämlich Schüsse, die die komplette Familie auslöschte. Dann sah Albert noch einen kurzen Augenblick den verschwindenden Mann, wie dieser, wie zum Dirigieren seine Arme schwang. Das Versteck hatte dem Jungen nun doch das Leben gerettet.

Amaia Salazar kommt aus Spanien und ist dort eine ausgezeichnete Kommissarin. Das FBI zeigt an ihr großes Interesse und würde sie gerne in ihrer Spezialeinheit integrieren. Amaia schließt sich der Einheit an und die machen sich daran, einen Serienmörder zu finden, der der Komponist genannt wird. Nachdem Albert, der Elfjährige, erklärt hatte, dass die Familie seines Freundes nicht vom Tornado getötet wurde, sondern von dem Mann, den er gesehen hat, wurde das FBI hellhörig. Amaia hat eine Begabung etwas mehr zu sehen, Dinge wahrzunehmen, die anderen verborgen bleiben. Ihren Intuitionen zu folgen. Dieser Familienmord war keine Ausnahme, denn auch andere Familien wurden in den Akten gefunden, die nach solchen Naturkatastrophen, mit den Köpfe Richtung Norden ausgerichtet waren. Immer mehr Übereinstimmungen tauchen auf. Amaias vorübergehender Chef Dupree nutzt ebenfalls seine Intuitionen und sieht in der jungen Frau eine große Ermittlerin.

In New Orleans zieht derweil Katrina, der mörderische Hurrikan, auf. Die Stadt ist im Ausnahmezustand und die Menschen versuchen sich in Sicherheit zu bringen. Das muss eine perfekte Bühne für den Komponisten, den Serienmörder sein. Das Team des FBI fliegt direkt dorthin, um diesen Serienmörder zu stellen.

Katrina, der Hurrikan

Ich kann mich noch gut an die Bilder aus New Orleans erinnern, als Katrina der Hurrikan, die halbe Stadt zerlegte. Wassermassen, ohne Strom und die zerstörten Häuser, machten das ganze wirklich zu einem Armageddon. Und genau in diesem Chaos einen Mörder zu finden, stelle ich mir nicht besonders leicht vor. Aber das FBI Team, zusammen mit der Kommissarin aus Spanien, macht das Ganze wirklich spannend. Amaia hat selber eine schreckliche Geschichte, die immer wieder zum Thema wird. Diese Geschichte hat sie zu der besonderen Frau gemacht, die sie heute ist. Aber auch ihr Chef, scheint sein schwieriges Problem mit sich herumzutragen, das nur sehr langsam an die Oberfläche kommt.

Ich habe schon sehr lange keine Thriller mehr gelesen. Diese blutigen Morde mag ich nicht so gerne. Doch ist der Thriller Todesspiel, ist  nicht ganz so blutrünstig. Klar, der Mörder zieht eine grausige Spur hinter sich her, wäre ja ohne auch zu langweilig. Aber es trieft eben nicht vor Blut. Todesspiel ist eher etwas subtiler, geht eher in die mystische Richtung, immerhin spielt es in New Orleans, wo man an die Geister glaubt. Wo Voodoo, Vampiere und Friedhöfe eine große Macht haben. Amaia ist schwer zu durchschauen und auch ihr Chef Dupree spielt ein Versteckspiel.

Die Bilder von den Verwüstungen in New Orleans und die Tatorte sind toll beschrieben. Ich fühlte mich oft als neben dran stehend. Tatsächlich hatte ich wirklich mal Spaß an diesem Thriller. Vielleicht lese ich bald wieder einen … Aber auch Rubi hatte ihren Spaß. Wir waren beide Feuer und Flamme

 

Todesspiel

Ein Thriller von Dolores Redondo
aus dem spanischen von Anja Rüdiger übersetzt
btb Verlag
ISBN 9783442772780

Die Köchinnen von Fenley

Die Köchinnen von Fenley spielt vor den Toren Londons. Seit zwei Jahren tobt der 2. Weltkrieg und die englische Bevölkerung leidet unter der Lebensmittelknappheit. Damit die Frauen auch noch mit wenig der Familie etwas auf den Tisch zaubern können, bringt der Radiosender der BBC einmal die Woche eine Kochsendung über den Äther: „The Kitchen Front“. Doch die wird von einem Mann moderiert, eine Co-Moderatorin muss her. Dafür veranstaltet die BBC einen Kochwettbewerb, der für vier verschiedenen Frauen aus Fenley vielleicht eine Lebensveränderung bedeuten könnte.

Die Köchinnen von Fenley

Da wäre zuerst einmal Audrey. Witwe und Mutter von drei Jungen. Sie betreibt in dem Dorf eine „Bäckerei“. Durch diesen Zuverdienst kommt die kleine Familie gerade so über die Runden. Audrey ist erfindungsreich und hat, wie so viele Familien zu dieser Zeit, ihren Garten in einen Gemüsegarten verwandelt. Eigentlich will sie an dem Wettbewerb gar nicht teilnehmen, weil sie ohnehin genug zu tun hat. Aber ihr Ältester bittet sie darum, zumindest einmal hinzugehen und es sich anzuhören.

Audreys arrogante Schwester Lady Gwendoline ist die zweite Köchin. Sie hat sich einen reichen Industriellen geangelt und lebt mit ihm in einem riesigen Gutshaus außerordentlich fürstlich. Doch sie ist nicht glücklich. Ihr Mann beachtet sie kaum und Gwendoline lechzt nach Anerkennung. Doch so einfach gestaltet sich das nicht. In der Gutshausküche wirtschaftet die dritte Köchin. Nell, das Küchenmädchen. Sie ha schon viel von ihrer obersten Köchin gelernt und eigentlich ist die junge Frau, die die besten Gerichte für die Herrschaften kocht. Nell würde gerne diesem Dienstbotendasein entfliehen.

Die vierte Köchin von Fenley ist Zelda. Sie kommt aus London und versteckt sich in der Provinz, damit niemand Anstoß daran nehmen kann, dass sie schwanger ist. Eigentlich hat sie schon in London als Küchenchefin gearbeitet. Doch das Restaurant wurde durch einen Bombeneinschlag zerstört. Hier auf dem Land arbeitet sie in einer Fabrik, in der Kantine. Zelda versucht mit einem französischen Akzent sich von den einfachen Küchenfrauen abzuheben. Sie würde gerne gewinnen, damit sie sich in London als Küchenchefin einen Namen machen kann.

Freundinnen

Das Buch erzählt davon, wie schwer es war, den Familien ein ordentliches Essen auf den Tisch zu stellen. Aber auch, wie aus Konkurrentinnen Freundinnen werden können. Am Anfang stehen die Frauen sich noch mit Argwohn gegenüber, doch so langsam kommt Bewunderung für ihr Können auf.
Was mir gut gefallen hat, sind die Rezepte die man in dem Buch findet. Die Frauen müssen eine Vor-, Haupt- und Nachspeise kochen. Die Zutaten sollten regional oder aus den Zuteilungen stammen. Butter, Sahne und sonstiger Luxus muss durch irgendetwas ersetzt werden. Und genau diese abgespeckten, erfindungsreichen Rezepte kann man nachlesen. Ich fand es spannend, wie man aus so wenig guten Zutaten noch ein schmackhaftes Menü zaubern konnte.

Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört und fand die Sprecherin Gabriele Blum einfach nur genial. Ihre Stimme hat dem ganzen noch mehr Tiefe und auch etwas Rührseliges gegeben. Ich hätte ihr ohne Ende weiter zuhören können. Sie spricht den Text so angenehm und unterhaltsam. Aber auch der Roman selber konnte mich überzeugen. Die Frauen finden einen emanzipierten Weg, der ihnen eine perfekte Zukunft bringen wird.

Ruby und ich waren jedenfalls sehr angetan von diesem Hörbuch. Wir schauen nach einem weiteren Buch, dass Gabriele Blum gesprochen hat. 🐭🐭🐭🐭🐭 geben wir dem Hörbuch Die Köchinnen von Fenley

 

Die Köchinnen von Fenley

ein Hörbuch aus dem Argon Verlag
geschrieben von Jennifer Ryan
übersetzt von Pauline Kurbasik
gelesen von Gabriele Blum
ISBN 978-3-7324-2005-6
Laufzeit 13 Stunden 7 Minuten

Salomés Zorn

Salomé ist eine intelligente Sechzehnjährige, die in ihren griechischen Klausuren immer mit Einsen glänzt. Sie ist sehr belesen, lernen macht ihr wirklich Spaß. Allerdings ändert sich etwas als sie auf das Gymnasium kam. Auf das „Reiche-Kids-Gymnasium“ wie ihre ältere Schwester unkt. Dazu kommt, dass Salomé ein wütendes Potenzial hat, welches sie so weit bringt, dass sie in einem Jugendgefängnis landet. Dort ist es kahl und so langweilig, so voller Strukturen, an die Salomé sich erst gewöhnen muss. Und daran reibt. Sechs Monate soll sie hier eine Strafe absitzen und hat Zeit über ihr noch nicht allzu langes Leben nachzugrübeln. Dabei soll ihr ausgerechnet der Therapeut Frits van Gestel helfen. Der Mann, der in einer Fernsehsendung, in einer Trash-Show Hello Jungle fremdenfeindliche Äußerungen gemacht hat.

Salomés Zorn

Seite 30: „Vielleicht aber werden Sturköpfe wie ich automatisch wütend, sobald sie in die Pubertät kommen. Vielleicht gibt es in meinem Leben zu viel, was mich wütend macht. Und wenn das stimmt, wird diese Wut nicht von selbst verschwinden“

Salomé teilt ihre Welt in die gute, intelligente und in die zornige, wütende Salomé. Während die Wütende hier in den langweiligen weißen Mauern ihre Zeit absitzen muss, sieht sie zu, wie die gute Salomé ihre Schule beendet und ein zufriedenes Leben haben könnte. Was hat Salomé nur so wütend gemacht? Sie hat es doch so gut, in der niederländischen Provinz. Es sind wohl ihre Mitschüler, die Nachbarn, denen die Hautfarbe von Salomé und ihrer Familie nicht gefällt. Salomés Papa stammt aus Kamerun. Im Gymnasium wird das Mädchen immer wieder mit abfälligen Worten bedacht. Sogar zu Hause wird die Familie von den Nachbarn beschimpft. Salomés Vater hat selber genug durchgemacht und würde es gerne besser haben für seine Kinder. Damit sie sich wehren lernen, hängt er in der Garage einen Punchingball auf und bringt seinen Töchtern bei, auch mal mit der Faust zurückzuschlagen.
Ob das der richtige Weg war? Salomé hat in der Jugendstrafanstalt sechs Monate Zeit, darüber nachzudenken.

So viel Zorn und Wut

Salomé sehr beschäftigt sich sehr mit sich selber und, wie sie in diese Geschichte hineinrutschen konnte. Es ist ein wahres Gedanken-Karussell. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, wie die Gedanken der Sechzehnjährigen hin und her gesprungen sind. Wie es war, als Salomé das erste und einzige Mal mit ihrer Familie nach Kamerun geflogen ist. In ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht und wo sie sich anfangs gar nicht besonders wohlgefühlt hat. Dann wieder die Gedanken über ihren Therapeuten, der dem Mädchen unangenehm und unangemessen erscheint. Ihr Zorn über ihr eigenes Verhalten, dass sie in diese Strafanstalt gebracht hat. War es wirklich richtig, sich zu wehren? …

Ich konnte gut nachvollziehen, wie es dem Mädchen ging. Der Zorn war sehr deutlich zu spüren, die Ungerechtigkeit nur aufgrund ihrer Hautfarbe, die Liebe zu ihrer Familie und auch die Angst vor den Mitschülern. Dabei wollte sie doch nur wissen, lernen und sich nicht fremd fühlen oder abgelehnt werden.

Die Autorin Simone Atangana Bekono hat hier ein wunderbares Buch geschaffen. Wir mit unserer hellen Hautfarbe können uns oft nicht wirklich vorstellen, wie es sich anfühlt so abgelehnt zu werden. Wer mit einer dunkleren Hautfarbe durch die Straßen geht, wird immer mit einem schiefen Blick angesehen. Als ob diese Menschen etwas „Abartiges“ wären. Sie werden in Schubladen gesteckt, ohne sie wirklich zu kennen.
Ihre Erzählweise ist sprunghaft und spiegelt das Innere ihrer Protagonistin wider. Ich finde, ein unbedingt zu lesender Roman. Ganz klar, dass Ruby und ich dem Buch 🐭🐭🐭🐭🐭 geben mussten.

Salomés Zorn

Ein Roman von Simone Atangana Bekono
Übersetzt aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm
246 Seiten
C.H.Beck Verlag
ISBN 9783406800009