Bücher im April

Bücher im April

Und ich habe es fast vergessen! Ich war so aufgeregt, weil ich mich in der Welt herumgetrieben habe. Letzten Monat sind wieder eine Menge toller Bücher zusammen gekommen. Dann gibt es eben nur einen halben Monat , die Linkparty …

Mein Plan für diesen Monat

Ich bin auf den letzten Seiten von „1793“. Ein Buch, das mich gefesselt hat. Wäre ich nicht in der Weltgeschichte unterwegs gewesen, dann könnte ich schon die Rezension fertig haben.
„Die Farben des Feuers“, von Pierre Lemaitre liegt schon bereit und lächelt mich regelmäßig an. Hier geht es  um eine junge Frau in den Anfängen des Zweiten Weltkrieges, die als Alleinerbin eines Bankimperiums – in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben – ihre Frau stehen muss und sich gegen die Welt behauptet. Ich bin gespannt…
Außerdem, habe ich mir vorgenommen, das Buch „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, zu lesen. Nachdem das neue Buch von Joël Dicker herausgekommen ist und mein Buch schon so lange im Regal stand, wird es wohl endlich mal Zeit, dass ich es lese. Vielleicht muss ich mir dann das Neue auch noch besorgen. Mein Buch soll ein fesselnder Krimi sein, der Einiges verspricht. Habe ich schon mal gesagt, dass ich kein besonders großer Krimifan mehr bin? Ich scheine mich gerade wieder in meinem literarischen Geschmack zu verändern. Passiert dir das auch manchmal?
Ich habe mir nur diese zwei Bücher vorgenommen, da mir wahrscheinlich doch wieder das ein oder andere Buch in die Hand fällt und ich wieder abgelenkt bin. „Piccola Sicilia“ habe ich auch wieder auf meinen Stapel der Ungelesenen zurück gelegt. Ob der jemals schrumpft?

Vielleicht hast du Lust an meiner Linkparty teilzunehmen. Ich würde mich freuen. Jeden Monat sammel ich deine Rezensionen (wenn ich es nicht vertrödel! Soll aber nicht wieder vorkommen.)

You are invited to the Inlinkz link party!

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Tante Poldi, ein Unikum Ü 60 {Rezension}

Tante Poldi (und die Früchte des Herrn)…

…ist ein Unikum. Ü 60, mit ihrer Perücke und ihrer auffälligen Vespa, ist sie in ihrem Heimatort Catania gut bekannt. Sie lässt nichts anbrennen. Sei es, dass da noch ein Flascherl Wein offen herumsteht oder ein schicker Kerl, mit besonders kräftigen Unterarmen, ihren Weg kreuzt. Erst vor kurzem hat sie, zusammen mit ihrem Liebhaber dem Commissario Montana, einen Mord aufgeklärt. Tante Poldi ist Mordsüchtig! Als dann der Hund der Freundin „ermordet“ wird, macht sich Poldi an die Ermittlungen. Dabei trifft sie auf den Winzer Avola. Der Mann ist so attraktiv, dass sie sich am Morgen in seinem Bett wiederfindet, zusammen mit einem ordentlichen Kater. Am Ende steckt Poldi mitten in einem echten Mordfall, der an der Wahrsagerin Guiliana. Die lag nämlich tod zwischen den Rebstöcken des schönen Winzers mit dem Poldi die Nacht verbracht hatte.

Tante Poldi und die Früchte des Herrn

Der Neffe…

…erzählt die Geschichte mit viel Wortwitz. Er berichtet, wie sich Poldi auf die Suche nach dem Mörder macht und wie sie sich aus den Verdächtigungen des Commissarios herauswindet, (immerhin ist der etwas eifersüchtig). Dabei weiß sie nicht einmal mehr, was in der Nacht tatsächlich geschah. Tante Poldi erzählt ihrem Neffen gerne, mit viel Stolz und einigen Flunkereien (er muss halt auch nicht alles wissen), wie sie die Verbrecher zur Strecke bringt. Auf diese Art begleiten wir die Tante bei ihren Ermittlungen. Manches mal, musste ich schon sehr schmunzeln. Poldi ist schon sehr witzig.

Der Autor

Mario Giordano, schreibt Romane, Dreh- und Jugendbücher. Tante Poldi gehört zu einer Serie und es sind einige Bücher in dieser Reihe entstanden. Vielleicht habe ich auch schon den einen oder anderen Tatort von ihm gesehen.
Aus einem Interview (Donaukurier)

Mario Giordano: „Man sucht als Autor natürlich genau nach solchen Figuren mit Ecken und Kanten. Nichts ist langweiliger als allzu stromlinienförmige Protagonisten. Im Falle der Poldi war es so: Ich hatte so eine Tante. Die hieß Poldi und wanderte mit 60 Jahren nach Sizilien aus, um sich – wie wir alle dachten – totzusaufen. Das hat sie auch geschafft. Sie war eine glamouröse, beeindruckende Persönlichkeit. Wir haben sie alle geliebt. Eigentlich hatte ich gar nicht so viel Kontakt zu ihr, aber als ich dann über diesen Stoff nachdachte – ich wollte immer über Sizilien schreiben, wusste aber nicht, wie ich anfangen sollte -, fiel mir die Poldi ein. Mit ihr könnte so ein heiterer Krimi funktionieren, dachte ich. Natürlich habe ich die Poldi nach meiner Fantasie gestaltet. Aber die Perücke gab es tatsächlich.“

Tante Poldi und die Früchte des Herrn (Band 2)
Verlag :BASTEI LÜBBE
368 Seiten
ISBN: 978-3-404-17523-9

Diese Buch gehört zu meinen geplanten Büchern aus dem Oktober. Die November-Bücher liegen auch schon bereit.

Wer ist B. Traven

Zwischen Fiktion und Realität

ein Roman von

Torsten Seifert

 

B. Traven ist Schriftsteller und ein Pseudonym, um ihn ranken sich viele Geschichten. Keiner weiß, wo er sich wirklich aufhält und wer er ist. Seine Bücher lesen sich abenteuerlich und es geht oft um Unterdrückung und Ausbeutung. 1947 wurde ein Buch von diesem Schriftsteller verfilmt. Besetzt mit großen Stars wie Humphrey Bogart. Angeblich soll der persönliche Sekretär von B. Traven dabei gewesen sein, damit der Film möglichst dicht an dem Buch blieb. Und genau da kommt unser Held Leon Borenstein, aus dem Roman “Wer ist B. Traven”, von Torsten Seifert, ins Spiel. Der ist nämlich Reporter. Eigentlich spezialisiert auf Polizeiermittlungen, schickt ihn sein Chef nach Mexiko, zu den Dreharbeiten von  “Der Schatz der Sierra Madre”. Dort trifft er den Schauspieler Humphrey Bogart, mit dem er oft Schach spielt und versucht über Umwege an den persönlichen Sekretär von Traven zu kommen. Allerdings wird Leon von einer umwerfenden Frau abgelenkt und verliert die Spur zu dem Schriftsteller. Doch lässt er sich nicht beirren und sucht weiter nach dem geheimnisvollen Mann. Leon reist nach Wien und wieder nach Mexiko. Ob er den Schriftsteller findet, das möchte ich hier nicht sagen…

 

 

Torsten Seifert hat einen flotten, gut recherchierten und spannenden Roman um einen sagenumwobenen Schriftsteller geschrieben. Er hielt sich an viele Fakten, die man auch im Internet nachlesen oder hören kann. In den achtziger Jahren wurde sogar mal eine Dokumentation über Traven gedreht. Traven hat es geschickt angestellt nicht öffentlich aufzufallen oder aufzutreten. Seine Bücher haben viele Menschen seiner Zeit begeistert.

 

Der Roman von Torsten Seifert, begleitet den Reporter Leon Borenstein und wer hofft mehr über den geheimnisvollen Schriftsteller B. Traven zu erfahren, könnte enttäuscht sein. Aber der Roman macht wirklich viel Freude beim lesen. Spannungsgeladen, Filmreif. Die Seiten drehen sich fast alleine um. Seifert hat den Blogbuster – Preis der Literaturblogger 2017 gewonnen und ich finde zu recht. Krimis sind nicht unbedingt das was ich noch oft lese, aber in diesem Buch habe ich mich richtig wohl gefühlt. Ich kann es nur empfehlen.

 

von Torsten Seifert
Verlag Tropen
269 Seiten
ISBN: 978-3-608-50347-0

 

Bühlerhöhe

1952, Konrad Adenauer besucht mit seiner Tochter, die Bühlerhöhe im Schwarzwald. Er ist gefährdet, denn einigen Leuten gefällt der Gedanke nicht, dass er für das “Wiedergutmachungsgesetz” ist. Einem Gesetz, das den geschundenen Juden nach dem Krieg Geld zu spricht. Nicht nur den Deutschen widerspricht dieser Gedanke. Auch Gruppen aus anderen Ländern, ist der Kanzler ein Dorn im Auge. So schickt der Mossad eine junge Frau aus Israel ebenfalls in den Schwarzwald, um den Kanzler zu schützen. Denn sie hoffen auf das Geld, das dem jungen Jüdischen Staat Unterstützung verspricht. Rosa, war schon als Kind, auf der Bühlerhöhe. Sie kennt sich in dem Schwarzwald aus. Eigentlich ist sie keine Agentin, aber sie kann mit einer Waffe umgehen und hat einen wachen Blick. Ihr kleiner Sohn, bleibt im Kibbuz, bei den anderen Kindern. Rosa soll nicht alleine für den Schutz des Kanzlers nach Deutschland reisen, ein “Ehemann” soll sie in Baden-Baden treffen, doch dieser taucht erstmal nicht auf. Alleine fährt sie weiter auf die Bühlerhöhe und gerät in einigen Schlamassel.
Auf der Bühlerhöhe gibt es die Hausdame Sophie Reisacher, eine Person die von allen 150% verlangt. Sie ist eine sehr neugierige Person, die überall herumschnüffelt und auch nicht davor zurückschreckt, fremde Telefonate abzuhören und Briefe zu öffnen. Sie glaubt, jeden Menschen der in ihrem Hotel zur Tür hereinkommt, genau einschätzen zu können. Bei Rosa irrt sie allerdings und zeigt der Jüdin gegenüber auch einen Hauch von Hass und Widerwillen. Sophie hofft auf eine Erlösung aus dem Hotelgewerbe, denn eigentlich ist sie Straßburgerin und erwartet von ihrem Geliebten endlich geheiratet zu werden und in den Elsass zurückzukehren, den sie als Deutschenliebchen verlassen musste. Sie ist Witwe und ihr gefallener Mann war bei der SS, was ihr die Elsässer nicht verzeihen wollten.

“Durch den Regen dampfte der Wald vor Feuchtigkeit und roch intensiv nach Holz und Moos. Über dem Wasserlauf schwebten Nebelschwaden, so leicht und luftig, dass ein Windhauch sie vertreiben konnte. Für ein paar Minuten zeigte sich die Abendsonne und ließ Wassertropfen auf Tannenspitzen und Farnen wie Edelsteine glitzern. Rosa schien es, als ob der Wald sie mit seiner Schönheit nach diesem aufwühlenden Tag trösten wollte…” Seite 130

Ich war schnell begeistert von diesem Buch. In einer unglaublich schönen Sprache schreibt die Autorin ihren Roman. Man kann förmlich den Duft der Schwarzwaldtannen riechen und ist mit den Akteuren in den Wäldern unterwegs. Brigitte Glaser hat eine Art, den Leser in ihren Bann zu ziehen, die mir sehr gefällt. Innerhalb kürzester Zeit war ich in diesem Buch gefangen und musste einfach jede Minute lesen. Die Hauptfiguren träumen in vergangene Zeiten weg und nehmen den Leser mit. Zeigen die Abgründe, ihrer Gedanken und die Höhenflüge ihrer Wünsche. Ganz nebenbei, ist man Zeuge eines Mordes und einer Verschwörung. Kichernde Zimmermädchen und undurchsichtige ältere Herren, machen dieses Buch für jeden spannend. Nie ist man sicher, ob die zusammengesetzten Teilchen wirklich zusammengehören. Denn wenn man denkt der Lösung nahe zu sein, wird wieder neu gemischt. Aber so nach und nach versteht man die Hauptfiguren und weiß warum sie so handeln, wie sie handeln. Am Ende war ich mir nicht schlüssig, ob ich nun einen Roman oder einen Krimi gelesen habe. Die 445 Seiten waren viel zu schnell ausgelesen. Alles fand das richtige Ende. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, zu lesen. Aber bitte nur, wenn du die nächsten zwei Tage nichts vor hast, denn alles andere wird liegen bleiben.

Brigitte Glaser hat noch mehr Bücher geschrieben. Dieses hier gehört zu den Kopfkinobüchern. Wie die anderen Krimis sind, die sie geschrieben hat, kann ich nicht beurteilen, werde ich aber prüfen, denn der Schreibstil dieser Autorin ist dermaßen mitreißend, das ich mir das Kino schenken kann.
List Verlag
Kriminalroman Deutschsprachige Literatur
Hardcover
gebunden mit Schutzumschlag
448 Seiten

ISBN-13 9783471351260

Verlinkt mit –Buch und Mehr

Der kalte Saphir

Hin und her gerissen, war ich von diesem Buch. Habe ich nun einen Krimi gelesen oder einen Roman? Soll ich diese Geschichte ernst nehmen, ist sie wirklich passiert oder ist reine Fiktion? Die Straße in Berlin existiert wirklich und die Schauplätze, nahe dieser Straße sind absolut real. Beim googeln, nach der Rockband aus den 1980 Jahren, bin ich auf eine Seite gestoßen, die mir sogar Musikdownloads angeboten hat. Und in dem Buch fand ich die passenden Codes dazu. Ich blieb weiterhin verwirrt, denn ansonsten fand ich nichts über die “Kommune des Schreckens” oder die Band Klarstein…
Aber erst einmal will ich dir etwas über das Buch erzählen:
Die forsche und neugierige Jule Sommer, eine Musikjournalistin, die bei der Zeitung “Schall” arbeitet, fährt nach Griechenland, um den ehemaligen Tontechniker der Band Klarstein, zu interviewen. Nachdem der Sänger der Band, in Berlin, in der Villa in der Kopischstraße erschossen wurde, hat sich Sebastian Winter (der Tontechniker) auf eine der griechischen Inseln zurückgezogen und noch nie über den Mordfall mit jemanden geredet. Jule schafft es dem ehemaligen Bandmitglied, die wahre Geschichte ab zuluchsen. Denn Sebastian war damals dabei. Aber was verschweigt er? Und unter welchen Bedingungen kommt Jule an die Story.

“Der Sommer knallte nach langer Abwesenheit wieder seine ganze Hitze auf die Stadt und trieb den Menschen den Schweiß aus den Poren. Über dem Pflaster des Gehsteigs flirrte die Luft, und gegen das gleißende Licht erschienen uns die Menschen auf dem Ku’damm verzerrt, als würden ihre Moleküle von der heißen, aufsteigenden Luft hin- und herbewegt, die Körper gegen alle Naturgesetze bis zur Durchsichtigkeit zerstäubt. Ich liebe den Sommer in der Stadt, obwohl ich die lauen Nächte den schwülheißen Tage vorzog.”

Der Roman liest sich außerordentlich leicht. Auf jeder Seite findet man etwas mehr über die Band und ihre Mitglieder heraus. Jule ist eine sympathische Person und man hofft, dass ihr bei dem psychopathisch wirkenden Sebastian, nichts passiert. Auch die anderen Bandmitglieder sind toll beschrieben. Obwohl viel über Musik gesprochen wird, ist es nicht langweilig für Nichtmusiker. Das Buch ist in drei große Kapitel unterteilt. Gleich zu Anfang des Kapitels, findet man den Text zu dem Song aus der Zeit, die das Kapitel beinhaltet. Zudem bekommt man einen Downloadcode für die drei großen Hits der Musikgruppe. Natürlich habe ich sie mir heruntergeladen und kann nur sagen, nicht schlecht. Passt in die Zeit. Ich fand das Buch wirklich spannend geschrieben. Und wie gesagt, ich kann mich immer noch nicht entscheiden Roman oder Krimi. Michael Düblin hat mich auf jeden Fall mit seinem Schreibstil überzeugt. Er findet wunderbare Worte, die überzeugen. Ein sehr unterhaltsames Buch, das sich ziemlich schnell lesen lässt. Interessante Einblicke in das Musikbusiness lockern die Erzählung von dem Tontechniker auf. Aber auch Jule kommt in dem Roman zu Wort und man spürt mit ihr eine leichte Angst und eine kleine Überlegenheit.

von Michael Düblin

Johannes Petri Verlag
2016. 336 Seiten. Gebunden.
ISBN 978-3-03784-098-6