Hingabe {Ein Roman von Bénédicte Belpois}

Als ich den Klappentext von Hingabe gelesen habe, war ich davon überzeugt, dass es ein Buch sein wird, das mich bezaubert. Doch die ersten Seiten und Kapitel brachten mich eher dazu, darüber nachzudenken, was die Autorin mir mit diesem Roman eigentlich sagen will. Erst weit nach der Hälfte des Romans konnte ich einen Bezug zu dem Hauptdarsteller Tomás finden. Doch vielleicht sollte ich dir erste einmal erzählen, was in dem Buch los ist.

Hingabe, der Inhalt

Als in einem kleinen spanischen Dorf in Galicien die zarte, fast durchscheinende Schweizerin Suiza auftaucht verwirrt sie die Männerwelt. Die junge Frau wirkt hilflos und spricht obendrein kein Wort Spanisch. Sie arbeitet in einer Bar, in die der Großbauer Tomás nach getaner Arbeit gerne seinen Rioja trinken geht. Als er die junge Frau wahr nimmt, brennen bei ihm sämtliche Sicherungen durch. Er will diese Frau einfach nur noch besitzen. Er kann an nichts anderes mehr denken. So kommt es, dass er Suiza schnappt und sie aus dem Laden zerrt, quer über die Felder und als er sich nicht mehr zurückhalten kann, über sie herfällt.

Er nimmt sie mit auf seinen Hof und sieht sie von diesem Augenblick an, als sein Eigentum an. Doch aus dem Besitzen wird tatsächlich langsam ein Gefühl. Suiza gibt ihm sich hin. Eine reine Hingabe. Sie fängt sogar an, seinen Haushalt in Ordnung zu bringen, sich einzurichten, und ihn um den Finger zu wickeln.

Hingabe, ganz und gar. Hat das mit ergeben zu tun? Ist Hingabe mit Aufgabe gleichzusetzen? Denn so hat sich mir Suiza dargestellt. Tomás allerdings verändert sich im Laufe des Romans und wird von einem harten, enttäuschten verlassenen Mann zu einem liebevollen Menschen. Wie gesagt, erst nach vielen Seiten konnte ich eine Art Sympathie für den krebskranken Mann entwickeln. Immer wieder kommt es dazu, dass Tomás die junge Frau brutal und hemmungslos penetriert. Doch Suiza scheint das als selbstverständlich anzusehen und zu akzeptieren. Im Gegenteil, sie ergreift auch selber immer wieder die Initiative und fordert den Mann heraus sich wie ein wildes Tier zu benehmen.

Was ich gelesen habe

Der Roman wird von Tomás erzählt. Er leidet darunter an Krebs erkrankt zu sein, seine (nicht geliebte) Frau an den Krebs verloren zu haben und als ungeliebtes Kind groß geworden zu sein. Aber auch Suiza kommt ab und zu zu Wort. Alle glauben, sie sei etwas dumm, was sich aber nicht bewahrheitet.
Das Ende des Romans, hat mich dann doch noch überrascht. So habe ich es mir nicht vorgestellt und irgendwie dann doch.

Erstaunlich ist nur, dass dieser Roman Hingabe, von einer Frau geschrieben wurde. Bénédicte Belpois ist eine über 50 jährige Hebamme, die sich mit Leid, Schmerz und Naturgewalt auskennt. Sich in den Mann hineinzuversetzen und die Triebe, die ihn überkommen in Worte zu fassen, ist schon eine Kunst. Auch wenn ich ihre Hauptfiguren bis zum Schluß nicht mochte, war es trotzdem ein Erlebnis ihren Roman zu lesen.

Eibt ein sehr interessantes Interview mit der Übersetzerin Eva Scharenberg zu diesem Buch. Der Link führt zu einer PDF. Ich kann es nur empfehlen mal zu lesen

Ein Roman von Bénédicte Belpois
Übersetzt von Eva Scharenberg
ISBN: 9783103900040
272 Seiten
S. FISCHER Verlag

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Mookie, Weihnachten mit Schwein

Mookie ist schon ein witziger Name für ein Hausschwein. Kurz vor Weihnachten steht plötzlich ein Paket vor Joachims Haustür. Ein Paket mit Luftlöchern und es zappelt ein wenig. Als er das Paket in seine Wohnung schleppt und öffnet, taucht daraus ein kleines Hausschwein auf. Es stöckelt mit seinen „Stricknadel-Beinchen“ durch Joachims Wohnung, die sich in einem furchtbaren Zustand befindet. Denn Joachim steckt in einer Sinnkrise, in einer Depression, die ihn zwingt zu Hause zu bleiben. Einzig der Weg über die Straße zum Späti lässt sich mit seiner Krise vereinbaren. Er trinkt zu viel, kifft und bestellt Essen, welches am Ende in den herumliegenden Kartons vergammelt.

Den einzigen ernsthaften Ausflug hatte er am Nachmittag vor dem Schwein unternommen. Ein Flirt über die Plattform Spinder bringt Joachim dazu, sich mit Madeleine auf einem Weihnachtsmarkt zu treffen.
Joachim will herausfinden, wer ihm dieses Schwein vor die Tür gestellt hat. Er bastelt sich auch verschiedenen Materialien eine Leine für das Hausschwein und macht sich, das zweite mal seit Wochen, auf den Weg an die frische Winterluft. Als er an einer Litfaßsäule vorbei kommt, entdeckt er unter einem abgerissenen Plakat die sechs Buchstaben MOOKIE und beschließt, das Schweinchen so zu nennen.

Auf seiner Suche nach dem edlen Spender, trifft Joachim auf sein Date vom Vortag. Die Frau, die er in seinem Suff in der Nacht noch über Handynachrichten beschimpft hatte. Doch die ist wie ein Schlüssel zu seiner Seele.

Mookie

In dem Klappentext von Mookie Weihnachten mit Schwein, dass Joachim in einer Sinnkrise steckt und dass er ein unglaubliches Abenteuer erleben würde. Ich habe einen seelisch angeschlagenen Mann heraus gelesen. Einen Mann, der sich mit üblen Sarkasmus und negativen Sprüchen gegen seine Umwelt abschirmt. Das Schwein und die junge Frau finden einen Weg in sein Leben und werden zu einem besonderen Erlebnis.

Laura Wohnlich hat einen netten, unterhaltsamen Roman geschrieben. Die 238 Seiten lesen sich schnell. Die Geschichte hat für mich nicht viel mit Weihnachten zu tun. Mookie selber wird sehr lustig beschrieben und ich könnte mir vorstellen, ein solches Hausschweinchen bei uns einziehen zu lassen. Am Ende löst sich die Suche auch auf. Joachim findet sein Leben wieder und noch so einiges mehr.

Dieses Buch steht in dem Januar-Bücher-Regal. Einfach schon, weil es wirklich unterhaltsam war

Ein Roman von Laura Wohnlich
Heyne Verlag
240 Seiten
ISBN: 978-3-453-42443-2

Über die Autorin

Laura Wohnlich, 1992 in Basel geboren, schreibt eigentlich schon immer. Unter anderem wurden ihre Texte im Entwürfe-Magazin und in der WELT veröffentlicht. Sie war Mitglied beim jungen Theater Basel, stand auf der Bühne und verfasste Drehbücher. 2017 erhielt sie vom Literarischen Colloquium Berlin ein Aufenthaltsstipendium. Ihr Debütroman SWEET ROTATION (2017) war »traurig und lustig, geistreich und psychologisch ausgeklügelt« (SRF). (von der Heyne-Autorenseite kopiert)

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Klugscheißer Royal deluxe

Klugscheißer Royal deluxe, die Fortsetzung

Es ist schon ein bisschen her, dass ich das Buch Klugscheißer Royal gelesen habe. Schon damals fand ich den Schreibstil von Thorsten Steffens ganz gut. Der Roman macht einfach Laune zu lesen. Der Hauptdarsteller, Timo Seidel, nimmt sich selber nicht mehr so ernst wie im ersten Buch. Er hat aus seiner Klugscheißerei gelernt und versucht nicht immer den Klugscheißer heraus hängen zu lassen. Das gelingt ihm auf den ersten Seiten fast schon ganz gut. Bis ihm der Kragen platzt, als er in der Tram zuhören muss, wie ein Pärchen, das ihm gegenüber saß, völlig dusselige Worte benutzte.

Das war dann aber auch ein Ausrutscher und Timo reißt sich fast immer zusammen. Denn er geht wieder zur Uni und möchte endlich Nägel mit Köpfe machen, indem er sich als Lehrer ausbilden lässt. Schon im ersten Buch hat Timo durch Zufall eine Klasse in der Abendschule als Aushilfslehrer übernommen. Er fühlt sich nun mit 29 Jahren endlich erwachsen genug, sein Studium zu beenden.
In der Uni trifft Timo auf die bildhübsche Sophie und verknallt sich in die YouTuberin. Wenn da nicht noch sein neuer, bester Kumpel Lennart wäre, der alle Frauen in Timos Umgebung angräbt.

Was ich gelesen habe

Auch dieses Buch Klugscheißer deluxe fand ich wieder sehr witzig. Mich bekommt man nicht oft zum lauten Lachen, aber hier musste ich wirklich immer wieder prusten. Thorsten Steffens hat ein Händchen für Situationskomik. Am liebsten mag ich allerdings die Stellen, in denen Timo mit der Tram unterwegs ist. Und wie er sich in der Abendschule als Lehrer durchschlägt. Dort gibt es nämlich noch seine Widersacherin Barbara, die ihn scheinbar auf den Tod nicht ausstehen kann.

Wieder werden manche speziellen Wörter gesondert erklärt, was nur noch mehr zum lachen reizt. Mir haben die 264 Seiten wieder sehr großen Spaß gemacht. Vielleicht wird der Autor noch einen AnschlußKlugscheißer schreiben, denn der Schluss lädt dazu ein. Und weil mir der Roman sehr gefallen hat, stelle ich ihn natürlich wieder gerne zu meinen Auswahlbüchern für den August und bei Monerls bunte Welt zu den Topps!

Autor Thorsten Steffens
ISBN 978-3-492-50165-1
272 Seiten
Piper Humorvoll Verlag:

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“Henry persönlich”, ein Lieblingsbuch

Henry persönlich

Henry persönlich ist der dritte Roman, den Stewart O‘Nan über die Familie Maxwell geschrieben hat. (Emily, allein ISBN: 9783499256295 und Abschied von Chautauqua ISBN: 9783499234910)

Dieses mal steht Henry im Vordergrund. Er ist der liebenswerte Nachbar von nebenan. Schon fast 50 Jahre mit Emily verheiratet. Vater von Margarete und Kenny. Großvater von vier Enkeln, die alle weit entfernt leben und ihre eigenen Probleme haben.

Emily macht den Haushalt und rollt jedes mal mit den Augen, wenn Henry mit anpacken möchte. Henry kümmert sich um alles andere was anfällt. Immerhin darf er den Abwasch machen. Er werkelt gerne im Keller an seiner Werkbank und wünscht sich immer wieder, noch einmal mit Emily nach England zu fahren.

Henry und Emily sind ein tolles Paar. Aufeinander eingespielt leben sie in einem Haus in Pittsburgh, gehen mit dem Hund um den See, laden ihre Kinder zu Festlichkeiten ein und genießen den heißen Sommer in ihrem Ferienhaus am See in Chautauqua. Stewart O‘Nan hat im Grunde das ganz normale Leben des Ehepaars beschrieben.

Und Henry dieses Buch gewidmet. Es ist die Wirklichkeit, die dieses Buch bezaubernd macht. Das alte Paar ist schon solange zusammen, dass sie sich im Grunde wortlos verstehen und trotzdem haben sie sich immer eine Menge zu erzählen. Sie schweigen sich auch an, in einer Einvernehmlichkeit, die einfach köstlich ist. Sie kennen alle ihre Eigenheiten und selbst der Hund Rufus weiß genau, wie er mit den beiden Alten gut zusammen leben kann. Augenrollen, Schulterzucken, Alltäglichkeiten,… inklusive.

Was ich gelesen habe

Wir dürfen die beiden alten Menschen ein Jahr lang begleiten und ihre Eigenheiten belächeln. Ich glaube, ich habe noch nie eine Figur aus einem Buch so sehr ins Herz geschlossen, wie den alten Henry. Schon nach den ersten Seiten war mir der Kerl so sympathisch. Dabei ist der Roman eher unaufgeregt. Die Kapitel sind sehr übersichtlich und doch fand ich immer etwas, dass mich verzaubert hat. Henry lässt auch immer mal etwas aus seiner Jugend aufblitzen. Er beschreibt dann, wie es damals war, als er aus dem Krieg zurückkehrte. Er liebt seine Emily und hat Angst was sein wird, wenn er nicht mehr für sie da sein kann.

Stewart O‘Nan hat ein Gespür für die Wirklichkeit, einen eigenen sehr feinen Humor, der einfach Spaß macht, gelesen zu werden. Dieses Buch gehört zu meinen Lieblingsbüchern und in das Regal für die April-Bücher

Übersetzt wurde das Buch von Thomas Gunkel. Gunkel war vorerst Erzieher, bevor er von 1985 bis 1991 ein Studium der Germanistik und Geographie in Marburg absolvierte. 1991 begann er, für den Marburger Hitzeroth Verlag englischsprachige Romane ins Deutsche zu übertragen und arbeitet seither als freier Übersetzer.

Verlag: Rowohlt
Autor:  Stewart O‘Nan
480 Seiten
ISBN:  978-3-498-00121-6
übersetzt von: Thomas Gunkel

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Die zwei Päpste {eine Rezension}

Die zwei Päpste, ein Buch von Anthony McCarten

Die zwei Päpste ist ein Buch aus dem Diogenes Verlag. Und ich finde, das Bücher aus diesem Verlag schon immer einen ziemlich hohen Anspruch haben. Schon auf den ersten Seiten kam ich ins straucheln. So viele Begriffe und Situationen aus der Welt der Kirche, die mich etwas überforderten. Doch nach einigen Seiten gab es sich dann und ich fand mich in einer Art Biografie der letzten zwei Päpste wieder.

Aber wie kamen die beiden Päpste eigentlich zu ihrer Ernennung? Wie geschah es, dass Benedikt am 28. Februar 2013 zurücktrat und den Weg für den intelligenten und charmanten Jorge Bergoglio aus Argentinien beziehungsweise Papst Franziskus frei machte. Genau das erzählt uns auf 400 Seiten der Autor Anthony McCarten. Tatsächlich handelt es sich (wirklich) um ein Sachbuch, das aber so aufgebaut ist, dass es spannend genug ist und man einfach immer weiter lesen möchte. Die Kapitel sind recht kurz gehalten. Die Geschichte der beiden Männer so unterschiedlich. So wie es das Leben eben schreibt.

Es kam ja bisher nicht oft vor, dass es gleichzeitig zwei Päpste gab. Normalerweise muss erst ein Papst sterben, bevor der nächste gewählt werden kann. Allerdings gibt es einen Präzedenzfall, wo schon einmal ein Papst zurückgetreten ist. Den führte Benedikt an, um seinen Platz frei zu machen.

Was ich gelesen habe

Die beiden Päpste sind so gegensätzlich. In ihrem Handeln und Denken unterscheiden sie sich sehr. Genauso ist ihr Handeln als Oberhaupt der Kirche geprägt. In dem Buch werden die beiden Männer vorgestellt, wie sie dazu kamen sich in der Kirche zu etablieren, was sie zu dem machte, was sie heute darstellen. Ihr Werdegang, welche Umwege sie machen mussten, um zu dem zu werden, was sie heute sind.

Jorge Bergoglio kommt aus Argentinien, hat dort so manches erlebt, das in dem Buch beschrieben wird. Auch in welche Verstrickungen der junge Priester gelangt war. Es gibt scheinbar noch einiges, das nicht nachzuvollziehen ist und woraus dem Papst Franziskus ein Fallstrick gedreht werden kann. Aber auch Benedikt steht nicht unbescholten da. Auch ihm wird einiges vorgeworfen, das erörtert wird. Die Hintergründe zu lesen, fand ich spannend und wirft ein ganz neues Bild auf die Vorstände der katholischen Kirche.

Auch fand ich es interessant, wie es in einer Konklave zugeht. Wie ein Papst gewählt wird. Unter welchen Maßstäben ein Oberhaupt gewählt wird. Auch wenn es sich um ein Sachbuch handelt, sehr spannend und informativ.

Der Autor und die Übersetzerin

Anthony McCarten, ist ein neuseeländischer Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor und Filmproduzent. 1961 in New Plymouth geboren, hat er nach der Schule einige Zeit als Reporter gearbeitet. Stefanie Schäfer ist eine deutsche Übersetzerin, die aus dem Niederländischen, Afrikaans, Englischen und Französischen übersetzt.

Diogenes Verlag
400 Seiten
ISBN 978-3-257-07050-7 

Ein Buch, das ich gerne zu den Monatsbücher April stelle.

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Eine Familie in Deutschland, Am Ende die Hoffnung

Am Ende die Hoffnung

Der zweite Teil aus dieser Reihe
ein Roman von Peter Prange

Peter Prange hatte am Ende des letzten Jahres schon den ersten Band heraus gebracht. Schon da war ich so sehr von der Geschichte einer Familie in Deutschland gefangen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch dieses mal erging es mir so. 813 Seiten schnell durchzuarbeiten, ist schon ein Schuh. Aber wer erst einmal die Nase in dieses Buch,  Am Ende die Hoffnung steckt, ist für eine Weile nicht mehr ansprechbar.

Was bei mir immer ein Zeichen für ein besonderes Buch ist, ist dass ich mir auch während der „nichtlese“ Zeit, Gedanken über die Protagonisten mache. Wie geht es wohl weiter? Oder was hat die Figur zu ihrer Reaktion gebracht. Peter Prange schreibt einfach so mitreißend. Seine Kapitel sind kurz gehalten und springen von einem Mitspieler zum nächsten, so dass man immer auf mehr wartet.

Aber worum geht es eigentlich

Es geht um eine vielköpfige Familie in Deutschland, genauer gesagt in Fallersleben bei Wolfsburg. Nachdem das letzte Buch von Prange die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg erzählte, stecken wir bei diesem Werk mitten drin. Georg der erstgeborene Sohn, ist Mitentwickler des Volkswagens und arbeitet für Ferdinand Porsche, fällt allerdings unangenehm auf und muss dann an die Front. Edda die älteste Tochter liebt Frauen, was zu dieser Zeit natürlich besser niemand erfahren darf. Charlotte hat sich für den jüdischen Architekten Benjamin entschieden und geehelicht. Wie sollte es anders sein, diese Ehe bringt viele gegen die Beiden auf. Besonders der zweite Bruder Horst, der ein durch und durch gefestigter Nazi ist, stellt sich gegen seine Schwester. Er hat inzwischen einiges an Macht und lässt sich sogar dazu herab, dafür zu sorgen, dass Benjamin fast nach Auschwitz muss. Dann gibt es noch den kleinen Willy, der Nachzügler, der mit dem Down Syndrom gesegnet ist. Schon im ersten Band von Peter Prange, wurde er in einem Heim in Brandenburg untergebracht. Die Eltern Dorothee und Hermann versuchen alles, um den kleinen Kerl mal besuchen zu können.

Am Ende die Hoffnung

Der Autor hat versucht alle Klischees in diesem Roman unter zu bringen, die in dieser Zeit zu Verzweiflung, Zusammenbruch und Chaos führten. Sein Roman ist sehr umfangreich und sehr gut recherchiert. Es macht, obwohl es um grausige Themen geht, unheimlichen Spaß der Familie über die Schulter zu schauen. Auch familienfremde Figuren machen den Roman sehr lesenswert. Die Jüdin Gilla, erinnert stark an die denunzierende, wahrhaftige Greiferin Stella Goldschlag. Göring, Staufenberg und Co, haben natürlich auch ihren Auftritt. Sie sind Nebendarsteller und der Roman fließt sozusagen um die „Stars“ herum. Ich finde es unglaublich gut gelöst.

Du merkst schon, ich bin absolut angetan von diesem großen Werk von Peter Prange. Seine Familie aus Deutschland sind in meinen Augen Bücher, die verfilmt werden müssten. Die Familienmitglieder zeigen wie schwierig das Leben damals war. Beziehungsweise wohin es die Menschen getrieben hat. Der Spannungsbogen den der Autor absolut halten kann, und das über sehr viele Seiten, macht den Roman keineswegs langweilig. Obwohl ich lange auf den zweiten Band warten musste, habe ich sofort wieder in die Geschichte hinein gefunden. Es kam mir vor, als hätte ich den ersten Band erst gestern aus der Hand gelegt. Ich habe mitgefiebert, war wütend, unglücklich, habe geweint und gehofft. Vereinfacht gesagt, ich habe in dem Buch gelebt…Natürlich gehört dieses Buch zu meinen Favoriten in diesem Monat. Verlinkt bei Moner’l wird es natürlich auch.

Ich kann allerdings nicht sagen, ob man den zweiten Roman alleine lesen kann. Ich habe es ja schon oben geschrieben, mir war es, als kenne ich alle Mitspieler und so hatte ich keine Probleme beim Einstieg.

von Peter Prange
ISBN: 978-3-651-02502-8
816 gebundene Seiten
FISCHER Scherz Verlag

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