Quiet Girl

Quiet Girl ist ein Comic-Buch. Ich muss zugeben, ich habe schon ziemlich lange keine Comic- Bücher mehr gelesen. Als ich das Buch vom Quiet Girl  in der Hand gehalten habe, hatte ich das Gefühl, ich muss es lesen. Es handelt von der jungen Frau Debbie, die sich am liebsten mit sich selber beschäftigt. Ihr ist es einfach zu viel, sich in Gesellschaft anderer zu bewegen. Sie war schon immer so. Nur, je älter sie wurde, um so mehr schien sie in einen Zwang zu geraten. Die Eltern forderten sie auf: „finde mehr Freunde“, „Kannst du nicht mal etwas aufgeschlossener sein“, „Du wirkst so traurig“, „Kannst du denn nicht mal mehr erzählen“. Dabei fühlt sie sich so, wie sie ist vollkommen zufrieden

Debbie Tung, die Autorin und Zeichnerin, beschreibt den Werdegang einer jungen Studentin. Die junge Frau interessiert sich langsam für Jason, einen jungen Mann ihres Jahrgangs. Aber nur weil Jason sie sein lässt, wie sie ist. Zurückgezogen und mit ihren Büchern, auf ihrem Sofa zu Hause, liebt Debbie ihr Leben. Sobald sie gezwungen wird sich zu öffnen, nach draußen zu gehen, tritt ihr der Schweiß auf die Stirn und sie hat das Gefühl unkontrolliert herum zu zappeln. Sie macht ihren Abschluss, heiratet den jungen Mann und nimmt eine Stelle in einem Büro an. Doch am liebsten ist sie mit sich alleine, oder in der Stille mit ihrem Partner zusammen.

Quiet Girl, die Geschichte einer Introvertierten

Ich habe die Seiten verschlungen und daran gedacht, dass ich auch einmal so war. Es viel mir schwer, mich anderen Menschen zu öffnen. Meine Mutter machte es mir auch nicht leichter: „Sei doch nur einmal wie die Anderen!“ Und ich habe es gehasst, denn ich wollte doch nur meine Ruhe, meine Bücher und einen Platz, wo ich mich einigeln konnte.

Debbie Tung hat hier ihre eigene Geschichte gemalt. Ihre Bilder sind einfach, in Schwarzweiß gehalten. Die Figuren nicht besonders ausgeklügelt und mega fein gezeichnet. Es ist eine Lebensgeschichte, die introvertierten Menschen Mut macht. Einfach auch mal leise sein zu dürfen. Debbie Jung malt ihr Leben, auch wenn es einmal peinlich sein sollte. Und ihr Mann Jason, dem sie auf der letzten Seite auch dafür dankt, dass sie aus jedem Tag ihres und seines Leben einen Cartoon machen darf. Ein warmherziges Buch, das Mut macht und anderen, die den Mut nicht brauchen, ein Tränchen in die Augen treibt. Denn schau dich mal um, es gibt viel mehr Debbies in unserem Umfeld, als du in deinem lauten Leben siehst!

 

Quiet Girl

Loewe Graphix Verlag
illustriert von Debbie Tung
übersetzt von Katharina Hartwell
für Menschen ab 14 Jahren
184 Seiten
ISBN 978-3-7432-1079-0

Der große Nordwesten

Der große Nordwesten beginnt im schönen Kalifornien, Ende der 1930 Jahre, an einem Strand. Dort wird nach einem ausgelassenen Fest ein Mann aus dem Wasser gezogen. Ein Anblick, der sich der kleinen Jessie einprägt. Sie ist die Sechsjährige Tochter dieses Mannes.
Doch lange kann das Mädchen nicht zusehen, wie „der Wal“ aus den Fluten geborgen wird. Ihre Mutter packt kurzerhand nur Kleinigkeiten zusammen und flüchtet mit dem Kind. Sie tauschen ihr teures Auto gegen ein Schlechteres. Die Beider schlafen in kleinen Pensionen und ziehen immer weiter Richtung Kanada. Lorna und Jessie sind auf der Flucht. Die Reise geht über das eisige Wasser an der Küste Alaskas entlang, bis sie wieder auf dem Festland weiter in die Wildnis hinein fahren.

Seite 50: Wie durch Zauberhand erstreckte sich das ruhige Meer unter einem wolkenlosen Himmel: Azurblau, Kobaltblau, Silberblau, Türkisblau, Opalblau – die gesamte Blaupalette des Universums war vertreten, unendlich nuancenreich, und von der strahlenden Sonne mit glitzernden Goldpailletten versehe…

Mut zur Wildnis

Der große Nordwesten ist wunderschön und gefährlich. Aber das hält die hübsche Lorna nicht auf. Sie besorgt sich einen Pickup und fährt mit dem Mädchen über einen Trampelpfad, der in späteren Jahren einmal zu einer Landstraße ausgebaut würde, durch die Berge. Lorna hat eine Winchester, eine gezeichnete Karte dabei und genügend Mut sich allen Widrigkeiten zu stellen. Mutter und Tochter treffen mitten in der Wildnis auf Kaska einer Gwich’in, die sie retten und die ihnen eine Unterkunft und Versteck bietet.

Der große Nordwesten ist eines der Bücher, in die man sich erst hinein lesen muss. Es braucht seine Zeit, bis man sich in dem Roman wohl fühlt. Aber dann ist man gefangen, wenn die kleine Jessie die Flucht mit ihrer Mutter dem Mann erzählt, der die Geschichte aus seiner eigenen Erinnerung aufschreibt. Es ist ein Roadmovie, eine Gangstergeschichte oder auch eine Eroberung. Es ist eine Reise durch das ungestüme, noch ungezähmte Kanada, voller Geister und wilden Tieren. Der große Nordwesten in seiner vollen Schönheit.

Jessie, die von den Gwich’in Fuchsnase genannt wird, beschreibt ihre Flucht mit dem Wissen einer Sechsjährigen und dem Unwissen eines Kindes. Fantasie und Wirklichkeit vermischen sich. Heraus kommt eine unglaubliche Geschichte, in der sich die Wirklichkeit sacht heraus schält und den Leser immer wieder mit neuen, erstaunlichen Eindrücken überrascht.
Auf die poetischen Sätze muss man sich einlassen. Dann findet man sich in einer entsetzlich, zauberhaften Welt einer intelligenten Sechsjährigen wieder, erzählt von einer Erwachsenen.

Seite 261: Meine kurze Vergangenheit als unwissendes Kind war angefüllt von eingebildeten und gewinnbringenden Erlebnissen.

Rubi und ich geben diesem Buch gerne 🐭🐭🐭🐭 Es war eine wunderbare Reise. Dieser Roman steht natürlich auch in dem Januar-Regal

Der große Nordwesten

Ein Roman von Anne-Marie Garat
aus dem Goya Verlag
ISBN: 9783833742811
432 Seiten

Elektronische Bücher {Jahresprojekt 2022}

Um das mal gleich klar zu stellen: zu viele (elektronische) Bücher kann man gar nicht haben! der Kerl meckert zwar manchmal herum, weil hier eine Menge Bücher in den Regalen stehen, aber irgendwie mag er es auch. (Würde er nur nie zugeben!) Die Bücher, die ich meine, befinden sich auf meinem Ebookreader. Da sammeln sich die Bücher an. Denn eigentlich lese ich lieber echte Bücher. Seiten umblättern, das Buch im Schoß, den Kaffee in der Hand… Das ist einfach ein gutes Gefühl. Den Reader haben mir die Kinder vor langer Zeit geschenkt. Und inzwischen habe ich ihn gegen einen Neuen ersetzt. Denn wenn einer eine Reise tut, sind dicke Bücher schwer zu schleppen.

Zu viele elektronische Bücher

Es haben sich also eine Menge elektronische Bücher angesammelt. In dem Blog die Zitronenfalterin gibt es ein neues Jahresprojekt. Letztes Jahr habe ich nur mit meinem Karminrot-Blog teilgenommen. Doch dieses Jahr dachte ich mir, das ist doch mal ein guter Plan, 12 meiner elektronischen Bücher endlich mal zu lesen. Ich werde versuchen jeden Monat wenigstens ein Buch im Reader als gelesen markieren zu können.

Ein bisschen von allem

Die Auswahl an elektronischen Büchern ist auf meinem Tolino ein buntes durcheinander. Da finden sich Kinderbücher, Krimi, Sachbücher, einfache und schwierige Romane, Fantasie neben Horror. Einfach alles auf das ich Lust haben könnte. Und doch lese ich, wenn es geht, lieber ein richtiges Buch. Wie gesagt, der Reader ist ein praktisches Ding, wenn es darum geht, unterwegs zu lesen oder wenn man ein 800 Seiten Buch in einer Hand halten möchte.

Da ich aber höchst selten mit den Öffentlichen unterwegs bin und am liebsten auf meinem Sofa zu Hause lese, „rottet“ die elektronische Sammlung vor sich hin. Doch jetzt werde ich mich auf eben diese Bücher stürzen. Im Januar habe ich mich schon mal perfekt gedrückt. Es liegen hier noch zu viele „echte“ Bücher auf dem Stapel. Doch versprochen, das nächste elektronische Buch ist fällig! Vielleicht „Meine Zeit mit Eleanor“ oder Marlow, das ich schon ewig vor mir herschiebe.

Egal welches elektronische Buch sich anbietet. ich mache bei dem Jahresprojekt der Zitronenfalterin mit.

 

Unser kostbares Leben

Unser kostbares Leben nimmt uns mit in die 1970 Jahre in eine Kleinstadt am Main. Deutschland ist im Aufschwung, überall wachsen neue Produktionsstätten aus dem Boden. So auch in dem beschaulichen Mainheim. Auf der einen Seite des Mains steht die Schokoladenfabrik, deren Schokoladenduft sich die meiste Zeit über die Dächer der Stadt legt. Auf der anderen Seite des Flusses liegt eine Chemiefabrik, deren Gestank zum Glück nur selten die Anwohner belästigt. Nur wenn der Wind schlecht steht, dann sollte man Fenster und Türen geschlossen halten und möglichst nicht vor das Haus gehen. Halskratzen, Luftnot, tränende Augen könnten dann die Folge sein.

In den Siebziger Jahren war man noch so sehr damit beschäftigt das kostbare Leben zum Erfolg zu führen, dass es meistens egal war, über welche Leichen man klettern musste. Straßen wurden durch unnütze Feuchtgebiete gezogen, Medikamente in grausamen Tierversuchen ausprobiert und Abgase in den blauen Himmel getrieben. Was kostet schon die Welt?

Unser kostbares Leben

In dem Buch Unser kostbares Leben, haben die zehnjährigen Mädchen Caro Stern und Minka Schönwetter, die Hauptrollen. Caro die Tochter des Schokoladenherstellers, lebt mit ihren 4 Geschwistern in einem typischen Haus der 1970 Jahre. Glasbausteine am Eingang, die Küche in freundlichem braun und orange gefliest. Die Einrichtung ruft (bei mir) sofort Erinnerungen aus der Kindheit hervor. Schönwetters leben direkt auf der anderen Seite des Gartens der Sterns (Caro). Ihr Haus ist etwas moderner, unterscheidet sich aber nur in der Einrichtung.

Caro und Minka sind dicke Freundinnen. Am liebsten treffen sie sich im Schwimmbad. Im Frühling 1972 sitzen sie am Poolrand des Sprungturms und albern mit ihrem Vietnamesischen Freund Guy herum. Übermütig klettert der Junge die Treppe zum Sprungturm hinauf, obwohl es das Schild verboten hatte. Es ist nichts besonderes, denn die Kinder ignorieren öfter die Regeln in dem Schwimmbad. Das Sprungbrett biegt sich mehr als sonst und als Guy abspringt wird er förmlich katapultiert und landet mit dem Hinterkopf am Beckenrand und geht im Wasser unter. Die Mädchen retten ihren Freund aus dem 5 Meter tiefen Becken. Der Bademeister ist auch schnell zur Stelle und der Junge wird gerettet, ins Krankenhaus gebracht.
Warum das Brett so leicht eingestellt war und wieso man nie wieder etwas von Guy und seiner Mutter zu hören bekommt, das werden einige einflussreiche Männer der Stadt Mainheim still und heimlich beschließen.

Tierversuche, Menschenwohl und Umweltverschmutzung

Aber das ist noch lange nicht alles, über dass die Autorin Katharina Fuchs schreibt. Sie zeigt mit dem Finger auf die Tierversuche der 1970 Jahre und auf die Umweltverschmutzung, die in dieser Zeit noch ungefiltert, in den Himmel, die Flüsse und Seen geleitet wurden. Sie zeigt wie sehr die Frauen als nichtig angesehen wurden (Du bist nur meine Frau und die Mutter meiner Kinder!) Eine weitere Hauptfigur ist Claire. Eine Waise aus Vietnam, die als Hilfsprogramm mit zwei weiteren vietnamesischen Kindern nach Deutschland geholt wurden. Claire wird in einem Kinderheim für Mädchen in Mainheim untergebracht. Dort trifft sie auf die Ärztin Karin Lavalette, die die Kinder in dem Heim betreut. Lavalettes macht das nebenbei, denn eigentlich arbeitet sie in der Forschung in der Chemiefabrik. Ein Schelm der böses denkt. Kaum sind die vietnamesischen Mädchen in dem Heim angekommen, bekommen die Kinder zum Essen „Vitamine“ in Pillenform.

Die Autorin schreibt spannend und unterhaltsam. Die Protagonistin Caro könnte die kleine Katharina Fuchs sein, denn sie schreibt schon in jungen Jahren gerne Kurzgeschichten. Aus der Biografie von Katharina Fuchs, kann man entnehmen, dass ihr Vater die Schokoladenfabrik Sarotti geleitet hatte. Das Buch hat einen Suchtfaktor, die 624 Seiten sind meistens kurzweilig. Es gibt allerdings Passagen, die gekürzt werden könnten. Es mag interessant sein zu erfahren, wie es in einer Schokoladenfabrik zugeht, aber so detailliert, kann langweilen. Zwischendurch ziehen sich die Seiten allerdings auch mal sehr in die Länge und man ist versucht, einiges zu überlesen. Aber alles in allem ein gutes Buch.

Fuchs hat schon mehrere Bücher geschrieben, die ich noch nicht gelesen habe. In denen ging es um ihrer Großmutter, Mutter und ihre Tante. Da werde ich demnächst wohl noch etwas Lesezeit investieren müssen. Denn schreiben, kann die Autorin!

Von Rubi und ich bewerten dieses Buch mit 🐭🐭🐭🐭 Kürzer wäre es ein Lesespaß gewesen
Abgelegt im Januarbücherregal

 

Unser kostbares Leben

Ein Roman von Katharina Fuchs
aus dem Droemer Verlag
ISBN: 9783426282656
624 Seiten

Was kümmert mich Marie

Was kümmert mich Marie ist ein spirituelles Experiment, schreibt die Autorin auf der Buchrückseite. Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte die sich zwischen den Welten abspielt.

Was kümmert mich Marie

Irma wacht jeden Morgen mit einem Traum auf, der sie zu einer Frau auf einer Intensivstation gebracht hat. Einer Frau, die mit einem Verband um den Kopf nicht zu erkennen ist und im Koma liegt. Irma hat es satt und versucht diese Frau zu finden. In dem städtischen Krankenhaus auf der Intensivstation in Zimmer 11 wird sie fündig. Kurz bevor sie sich in das Zimmer der komatösen Patientin schleichen kann, sieht sie, wie ein attraktiver junger Mann aus dem Zimmer kommt. Alleine in dem Zimmer, findet sie ein Tagebuch. Das Tagebuch von Marie, die in diesem Bett liegt. Schnell schnappt Irma sich Marie’s Tagebuch, schmeißt es in die danebenliegende Handtasche und verschwindet wieder. Zu Hause schaut sie sich den Inhalt der Tasche an und stellt fest, dass diese Tasche genauso gut ihre eigene hätte sein können. Sie kommt sich ganz mies vor, als sie das Tagebuch zu lesen beginnt und beschließt, es am nächsten Tag wieder zurück zu bringen.

Das Leben und der Tod

Am nächsten Tag trifft Irma den attraktiven Pierre in dem Zimmer von Marie wieder. Die Irma und Pierre scheint etwas zu verbinden. Pierre, der Freund der komatösen Marie, bittet Irma ihm zu helfen, dass es seiner Freundin wieder besser geht. Sie treffen sich und philosophieren über das Leben und den Tod.

Anna Terris hat einen netten kleinen Kurzroman geschrieben. Es liest sich ganz schnell. Doch philosophische Texte sind nicht gerade meine Spezialität. Sich einfach mal durch so einen Roman zu lesen, dass geht nicht. Die 131 Seiten können da ziemlich lang werden, wenn man selber anfängt philosophisch zu denken. Der Tod und das Leben, da hat man eine menge Potential vor sich hin zu grübeln. Gut wäre es, wenn man ein solches Büchlein gemeinsam lesen würde und die Texte diskutieren könnte.

Philosophische Texte zu genießen, liegt mir nicht. Was kümmert mich Marie ist sicher sehr schön geschrieben, aber mich hat es nicht erreicht. Das liegt aber wie gesagt, nicht an dem Kurzroman selber. Somit geben Rubi und ich 🐭🐭🐭 Das aber nur, weil es nicht mein Genre zu sein scheint.

 

Was kümmert mich Marie

ein Kurzroman von Anna Terris
Ist ein philosophischer Kurzroman, von Anna Terris
Verlag : Tredition
132 Seiten
ISBN 9783347338142