Wollwut, Der Handarbeitsclub ermittelt

Leonie Kramer hat mit Wollwut einen zweiten Wollkrimi draufgelegt. Im Januar habe ich den ersten Band, Maschenmord, gelesen. Nun hat die Autorin Tim Wallenstein, dem Ermittler, einen neuen Wollmord geschrieben. Dieses Mal geht es um Wolle färben, beziehungsweise um die Farbe Blau.

Wollwut

Tim Wallenstein hat sich nach dem ersten Wollmord in Finnland erholt. In Gedanken war er immer wieder bei der hübschen Wollladenbesitzerin Ariadne. Sie geht ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Er hat ihr sogar ein paar schöne Kornblumen besorgt, nachdem er wieder zu Hause in Madlfingen angekommen war. Aber zu einem Besuch kommt es einfach nicht. Erst bekommt der Kommissar Besuch von seinem Freund und ehemaligen Kollegen Arne und dann wird er auch noch zu einem Mord nach Kohlegrub gerufen. Ein Mann liegt in einem Moorbad, nur seine Füße schauen noch heraus. Der Madlfinger Krimi- und Handarbeitsklub ist auch gerade in dem Wellnesshotel anwesend. Sie haben dort ein Färberwochenende, einen Workshop gebucht. (Was für ein Zufall!). In dem Raum, wo auch die Moorwannen stehen, haben sie einige Wannen mit verschiedenen Farben angerührt und schon einige Stränge Wolle gefärbt.

Als man den Toten aus der Moorwanne zieht, erkennt man, dass er einen blauen Kopf hat. Nicht weil er erstickt ist, sondern weil er mehrmals mit dem Kopf in den Eimer mit Indigo getaucht worden war. Da ist der MKHC (Madelfinger Krimi und Handarbeitsklub) natürlich gleich wieder Feuer und Flamme und wird wieder den Kommissar Tim Wallenstein bei der Ermittlung unterstützen. Warum wurde der Mann erst gefärbt und dann in der Moorwanne abgelegt? Was steckt dahinter?

Farbrausch und Wolle

Leonie Kramer hat wieder mit Witz und einer ordentlichen Portion Wolle einen Krimi geschrieben. Ihre Figuren sind nach wie vor sehr unterhaltsam. Nur unser Kommissar bleibt etwas steif. Ok, das könnte natürlich auch an dem Fahrradunfall liegen, weshalb seine Schulter arg mitgenommen ist. Oder auch an seinem Freund Arne, der sich innerhalb kürzester Zeit mit den Madlfingerinnen sehr gut versteht. Natürlich könnte es auch daran liegen, dass der Freund dem Kommissar die (nochnicht-) Freundin ausspannen könnte. Wie auch immer, Madlfingen ist wieder in die Wollverstrickungen verwickelt und sucht den roten blauen Faden. Ich fand den Krimi wieder sehr unterhaltsam und habe ihn innerhalb kürzester Zeit weggelesen. Am Ende des Buches bekommt man noch die Anleitung zu dem Häkelbikini, der in der Geschichte immer wieder eine kleine Rolle spielt.

Die Kapitel haben witzige Überschriften, die zum Thema passen: „Wollwut schlägt öfter in Kreativität als in Aggression um“ oder „Weder ein Farbstich noch ein Farbrausch enden normalerweise tödlich“. Verstrickungen und Laufmaschen gehören einfach zu so einem Krimi. Ob am Ende alles gut wird? Das musst du schon selber lesen.

Nicht nur, dass die Autorin sich die Krimis ausdenkt, sie hat auch noch Madlfingen erfunden. Es gibt eine passende Seite im Internet. Klick hier! Außerdem hat die Leonie Kramer auch eine Instagram Seite, bei der es ebenfalls um Wolllust, -färben, -alltag geht. Von uns bekommt das Buch 🐭🐭🐭🐭, weil es wirklich unterhaltsam ist.

 

Wollwut

von Leonie Kramer
416 Seiten
aus dem Blanvalet Verlag
ISBN: 978-3-7341-1157-0

Die Erfindung des Lächelns

Gaunerposse oder Geschichtsunterricht. Die Erfindung des Lächelns, ein Buch, das herausfordert. War Paris 1911 nicht ohnehin sehr herausfordernd, spannend und turbulent?

Die Erfindung des Lächelns

Der Roman, „Die Erfindung des Lächelns“ erzählt die Entführung der La Jaconde (also der Mona Lisa). Ja, sie wurde tatsächlich 1911 aus dem schlecht bewachten Louvre in Paris entführt, oder besser gestohlen. Ein einfacher Schreiner, Vincenzo Peruggia, hatte sie sich unter den Mantel geschoben und verließ einfach das Museum, mit dem Bild. Vorerst bekam es gar keiner mit, dass die Mona Lisa fehlte, denn so bekannt war dieses Bild damals noch nicht. Damit Vincenzo an das Bild herankam, hatte er sich über Nacht in einem Schrank versteckt und am Morgen spazierte er völlig unbehelligt aus dem Louvre. Plötzlich war ganz Paris aufgeregt und suchte nach dem Gemälde von Leonardo Da Vinci. Künstler verkauften Nachahmungen vor dem Museum, die Presse schrieb darüber und die Pariser Bevölkerung machte sich über die Polizei lustig, die nicht in der Lage war, den Dieb zu fangen.

Der Louvre geriet in Misskredit. Ganze zwei Jahre blieb die Mona Lisa verschwunden, bis Peruggia sie einem Kunsthändler in Florenz anbot. Angeblich hatte der Handwerker das Bild die ganzen Jahre unter seinem Bett versteckt. Und nun wollte Vincenzo Peruggia die Mona Lisa wieder nach Italien, ihre Heimat, zurückbringen. Der Kunsthändler nahm Verbindung mit dem Louvre auf und der Schreiner wurde verhaftet. Die Mona Lisa aber machte erst einmal eine Tournee durch Italien, bevor sie wieder in Paris an der Wand hing. Wäre das Bild damals nicht gestohlen worden, wäre die La Jaconde niemals so bekannt geworden.

Die Jaconde ist verschwunden, doch ihre Lächeln schwebt noch in der Luft. Isadora fühlt sich ein wenig an die Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“ erinnert.

(Seite 85)

Spannend oder anstrengend?

Der Roman, „Die Erfindung des Lächelns“ erzähl diese Geschichte. Aber nicht nur. Der Autor hat eine spannende Geschichte um die Mona Lisa entworfen, die so oder auch anders gewesen sein könnte. Zur selben Zeit des Diebstahls lebten sehr viele bekannte Künstler in Paris. Unter anderem Pablo Picasso und der Dichter Guillaume Apollinaire. Auch diese beiden gerieten in das Visier der Polizei, wurden verdächtigt, das Bild gestohlen zu haben. So spann der Autor nun einige Geschichten um die beiden Künstler. Ebenso wie um die damals sehr begehrte und verführerische Isadora Duncan, der Erfinderin des sinfonischen Ausdruckstanzes. Einer Feministin, die sich von dem Korsett befreit hatte und sich am liebsten in wallende, hauchdünne Stoffe kleidete und die freie Liebe lebte.

Dann waren da noch die Revolutionäre dieser Zeit. Syndikalismus trieb damals ziemliche Blüten und so manches Leben blieb auf der Strecke. Auch diese politischen Auswüchse, nahm der Autor Tom Hillenbrand zum Anlass, spannende Geschichten zu spinnen. Und doch hat mich das Buch manchmal etwas zu sehr herausgefordert. Ich kenne mich in Paris nicht so gut aus. Die ganzen Gebäude und Straßen sind mir meistens nicht bekannt. Die vielen Namen, die in diesem Roman eine Rolle spielen, verwirren den Leser, oder zumindest mich. Doch der Autor bekommt immer wieder die Kurve, kurz bevor man den Roman beiseitelegen will, wird es wieder spannend. Geschichte eben mal etwas anders. Unterhaltend. Einiges musste ich im Internet nachschlagen. Tom Hillenbrand verwendet auch einige alte Begriffe dieser Zeit. Verwirrend, … wieder nachschlagen.

Mein Fazit zu dem Lächeln

Spannend, interessant, informativ und unterhaltend. Auch wenn ich immer wieder nachschlagen musste, so habe ich doch einiges mitgenommen. Die Mona Lisa und ihr Lächeln spielt in diesem Roman eher eine Nebenrolle und ist nur der Faden, an dem die Geschichte sich entlanghangelt. Das Buch liest sich wie eine Gauner-Posse. Der Autor Tom Hildebrandt spinnt verschiedenste Geschichten zusammen. Und es bleibt kein Faden lose. Alle Figuren kreuzen mit ihren Geschichten immer wieder den Weg Mona Lisas. Und der Kommissar, der dazu verdammt ist, das Gemälde wiederzufinden, könnte so manches Mal daran verzweifeln, dass die damalige Polizei noch mit Pferd und Fahrrad unterwegs ist.

Auch wenn der Anfang für mich etwas schwierig war, so war ich spätestens nach der Hälfte des Buches in Paris, in der Belle Epoque angekommen. Ich begleitete die Gauner, die Bonnot-Bande, malte mit Picasso in seinem Atelier, sah die Tänzerin halbnackt tanzen, und die Boheme mit Absinth anstoßen. Ein spannendes Buch, dass ich gerne gelesen habe. 🐭🐭🐭🐭 sind diesem Buch sicher.

 

Die Erfindung des Lächelns

Ein Roman von Tom Hillenbrand
Kiepenheuer & Witsch Verlag
512 Seiten
ISBN 978-3-462-31035-1

Der Kuss des Kaisers

Der Kuss ist ein berühmtes Bild von Gustav Klimt, das dieser an den Kaiser Wiens verkauft hat. Allerdings musste dazu die Moderne Galerie des Schlosses Belvedere, in der das Bild ausgestellt werden sollte, hergerichtet werden. Aber dann fand man diese Leichenteile und die Ausstellung schien gefährdet.

Der Kuss des Kaisers

Wir befinden uns im Jahr 1908 in Wien. Gustav Klimt hat den Kuss in einer Galerie ausgestellt und der Amtssekretär für Kultus und Unterricht, Josef Krzizek, wartete darauf den Künstler, um diesen zu dem Kauf des „Kuss“ zu überreden. Dazu brauchte es nur eines dicken Geldsäckels. Jeden Preis würde er dem Künstler bieten, um das schimmernde Bild mit Blattgold zu ergattern. Eine der Bedingungen Gustavs Klimt war, dass das Bild in einem angemessenen Raum ausgestellt und er den Platz selber inspizieren würde. Krzizek war aufgeregt, aber er konnte das Bild „Der Kuss“ ergattern.

Erna Kührer ist für die Sauberkeit in dem unteren Belvedere zuständig. Sie ist gewissenhaft, braucht sie diese Arbeit doch dringend, wenn sie in den guten Verhältnissen weiter leben möchte. Ihr Mann hat eine Schuppenflechte und ist zeitweise so unansehnlich, dass er keine Arbeit mehr findet. Aber die Kinder brauchen doch was Gutes auf den Tisch und die Wohnung muss auch bezahlt werden. Nur gut, dass ihr ältester Sohn Daniel verschwunden ist. Doch plötzlich steht der auch wieder vor der Tür. Unangenehm ist der. Treibt sich mit Gesindel herum und stänkert mit der Nachbarschaft. Am Ende zieht er seine hübsche zwölfjährige Schwester in seine Machenschaften mit hinein.

Leichenteile im Schlosspark

Die Aufregung ist groß, als Leichenteile im Schlosspark gefunden werden. Aber wo ist der Kopf zu dem Zerstückelten? Die Kriminalbeamten Pospischil und Frisch sollen den Mord aufklären. Im Schlosspark eine Leiche? War da wohl gar ein Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand geplant gewesen? Pospischil ist schon etwas älter und schon länger im Dienst. Er hat die Ruhe bei der Suche nach dem Mörder, beziehungsweise des fehlenden Kopfes, weg. Frisch dagegen möchte endlich unter Beweis stellen, dass er seinem Chef Pospischil in nichts nachsteht. Zusammen kommen sie der Lösung immer näher und am Ende, hätte man es kaum glauben wollen … Einzig der Kuss kommt nicht so oft vor, ist aber ein perfekter Aufhänger!

Christine Neumayer hat hier einen sehr schnell lesbaren und interessanten historischen Wien-Krimi geschrieben. Die Figuren machen wirklich Laune und lassen einen Blick ins alte Wien zu. Manchmal sind die Namen und Titel der ein kleines Verwirrspiel. Aber damit habe ich persönlich wohl ein Problem. Dann wünsche ich mir immer eine Liste von den Personen, die in dem Buch mitspielen. (Leider nicht vorhanden). Doch am Ende hat es nichts ausgemacht und ich hatte mein Vergnügen an den Ermittlungen. Spannend, was am Ende herauskam. Vermutet hatte ich etwas anderes. Aber ich bin ja auch keine Kriminale und muss solche verzwickten Fälle aufklären! Ich hoffe, das wird nicht der letzte Fall von Pospischil gewesen sein.

Die Autorin

In Niederösterreich geboren, lebt Christine Neumeyer heute als Schriftstellerin und Organisationsassistentin der Universität Wien in Wien. Seit 2017 ist sie die „Oberschwester“ der Region Österreich im internationalen Verein der „Mörderischen Schwestern“ zur Förderung der von Frauen geschriebenen Kriminalliteratur und seitdem verwirklicht sie mit österreichischen Autorinnen zahlreiche Projekte, so z.B. ein Schulförderprojekt oder ein Theaterprojekt. Besuchen Sie die Autorin und die Mörderischen Schwestern Österreich. (Text von hier kopiert)

Ich habe das Buch verschlungen und Rubi kam kaum hinterher. Von uns bekommt dieser Krimi 🐭🐭🐭🐭

 

 

Der Kuss des Kaisers

Ein historischer Wien-Krimi
geschrieben von Christine Neumayer
270 Seiten
aus dem Picus Verlag
ISBN 978371172136-5

Maschenmord, Krimi mit Verstrickungen

Tim Wallenstein dachte sich, in dieser Kleinstadt wird er sich von seinem stressigen Job ein wenig erholen können und dann geschieht dieser Maschenmord in der Wolllust. Mit einem grünen handgestrickten Schal erdrosselt, liegt die Aushilfe Nicole in dem angesagten Wollgeschäft in Madlfing am Marktplatz. Noch dazu war dieser Schal auch noch ziemlich schlecht gestrickt! Warum nur ist der Kommissar Tim Wallenstein nicht erst in den Urlaub gefahren, bevor er seine Versetzungsstelle in der bayerischen Kleinstadt angetreten hatte. Dabei hätte er es bitter nötig, einfach mal einen entspannten Job zu machen.

Ohne Koffein zum Maschenmord

Wallenstein ist in der Kleinstadt noch gar nicht richtig angekommen, da wird er auch schon zu seinem ersten Mordfall geschickt. Außer seiner neuen Espressomaschine hat er aus seinem alten Leben in Köln, kaum etwas mitgebracht. Ungewaschen und ohne seinen Koffeinkick (er kennt sich mit der Espressomaschine noch nicht aus) macht er sich auf den Weg zur Wolllust. Die Frau wurde erdrosselt, so scheint es. Und er ist nicht alleine am Tatort. Wallenstein bekommt tatkräftige Unterstützung von dem Madlfinger Krimi- und Handarbeits-Club, kurz gesagt dem MKHC. Drei Frauen des MKHC haben noch vor dem Kommissar die Nasen in den Fall gesteckt. Wer könnte die Aushilfe der Wolllust ermordet haben? Unangenehm aufgefallen ist das Opfer Nicole Durand des Öfteren, mit einem grünen Laceschal erdrosselt zu werden hat sie aber bestimmt nicht verdient. War es nur ein Raubmord oder steckt mehr dahinter?

Die Ladenbesitzerin, Ariadne Schäfer, hatte sich auch ein ruhigeres Leben in dem beschaulichen Madlfingen vorgestellt, als sie das Handarbeitsgeschäft ihrer Tante übernommen hatte. Sie modernisierte das Geschäft und organisierte Stricktreffen mit Krimiunterhaltung, woraus sich der MKHC entwickelt hatte. Man könnte sagen, fast alle Madlfingerinnen wurden Mitglied und sind seitdem außerordentlich gut vernetzt. Sehr zur Unbill des Kommissars, denn immer wieder funken die Damen zwischen die Ermittlungen.

Maschenmord und Verstrickungen

Dieser Krimi macht auf jeden Fall mächtig Laune. Allerlei Anspielungen auf mein liebstes Hobby, dem Stricken, bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Alleine die Überschriften der einzelnen Kapitel, die mit einem Wollknäuel, gespickt mit Stricknadeln verziert sind, zaubern ein Lächeln in mein Gesicht: „Eine Masche kann eine einfache Fadenschlinge oder ein Betrug sein“ „Die natürlichen Feinde einer Wollladenbesitzerin sind Motten“ oder „Ein Umschlag ist kein Tiefschlag“. Ich gebe zu, dass ein Strickunkundiger darin vielleicht nicht den tieferen Sinn sieht, aber ich denke, dass alleine der Titel dieses Krimis eher die Strickerinnen auf den Plan rufen würde.

Die Autorin Leonie Kramer hat diesen Krimi geschrieben. Eigentlich heißt sie ganz anders und Krimis schreibt sie sonst auch nicht. Aber sie strickt sehr gerne. (Nicht dass sich das in ihrem Krimi widerspiegeln würde!) Sie hat sich aber nicht nur ein Pseudonym zugelegt, sondern sich auch noch Madlfingen ausgedacht. Und die Mordwaffe kann man sogar nachstricken. Wie gesagt, ein StrickerinnenKrimi. Doch das sollte den Strickunkundigen nicht davon abhalten, diesen amüsanten Krimi zu lesen. Tim Wallenstein ist ein etwas arroganter und gutaussehender Typ. Außerdem scheint in Köln etwas geschehen zu sein, was ihm nicht so gut bekommen ist. Ariadne hat auch ein Geheimnis und überhaupt, hat hier jeder irgendeine Besonderheit oder ein Geheimnis. Die Figuren sind alle ein bisschen überspitzt gezeichnet, aber dabei allesamt liebenswürdig. Man merkt der Autorin an, dass sie Spaß am Schreiben gehabt hat. Und am Ende gibt es natürlich einen unerwarteten Täter.

 Rubi und ich hatten jedenfalls eine Menge Spaß mit diesem Krimi/Roman. Wir vergeben gerne 🐭🐭🐭🐭 und hoffen auf eine oder mehrere Fortsetzungen.

Maschenmord

Von Leonie Kramer
aus dem Blanvalet Verlag
ISBN 9783734111563
Taschenbuch
464 Seiten

Labyrinth der Freiheit

Labyrinth der Freiheit ist der dritte Teil einer Trilogie, die Andreas Izquierdo geschrieben hat. Es ist die Fortsetzung von drei sehr interessanten Figuren, deren Geschichte in den Anfängen der 1920 Jahre in Berlin spielen.

Labyrinth der Freiheit

Da ist einmal die Wunderschöne Louise, Isi genannt. Sie ist eine absolute Augenweide. Doch nicht nur das, sie ist intelligent und hat sehr großen Spaß am Leben. Doch in diesem Band beginnt ihre Geschichte mit dem Verlust ihres ungeborenen Babys. Dann ist da noch Artur.
Er ist der Macher, der Mann, den man sich immer an seiner Seite wünscht, damit nichts und niemand einem etwas Böses antun kann. Selber im Krieg durch eine Granate entstellt, hat er keine Vorbehalte, den Menschen gegenüber ihnen ebenfalls etwas anzutun. Er ist so etwas wie ein Gangsterkönig, der in den unsicheren Zeiten niemals auf dem Trockenen sitzt. Er betreibt gutgehen Clubs in der flimmernden Stadt Berlin und befehligt eine gut funktionierende Gangsterarmee.
Zu guter Letzt kommt noch Carl dazu. Er ist der eigentliche Erzähler der Geschichte. Carl ist der, den fast nichts aus der Ruhe wirft und immer bedacht und überlegend fungiert. Er ist Kameramann und hatte im letzten Buch noch mit Ernst Lubitsch gearbeitet und nun hilft er bei den Dreharbeiten an Dr. Mabuse von Fritz Lang in Babelsberg.

Wie ein Thriller von der Leinwand

Das Buch beginnt wie schon der zweite Teil recht schnell und man findet sich mehr oder weniger sofort in einem Thriller wieder. Erst nach dem ersten Kapitel wird es etwas ruhiger. Doch immer wieder wird man überrascht, wie schnell sich dieses Buch liest. Schade ist nur, dass man, wie auch schon beim zweiten Teil, vergebens darauf hofft, einen kurzen Rückblick zu bekommen. Erst nach einem ersten Drittel des Romans bekommt man vage mit, was in dem ersten und zweiten Teil geschah. Mir hätte es besser gefallen, wenn man eine kurze Zusammenfassung bekommen hätte.

Im Labyrinth der Freiheit werden die Helden von rechten Verschwörern angegriffen. Die Drei versuchen, die Missetäter zu finden. Dabei erleben sie so allerhand in dem alten Berlin. Sie treffen alte Bekannte, begehen Verbrechen, schmieren die Polizei, verfolgen Gangster, retten Hausmädchen und ihre schwulen Brüder. Kurz, es ist einfach spannend. Und alles mit dem Hintergrund beginnender Inflation, Politik, Nationalsozialismus und Menschenhass. Berlin vibriert und verhungert, geht pompös zugrunde. Obendrein immer wieder der ungeschlagene Berliner Kodderschnauzendialekt. Einfach toll zu lesen. Andreas Izquierdo ist nicht nur Schriftsteller, er schreibt auch Drehbücher, weshalb sich seine Romane wahrscheinlich auch so schnell und Filmmäßig lesen. Es war mir ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen, weshalb es 🐭🐭🐭🐭 erhält.

Labyrinth der Freiheit

Ein Roman von Andreas Izquierdo
aus dem Dumont Verlag
ISBN 978-3-8321-6591-8
500 Seiten