Monkey

Monkey, ist ein Thriller, der den Leser ganz schön in Atem hält. Lass uns mal spekulieren: Stell dir vor, Marilyn Monroe und John F. Kennedy wären damals nicht gestorben! Stell dir vor, sie hätten ihren Tod nur inszeniert, um unterzutauchen und ein neues Leben zu Leben, ohne den ganzen Medienrummel.

Monkey

So viele Geschichten, Mythen und Erzählungen ranken sich um die Monroe. Warum hat sie den Freitod gewählt? Hat sie wirklich Tabletten geschluckt. Oder wohnt sie inzwischen zusammen mit dem ehemaligen Präsidenten in der Tudor Villa neben dem Schriftsteller Milton Grower? Und da sind wir auch schon bei dem Hauptcharakter in dem Buch Monkey. Milton Grower hat eine Schreibblockade, dümpelt ein bisschen in Flagstaff/Arizona herum. Er unterrichtet an der UNI ein bisschen Englisch und hat immer wieder kleine Affären mit knackigen und viel zu jungen Studentinnen. Aber was ihn wirklich interessiert sind seine Nachbarn. Carl und Melody. Der Autor glaubt, dass die beiden Marilyn und JFK sind! Er macht sich so seine Gedanken und beginnt einen neuen Roman zu schreiben.

Hektisch, Abenteuer und Komik

Wenn ich so darüber nachdenke, dann kann ich diesen Roman nicht wirklich einordnen. Der Erzähler, in diesem Fall der fiktive Autor Milton Grower, hat sich in seinen Gedanken, das seine Nachbarn JFK und MM sind verbissen. Er steigt in Häuser ein und räubert Gräber aus. Gleichzeitig macht er immer wieder Andeutungen über die vollbusigen Studentinnen, während er den smarten Detektiven/Autor heraushängen lässt. Ich kann nicht sagen, dass dieser Krimi mir gefallen hat, mir hat das Thema zugesagt. Die Suche nach der Wahrheit. Ob der ehemalige Präsident Kennedy wirklich erschossen wurde und wie absurd die Aussagen der damaligen Zeugen und Ärzte waren, hat ja schon so manchen zweifeln lassen. Wie Marilyn gestorben ist, ob sie wirklich eine Überdosis ihrer Tabletten genommen hat, obwohl sie nicht mal ein Glas Wasser auf ihrem Nachttisch stehen hatte.

All das erwähnt der Autor und Icherzähler ebenso wie er immer wieder eine lange Aufzählung von Orten, Musiktiteln und Bücher macht. Ich war zwischenzeitlich so weit das Buch zuzuklappen und es zu beenden und dann geschah doch wieder etwas das mich bei der Stange hielt. Der Icherzähler gehört jedenfalls nicht zu meinen Lieblingsfiguren in diesem Buch. Ich empfand ihn als ziemlich arrogant und überheblich. Wie gesagt, die Story an sich, der Gedanke das die beiden „Stars“ noch am Leben und ganz friedlich untergetaucht sein könnten, ist spannend. Wiedereinmal musste ich mich mit der Biografie M. Monroes beschäftigen und wieder warfen die Daten und Aussagen Fragen auf.
Aber zurück zu dem Roman Monkey. Wer es mag, dass eine Geschichte ziemlich veralbert vorgetragen wird, ist mit diesem Roman sicherlich auf der sicheren Seite. Die Sätze kommen abgehackt rüber. Man fühlt sich fast wie in einem krassen Kino-Thriller. Für einen verregneten Tag das passende Buch um der Langeweile etwas entgegenzuhalten. Was mir allerdings echt gut gefallen hat, waren die Bezüge zu den echten Promis und Begebenheiten. Welche das sind, kann man auf den letzten Seiten des Romans nachlesen. Wie gerne würde ich genau darüber noch mehr lesen!

Ich gebe dem Roman 🐭🐭🐭 Rubi dagegen war hin und weg ob des rasanten Plots und vergibt 🐭🐭🐭🐭 Mäuse.

 

Monkey

geschrieben von Jens Feuerriegel
aus dem Golkonda Verlag
ISBN 978-3-96509-081-1
240 Seiten

Die Frauen des Hauses Wu

Der Klassiker „Die Frauen des Hauses Wu“ ein Roman, wurde schon vor langer Zeit (1949) von Pearl S. Buck geschrieben.
Die Autorin Pearl S. Buck wurde in Amerika geboren. Dazu reisten Bucks amerikanische Eltern aus China zur Geburt ihrer Tochter nach West Virginia und schon im Herbst wieder zurück in das Kaiserreich China. Das Mädchen wuchs in China und Amerika auf, pendelte später immer wieder zwischen den Kontinenten hin und her. Sie hatte somit ihr Leben lang eine besondere Beziehung zu China und ihren Bewohnern. 1932 erhielt sie den Pulitzer-Preis für den Roman The Good Earth (Die gute Erde). Sie schreibt noch viele weitere Romane, Sachbücher, Biografien, erhielt 1938 einen Nobelpreis und noch verschiedene andere Preise. 1946 schrieb sie Pavilion of Women – Die Frauen des Hauses Wu.

Die Frauen des Hauses Wu

Madame Ailian Wu, Frau eines reichen chinesischen Kaufmanns, feiert ihren Geburtstag, sie wird 40 Jahre alt. Das ist schon ziemlich alt um noch Kinder zu bekommen, weshalb sie dafür sorgt, dass eine Zweitfrau in den Haushalt des Hauses Wu einzieht. Ihr Mann ist anfangs nicht besonders davon begeistert, aber er fügt sich den Wünschen seiner traditionellen Frau, die in einen eigenen Teil des Hauses zieht um dem „jungen“ Glück nicht im Weg zu sein oder sich vor ihrem Mann zu „schützen“. Immerhin hat sie ihm schon vier wundervolle Söhne geschenkt. Madame Wu hält alle Fäden des reichen Haushaltes in ihren wunderschönen und zarten Händen. Sie spricht mit silberglockenklarer, leiser Stimme und manipuliert ihr Gegenüber. Keiner widerspricht ihr, alle machen wie sie es vorschlägt.

Doch dann holt sie einen Ausländer, den Priester André in ihr Haus, der ihren vorletzten Sohn unterrichten soll. Ein großer Mann, ein bärtiger Riese, der so sanftmütig wie ein Lamm wirkt. Sie beginnt selber an dem Unterricht teilzunehmen und fängt an die Welt mit anderen Augen zu sehen und zu verstehen. Madame Wu ist in einer Zeit erzogen worden, in dem Frauen das machen, was man schon immer von ihnen erwartet hat, dem Mann untertan zu sein, Kinder zu gebären und den Haushalt still und leise zu führen. Aber nun beginnt eine neue Zeit, eine Zeit des Umbruchs, die sogar die elegante Madame trifft.

Umbruch

Die Frauen des Hauses Wu machen deutlich wie man in seiner Tradition gefangen sein kann. Wie sehr man an den alten Gepflogenheiten festhalten kann und selber gar nicht merkt, wie sehr man sich dadurch knechtet. Madame Wu stellt eines Tages fest, dass sie ihren Mann noch nie geliebt hat. Sie hat ihm Kinder geboren und sich immer wieder für ihn schön gemacht. Sie hat mit ihm lange wichtige Gespräche geführt und doch schien es nie, dass sie etwas für ihn empfindet. Erst als sie den ausländischen Priester kennenlernt, begreift sie was ihre Gefühle eigentlich bedeuten.

Ich habe das Buch in einer Lesegruppe gelesen und die Meinungen dort gingen etwas auseinander. Für mich scheint es einfach nur ein Buch darüber zu sein, dass eine Frau plötzlich entdeckt, das ihr vorheriges Leben nicht perfekt war. Dass sie durch Gespräche und Austausch ihren eigenen Kosmos erweitert, verändert und vielleicht ein großes Stück verbessert hat. Ich mochte die Hausherrin und fand es verständlich, dass sie ab einem bestimmten Moment, sich in ihren eigenen Teil des Hauses zurückzog. Auch fand ich die Veränderung sehr gut beschrieben, die Madame Wu durchlebte. Sie wurde weicher und ließ die Moderne zu. Sie öffnete sich für die Welt da draußen, wenn auch erst sehr zögerlich und gab Aufgaben an andere ab. Traditionen sind schön und gut, aber irgendwann muss man eben auch mal die Tür und sein Herz öffnen.

Es ist eine Entwicklung und man darf wirklich nicht vergessen, wann dieses Buch geschrieben wurde und in welcher Zeit und in welchem traditionsreichen Land dieser Roman spielt. Dafür ist es schon wirklich ein großer Schritt in die Freiheit der Frau. Von uns bekommt dieser Roman 🐭🐭🐭🐭 

 

Die Frauen des Hauses Wu

geschrieben von Pearl S. Buck
Übersetzt von Justinian Frisch
FISCHER Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-596-90398-6
336 Seiten

Real Americans

Ich habe schon so viel über das Buch „Real Americans“ gehört, sodass ich es ebenfalls lesen wollte. Und was soll ich sagen, ich bin nicht enttäuscht worden!

Real Americans

Lily ist noch jung und lebt 1999 in New York. Sie ist eine unbezahlte Praktikantin, lebt in einer WG mit einer Freundin. Sie ist geprägt von ihren Eltern, die damals aus China geflohen sind. Lily ist in Amerika geboren, sie kann kaum Chinesisch sprechen und doch wird sie immer wieder als Fremde angesehen. Während einer Feier trifft Lily auf Matthew, einen hübschen jungen Mann. Die zweiundzwanzigjährige verliebt sich in Matthew und staunt als sie feststellen muss, dass er der Sohn einer reichen amerikanischen (weißen) Familie ist, sich von ihnen möglichst fernhält. Nach einiger Zeit trifft sie dann auch die Familie ihres Freundes, da ist die junge Frau schon schwanger.
Viele Jahre später leben Lily und ihr Sohn Nick weit weg von New York. Lily hat sich einen neuen Namen gegeben und ihrem Sohn erzählt, dass sein Vater kein Interesse an ihm habe. Nick ist ein Nerd, er hat einen tollen besten Freund. Timothy will es nicht glauben, dass Nick keine Ahnung hat, wer sein Vater ist und überredet den Freund einen Gentest machen zu lassen.

Es gibt noch einen dritten Teil in diesem Buch, in dem May die Mutter von Lily ihre Geschichte erzählen wird. Ich fand alle drei Geschichten sehr spannend, süchtig machend. Man muss dieses Buch einfach verschlingen. Das Grundthema, so scheint mir, ist Vertrauen, Zeit und Familie, Ausgrenzung. Mays Tochter stammt augenscheinlich aus China, genau wie ihre Eltern. Allerdings ist Lily in den Staaten geboren und spricht so gut wie kein chinesisch. Nur ihr Aussehen macht sie zu einer Außenseiterin. Nick kommt nach seinem Vater, was außenstehenden immer etwas aufstößt, wie eine Chinesin einen weißen Sohn haben könne. Es dreht in diesem Roman auch viel um Gentechnik und Vererbungslehre.

Geheimnisse

Mich hat die Autorin Rachel Khong so sehr begeistert mit ihrer Schreiberei, dass ich es fast unerträglich fand, als der Roman so plötzlich zu Ende war. Jede Unterbrechung fand ich schrecklich. Die Figuren sind so liebenswürdig und die Autorin hat eine Art zu schreiben, die mich auch noch nach dem Lesen beschäftigt hat. Manchmal wünschte ich auch, ich hätte mehr Zeit, könnte die Uhren langsamer stellen so wie die Frauen in diesem Buch. Ich könnte all das schaffen, was ich mir vorgenommen habe, die Momente mehr zu genießen, Situationen mehr  auskosten. May die Mutter/Großmutter hat da wohl etwas gefunden, dass sie die Zeit förmlich still stehen lassen kann. Was das ist, sorry, dass musst du leider selber lesen. Ich verrate doch nicht alle Geheimnisse.

Ich liebe dieses Buch und kann es wirklich empfehlen. Die Figuren machen Spaß und sind wirklich gut beschrieben. Man fiebert mit und man kann diesen Roman nicht aus der Hand legen. Von Rubi und mir bekommt dieses Buch 🐭🐭🐭🐭🐭 Absolute Leseempfehlung!

Real Americans

geschrieben von Rachel Khong
Übersetzt von Tobias Schnettler
aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag
ISBN 978-3-462-00572-1
528 Seiten

 

Hase Hollywood

Ich liebe gute Kinderbücher und dazu gehört wohl der Hase Hollywood. Hase Hollywood ist wie der Name schon sagt ein Hase der das „Gasthaus zum fröhlichen Pups“ von seinem Uropa übernommen hat. Hollywood ist eigentlich ein Angsthase aber dafür auch sehr schlau, denn er liest mindestens zwei Bücher am Tag. Hase Hollywood lebt aber nicht alleine in dem Gasthaus. Das wäre ja auch viel zu langweilig. Da ist zum einen Kate die Katze, die ein bisschen wie eine Rockerin wirkt und sehr mutig ist.

Dann gibt es noch Mama Lou, eine Nilpferddame, die dafür sorgt, dass alles im Reinen ist und Giovanni der Koch mit einem riesigen Schnurbart. Diesen stelle ich mir allerdings sehr lustig vor, denn Giovanni ist eine kleine Maus, der früher auf Kreuzfahrtschiffen Chefkoch war. Und dann gibt es da noch Affe, ein großer Affe, der eigentlich gar keine Aufgaben hat, denn er ist einfach zu nicht zu gebrauchen, außer Spaß zu haben.

Hase Hollywood

Eines Tages kommt ein gefährlicher Pirat in das Gasthaus. Ein hässliches Krokodil, mit Piratenhut samt Totenkopf und richtig schlechten Manieren. Kapitän Grünzahn benimmt sich wirklich schlecht, er brüllt herum, was er zu essen haben möchte und legt die Füße auf den Tisch. Er bestellt bei Hollywood, der richtig große Angst vor dem wilden Kapitän hat die seltsamsten Gerichte, die Giovanni so schnell wie möglich in seiner Küche zaubert, während Kate die Küstenwache alarmiert. Denn der Kapitän ist ein gesuchter Pirat und nimmt die Beine in die Hand, als Willi Walross, die Küstenwache im Gasthaus auftaucht. Bei seiner Flucht vergisst das Krokodil einen Sack unter dem Tisch.

Affe findet in diesem Sack einen wunderschönen Glitzerball und jongliert mit diesem herum. Doch es stellt sich heraus, dass dieser Ball in Wirklichkeit ein Ei ist, aus dem kurze Zeit später ein lustiges Wesen krabbelt, das Affe ab diesen Moment als seine Mama ansieht. Lustig ist es jedenfalls anzusehen aber die richtige Mama muss gefunden werden. Und so machen sich die Freunde auf den Weg ins Drachenland …

Ein tolles Vor- und Selberlesebuch

Wie schön und vielfältig die Bilder sind! Ich habe die Seiten umzublättern sehr genossen. Immer wieder kann man noch etwas mehr entdecken. Dazu kommen kleine Kommentare zu den komplizierten Wörtern oder zu sprachlichen Übersetzungen. Jede Seite ist wieder eine kleine Überraschung. Dazu kommt der Text, der sehr amüsant ist und den kleinen Lesern bestimmt eine große Freude macht.
Was dieses Buch besonders macht ist, dass einer der drei Autoren gerade mal fünf Jahre alt war, als dieses Buchprojekt ins Leben gerufen wurde. Simon mochte die meisten Kinderbücher nicht, weil entweder böse Dinge geschahen oder sie einfach schlichtweg langweilig waren. Sein Papa Stefan hat zusammen mit Simon die Texte geschrieben (Simon hat sich dazu die wichtigsten Figuren ausgedacht). Und die Bilder stammen aus dem Tuschkasten von Anja Abicht, die Mutter von Simon. Hey, die Bilder sind ohne Computer entstanden, manche Menschen können noch mit Pinsel und Farben malen. Und die 250 Bilder sind wirklich toll!

Das Buch gibt es auch als Hörbuch. Aber für mich ist dieses Buch in den Händen einfach mal super schön und ich freue mich schon darauf es eines Tages meinem Enkelkind vorlesen zu dürfen. Rubi war jedenfalls auch sehr begeistert! 🐭🐭🐭🐭🐭 vergeben wir. Alleine die liebevoll und lustigen Bilder sind es schon Wert angesehen zu werden. Aber auch der mitreißende Text und die sympathischen Figuren machen absolute Laune. Ein Buch für Kinder von 4 bis 9 Jahre oder älter.

 

Hase Hollywood

Die Autoren: Simon & Stefan Rasch
Ilustriert von Anja Abicht
Aus dem Hasenfrosch Verlag
280 Seiten 
Hase Hollywood – Hardcover:

ISBN 978-3-9505678-0-9
Hörspiel auf CD:

ISBN 978-3-9505678-1-6
Mehr auf der Seite Hase Hollywood

Das Ende vom Lied

Das Ende vom Lied, ein Roman von Michael Wildenhaim erzählt von einem 13-jährigen Jungen und dessen Leben in Berlin der 1968er Jahre. Die Stadt ist geteilt, die Menschen sind noch nicht ganz über den Krieg hinweg und werden es wohl auch noch eine Weile nicht sein. Kriegsbeschädigte in Körper uns Seele sind nicht zu übersehen. Wildenhaim lässt seinen Jungen eine Geschichte erzählen, die einem eiskalt den Rücken runter kullert.

Das Ende vom Lied

Michael Wildenhaim hat einen wunderbaren und tiefgründigen Roman geschrieben, der ein besonderes Bild von einer Stadt und seinen Menschen zeichnet. Sein Ich-Erzähler ist ein schlauer Kopf, will aufs Gymnasium gehen. Er zieht mit seiner Familie aus Charlottenburg nach Schöneberg, muss sich dort erst wieder einleben, sich mit den Straßenjungen der Gegend auseinandersetzen und seinen Platz dort finden. Er hat Eltern, die mit Traumata aus dem letzten Krieg zu kämpfen haben, die aber versuchen ihren Kindern eine heile Welt vorzuleben. Dazu kommt das Erwachsenwerden und die erste Liebe zu einem Mädchen das allerdings mit dem stärksten Boxer der Gegend zusammen zu sein scheint.

Wieder einmal bin ich an einen Roman geraten, der sich am Anfang schwer anging. Aber wenn man das Muster des Romans verstanden hat und die Sätze nicht verschlingen mag, dann eröffnet sich eine spannende und vielschichtige Welt der Schreiberei. Der Autor liebt Bandwurmsätze mit vielen Kommata und Bindestrichen und manchmal „verrutscht“ der Leser in der Zeit und muss sich neu orientieren. Wenn man dann aber zwischen den Seiten angekommen ist, kann es passieren, dass man die 416 Seiten verschlingt. Es ist eher ein Roman, der sich an die älteren Leser wendet, oder solchen, die sich mit der Zeit der Revolution in Berlin der 60/70 Jahre auszukennen wissen. Manchmal verheddern sich die Erzählstränge und man versteht im ersten Augenblick nicht was man da gelesen haben mag. Manchmal habe ich über diese verwirrenden Sätze einfach hinweggelesen und fand einige Seiten später die Erklärungen.

Keine leichte Lesekost

Das Buch ist keine leichte Kost. Schwierig zu lesen und doch unterhaltsam. Vor allem, da ich in diesem Teil von Berlin aufgewachsen bin und ziemlich viele Schnittpunkte fand. Der Erzähler steckt zwischen den Fronten, wird gerade Erwachsen und findet heraus, wer er wirklich ist. Dazwischen die Protestaktionen der Studenten und die Machtkämpfe der Jungen von der Straße, die sich auch ein ums andere Mal bemüßigt finden, sich an den Protesten zu beteiligen. Die Aufklärung der eigenen Geschichte des Erzählers, die mit Betrug und Kriegstraumata einhergehen macht den Roman nicht leichter, da der Autor seine Sätze immer wieder gerne in verwirrende Stellungen bringt.

„Alle leiden darunter.“ – „Die Mauer tut einem nix. Die ist nur da.“ „Es werden Leute erschossen.“ „Nur welche aus dem Osten.“ Erschrockenes hüsteln, ungläubiger Blick … Das meint der Junge nicht ernst. „Was redest du da?“ „In Schöneberg gibt’s keine Mauer. In Charlottenburg auch nicht.“ „Darüber macht man keine Witze!“ 
Seite 167

Mir hat der Roman aber doch sehr gefallen. Vielleicht gerade, weil ich dort groß geworden bin und die Nähe zu dem Protagonisten sozusagen gespürt habe. Mir war die Mauer und die Fragen darum von der westdeutschen Verwandtschaft immer lästig, genau wie dem Erzähler des Romans.
Rubi fand den Roman dagegen schwer zu lesen und fand nicht immer die Zusammenhänge. Sie ist jünger und weiß nicht, wie es sich zwischen den Mauern Berlins angefühlt haben mag. Trotzdem geben wir dem Roman gerne 🐭🐭🐭🐭

Der Autor ist Westberliner. 1958 in Charlottenburg geboren, gehörte er in den 1980er Jahren für einige Zeit einer jungen Hausbesetzergruppe an. Seit 1987 schreibt Michael Wildenhain und hat schon einige Bücher, Romane, Theaterstücke, Lyrik, Prosa, Jugendliteratur und Sachbücher herausgebracht. Ich muss gestehen, das war mein erstes Buch von ihm, sollte aber nicht das Letzte gewesen sein.

Das Ende vom Lied

geschrieben von Michael Wildenhaim
416 Seiten
aus dem Klett-Cotta Verlag
ISBN:9783608989212