Der Reisende, Ein Roman von Ulrich A. Boschwitz

Der Reisende

Der Reisende ist ein Buch, das man unbedingt lesen muss. Man spürt die Verzweiflung und Verlorenheit des Kaufmanns Silbermann. Ein wirklich gut geschriebener kleiner Roman.

Silbermann, ein reicher (jüdischer) Kaufmann, fühlte sich eine Zeitlang recht sicher, in der Zeit, als Hitler seinen Spießgesellen die Freiheit gab, mit den Juden machen zu dürfen, was sie wollten. An dem Tag, als Silbermann sein Wohnhaus verkaufen wollte, schlug die SS an seine Tür. Alle Juden wurden verhaftet und in Lager oder Gefängnisse verbracht. Silbermann’s Frau, die nicht jüdisch war, scheuchte ihn aus dem Hinterausgang auf die Strasse. Nur seiner ruhigen und gesetzten Art, hatte es Silbermann zu verdanken, den Schurken durchs Netz zu gehen, ihnen zu entwischen. Aber wohin nun? Ohne Ausreisepapiere war er aufgeschmissen. Sein Kompagnon konnte ihm einiges an Geld geben, das er in einer Ledertasche bei sich trug. Aber ohne wirkliches Ziel und Möglichkeiten, kam er nicht aus Nazideutschland heraus. So fuhr er als der Reisende mit dem Zug durch Deutschland.

Silbermann, einst Chef eines gut laufenden Kontors, war plötzlich ein Nichts, ein Jude ohne Rechte, ohne Handhabe. Abhängig von Menschen, mit denen er gestern noch Geschäfte getätigt hat, denen er Anweisungen gab und vertraut hat. Unsicher sucht er nach Vertrauten, nach Menschen, die ihm zur Seite stehen würden. Doch oft genug traf er auf Verräter. Ständig kreisten seine Gedanken um Dinge, die er machen könnte und verwirft sie sofort wieder, weil er sich sicher ist, dass er dann einen Fehler machen würde. Er musste einen Weg finden, ins Ausland zu gelangen. So stieg er in einen Zug und begann eine seltsame Reise. Er wurde der Reisende.

Was ich gelesen habe

Silbermann, der Kaufmann, erzählt seine eigene Geschichte. Die Gedanken sind unermüdlich am Rotieren. Wohin nur? Und wie? Wem kann er noch vertrauen? Dinge, die einem sicherlich in einer solch brenzligen Situation durch den Kopf gehen. Von der ersten Seite an habe ich mit dem Mann mitgegrübelt. Wie würde ihm geholfen. Der Roman hat sich sehr zügig gelesen. Bewundernswert dafür, dass der Schriftsteller selber noch nicht besonders alt war. Ulrich Alexander Boschwitz schrieb diesen Roman mit 24 Jahren. 1915 in Berlin geboren war er mit seiner Mutter nach Skandinavien emigriert. Dort schrieb er seinen ersten Roman, der ihm ein Studium ermöglichte. 1939 schrieb er dann „Der Reisende“ in England. 1942 wurde er dann nach Australien, als enemy alien interniert.

Auf seiner Rückreise, nach England, wurde Boschwitz‘s Schiff, von einem deutschen U-Boot torpediert. Sein letztes Manuskript ging (wahrscheinlich) mit dem talentierten Schriftsteller unter.

Klett-Cotta Verlag
303 Seiten
ISBN: 978-3-608-98154-4

1+

Das Versprechen des Bienenhüters

Das Versprechen des Bienenhüters

Nuri, der Bienenhüter und Afra, seine Frau, sind auf ihrer Flucht in England angekommen. In einem Land, dass sie nicht kennen, das ihnen Fremd ist, mit seinen Menschen und deren Leben und Gepflogenheiten. Nuri hofft, seinen Cousin in England zu treffen. Mit ihm zusammen wieder Bienen zu züchten. Denn Nuri war/ist ein Bienenhüter. Er versteht die kleinen pelzigen Honigsammler. Noch nie ist er ernsthaft von einer Biene gestochen worden. Das Leben hat ihm da schon übler mitgespielt.

Er hat seinen Sohn verloren, in seinem Heimatland Syrien. In einer Stadt, die es zwar noch auf Landkarten gibt und Aleppo genannt wird, aber in Wirklichkeit nur noch aus Häusergerippe und staubigen, zerbombten Straßen besteht. Afra, seine Frau hat früher, vor dem Krieg, Bilder gemalt. Wunderschöne Bilder. Ihre Kunst wurde bewundert. Aber nun ist ihr Blick leer, sie kann tatsächlich, seit dem Tod ihres kleinen Jungen, nichts mehr sehen. Sie lebt in ihrer dunklen Welt. Still und schweigsam ist sie geworden.

Auf ihrer Flucht, weg von dem Grab ihres kleinen Sohnes, hat das Paar einiges erlebt, das die Liebe zueinander auf eine harte Probe gestellt hat. Und das Leben in dem fremden Land, stellt sie erneut vor Probleme.

Sie hat diesen Ausdruck im Gesicht, … Er verleiht meiner Traurigkeit Substanz, macht sie spürbar, wie ein Pulsieren, aber es jagt mir auch Angst ein, Angst vor dem Schicksal und vor dem Zufall, vor Verletzung und Leid, vor der Willkür des Schmerzes und vor dem Wissen dass das Leben einem von einem Moment zum nächsten alles nehmen kann. …“ (Seite 128)

Was ich gelesen habe

Christy Lefteri schreibt ihren Roman in etwas eckiger Weise. Es fällt nicht immer leicht dem Verlauf zu folgen. Aber vermutlich spiegelt der Text, das Chaos im Kopf des Erzählers Nuri, dem Bienenhüter, wieder. Manchmal verfängt man sich in einem Traum des Erzählers. Und dann schwimmt man wieder mit ihm und seiner Frau auf einem Meer, oder streift durch die zerstörte Stadt Aleppo.

Erst beim Lesen wurde mir bewusst, unter welchen Umständen die Menschen, die den Krieg nicht wollten, leben müssen und wie schwer est ist, seine Heimat verlassen zu müssen wollen. Alle Bilder, die ich schon gesehen habe, waren nichts gegen die Worte der Schriftstellerin. Ab und zu musste ich schwer schlucken, bevor ich weiterlesen konnte. Nie wieder werde ich einen Geflüchteten ansehen können, ohne die Geschichte des Bienenhüters im Hinterkopf zu haben. Welche Schwierigkeiten diese Menschen auf sich nehmen, um in Frieden leben zu können. Was haben diese Menschen auf der Flucht erlebt, das ihr Ankommen in den friedvollen Ländern, nicht einfach macht?

Die Autorin

Christy Lefteri wuchs als Tochter zypriotischer Geflüchteter in London auf. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an der Brunel University. 2016 und 2017 verbrachte sie die Sommermonate als Freiwillige in einem von der Unicef unterstützten Geflüchtetenlager in Athen. Die Geschichten, die die Menschen ihr dort erzählten, inspirierten sie dazu, »Das Versprechen des Bienenhüters« zu schreiben. (Text stammt von der Verlagsseite)

Ein Roman von Christy Lefteri
Aus dem Englischen von Bettina Spangler
Originaltitel: The Beekeeper of Aleppo
352 Seiten
ISBN: 978-3-8090-2715-7

Ein Buch, das ich wirklich empfehlen kann. Ich habe es ja schon vor einiger Zeit begonnen zu lesen. Nur die Rezension hat mich eine Weile aufgehalten.

2+

Eine Familie in Deutschland, Am Ende die Hoffnung

Am Ende die Hoffnung

Der zweite Teil aus dieser Reihe
ein Roman von Peter Prange

Peter Prange hatte am Ende des letzten Jahres schon den ersten Band heraus gebracht. Schon da war ich so sehr von der Geschichte einer Familie in Deutschland gefangen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch dieses mal erging es mir so. 813 Seiten schnell durchzuarbeiten, ist schon ein Schuh. Aber wer erst einmal die Nase in dieses Buch,  Am Ende die Hoffnung steckt, ist für eine Weile nicht mehr ansprechbar.

Was bei mir immer ein Zeichen für ein besonderes Buch ist, ist dass ich mir auch während der „nichtlese“ Zeit, Gedanken über die Protagonisten mache. Wie geht es wohl weiter? Oder was hat die Figur zu ihrer Reaktion gebracht. Peter Prange schreibt einfach so mitreißend. Seine Kapitel sind kurz gehalten und springen von einem Mitspieler zum nächsten, so dass man immer auf mehr wartet.

Aber worum geht es eigentlich

Es geht um eine vielköpfige Familie in Deutschland, genauer gesagt in Fallersleben bei Wolfsburg. Nachdem das letzte Buch von Prange die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg erzählte, stecken wir bei diesem Werk mitten drin. Georg der erstgeborene Sohn, ist Mitentwickler des Volkswagens und arbeitet für Ferdinand Porsche, fällt allerdings unangenehm auf und muss dann an die Front. Edda die älteste Tochter liebt Frauen, was zu dieser Zeit natürlich besser niemand erfahren darf. Charlotte hat sich für den jüdischen Architekten Benjamin entschieden und geehelicht. Wie sollte es anders sein, diese Ehe bringt viele gegen die Beiden auf. Besonders der zweite Bruder Horst, der ein durch und durch gefestigter Nazi ist, stellt sich gegen seine Schwester. Er hat inzwischen einiges an Macht und lässt sich sogar dazu herab, dafür zu sorgen, dass Benjamin fast nach Auschwitz muss. Dann gibt es noch den kleinen Willy, der Nachzügler, der mit dem Down Syndrom gesegnet ist. Schon im ersten Band von Peter Prange, wurde er in einem Heim in Brandenburg untergebracht. Die Eltern Dorothee und Hermann versuchen alles, um den kleinen Kerl mal besuchen zu können.

Am Ende die Hoffnung

Der Autor hat versucht alle Klischees in diesem Roman unter zu bringen, die in dieser Zeit zu Verzweiflung, Zusammenbruch und Chaos führten. Sein Roman ist sehr umfangreich und sehr gut recherchiert. Es macht, obwohl es um grausige Themen geht, unheimlichen Spaß der Familie über die Schulter zu schauen. Auch familienfremde Figuren machen den Roman sehr lesenswert. Die Jüdin Gilla, erinnert stark an die denunzierende, wahrhaftige Greiferin Stella Goldschlag. Göring, Staufenberg und Co, haben natürlich auch ihren Auftritt. Sie sind Nebendarsteller und der Roman fließt sozusagen um die „Stars“ herum. Ich finde es unglaublich gut gelöst.

Du merkst schon, ich bin absolut angetan von diesem großen Werk von Peter Prange. Seine Familie aus Deutschland sind in meinen Augen Bücher, die verfilmt werden müssten. Die Familienmitglieder zeigen wie schwierig das Leben damals war. Beziehungsweise wohin es die Menschen getrieben hat. Der Spannungsbogen den der Autor absolut halten kann, und das über sehr viele Seiten, macht den Roman keineswegs langweilig. Obwohl ich lange auf den zweiten Band warten musste, habe ich sofort wieder in die Geschichte hinein gefunden. Es kam mir vor, als hätte ich den ersten Band erst gestern aus der Hand gelegt. Ich habe mitgefiebert, war wütend, unglücklich, habe geweint und gehofft. Vereinfacht gesagt, ich habe in dem Buch gelebt…Natürlich gehört dieses Buch zu meinen Favoriten in diesem Monat. Verlinkt bei Moner’l wird es natürlich auch.

Ich kann allerdings nicht sagen, ob man den zweiten Roman alleine lesen kann. Ich habe es ja schon oben geschrieben, mir war es, als kenne ich alle Mitspieler und so hatte ich keine Probleme beim Einstieg.

von Peter Prange
ISBN: 978-3-651-02502-8
816 gebundene Seiten
FISCHER Scherz Verlag

6+

Eine Frau zwischen Kampf und Krone

Die Englische Fürstin

Zwischen Glanz und Rebellion. Eine starke Frau zwischen Kampf und Krone. Seltsam, wie sehr die Zeiten sich verändert haben. Wenn man das Buch, die Englische Fürstin liest, wird einem bewusst, was wir Frauen inzwischen erreicht haben.

Um was geht es

Daisy, die Hauptperson in dem Roman von Sabine Weigand, wächst als kleiner Wildfang in einer verarmten Adelsfamilie in England auf. Daisy ist ein besonders hübsche Mädchen und als sie ins heiratsfähige Alter kommt, wird sie in London in die Gesellschaft eingeführt. Ihre Mutter sorgt dafür, dass die 17 Jährige standesgemäß unter die Haube kommt. Daisy heiratet den biederen, 12 Jahre älteren und reichen Deutschen, Hans Pless. Hans gehört ein riesiges Anwesen in Schlesien und dahin nimmt er seine kleine, sehr hübsche englische Fürstin mit. Die junge Frau hat keine Erfahrung, was die Liebe angeht und ist sehr unglücklich, weil sie sich das Eheleben so viel anders vorgestellt hat. Daisy‘s Mutter redet ihr aber stets ein, dass das alles seine Richtigkeit hat und eine folgsame Frau, sich genau so verhalten sollte. Frei nach dem Motto, halt den Mund und mach was er sagt. Doch die englische Fürstin scheint sich dem nicht ganz so fügen zu wollen. Im Laufe der Jahre entwickelt sie sich zu einer selbstbewussten und engagierten Frau. Sie sorgt sich um die Bergleute, die in den Kohlegruben ihres Mannes arbeiten und spricht mit den Angestellten des Hauses. Ganz gegen den Willen ihres Mannes, lässt sie Pflegeheime bauen und fördert die Modernisierung der Wohnanlagen der Bergbauarbeiter. Daisy zieht am Ende sogar als Krankenschwester in den ersten Weltkrieg und sieht Dinge, von denen wir nicht träumen wollen.

Ein Nebenschauplatz ist die Geschichte von Josch Siebenbürgen. Der Sohn eines Bergmanns, der durch den Tod seines Vaters und dem Diebstahl eines Grubenpony‘s, in den Dienst des Plesschen Haushaltes gelangt. Er begleitet die Entwicklung der Fürstin, ist ihr Beschützer und später fast ein Vertrauter.

Was ich gelesen habe

Sabine Weigand hat eine sehr schöne flüssige Art, dem Leser die Zustände zwischen 1883 und 1922 nahe zu bringen. Als S. Weigand auf einer Reise nach Polen an dem Fürstensitz der Pless vorbei kam, wusste sie, dass sie einen Roman über die junge und schöne Fürstin schreiben muss. Sie hatte sich das Schloss angesehen, sah die Portraits der Schlossbesitzer und war davon überzeugt, dass sie daraus einen wunderbaren Roman schreiben kann. Die Schriftstellerin durfte die Tagebücher und Korrespondenzen der Fürstin lesen. Sabine Weigand wäre keine Historikerin, wenn sie nicht die kleinen Geheimnisse herausgefunden hätte. Es gibt kaum Biografien von Daisy von Pless, denn die Familie hat Einiges unter Verschluss gebracht. Dennoch hat die Autorin Einiges gefunden, das sich zu einem besonderen Roman verarbeiten ließ. Vieles ist wahr, Einiges dazu erfunden. Die Menge an Informationen, in denen Deutsche und Englische Fürstenhäuser, insbesondere Wilhelm der II, Kaiser von Deutschland, vorkommen, erklärt die Autorin am Ende des Romans.

Ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Ein Roman der Geschichte vermittelt und doch nicht trocken geschrieben ist. Verpackt in eine Liebesgeschichte, die das Leben schrieb. Eine Geschichte, um eine Frau die sich auf die Hinterfüße stellt und ihren „Mann“ steht. Eine Frau zwischen Kampf und Krone, Deshalb stelle ich dieses Buch sehr gerne zwischen die September-Bücher

geschrieben von Sabine Weigand
Verlag: Fischer – Krüger
ISBN: 978-3-8105-3059-2
576 Seiten
Klappenbroschur

4+

Die Karte der zerbrochenen Träume

 

Die Karte der zerbrochenen Träume

Ein Roman von Zeyn Joukhadar

Als ich das Buch Die Karte der zerbrochenen Träume gesehen habe, musste ich es haben. Alleine schon der Einband, ist einfach wunderschön. Der Umschlag ist leicht gummiert, so dass man das Gefühl hat, daran kleben zu bleiben. Und wenn man das Umschlag abmacht, dann sieht man ein Mosaik, wie man es oft im Orient auf den Böden eines Wohnhauses findet. Aber ein Buch besticht ja üblicherweise nicht durch sein Aussehen. Es ist der Inhalt, der einen fesseln sollte. Und das tat dieses Buch.

Der Inhalt

Die zwölfjährige Nour, ist in Amerika geboren. Sie kann die syrische Sprache, die Sprache ihrer Familie, kaum sprechen. Und doch muss sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern nach dem Tod ihres Vaters nach Homs umziehen. In Homs herrschen seltsame Zustände, die das empfindliche Mädchen wahrnimmt. Manchmal geht einfach das Licht nicht mehr, der Strom fällt aus. Kurz darauf wird die Erde erschüttert. Als die Familie von Nour an einem Abend im Ramadan den besten Freund ihres Vaters einluden, war es dann auch bei ihnen so weit. Der Strom fiel in der ganzen Straße aus…

Und dann war es sehr laut, die Erde bebte. Das Haus in dem die Frauen gelebt haben war dem Erdboden gleich gemacht. Nichts war mehr so, wie es vorher war. Nur wenig nahm die kleine Familie mit. Unter anderem eine Landkarte, die die Mutter gemalt hatte. Auch das Haus der Freundes war zerstört. Mit dem noch fahrtüchtigen Auto des Freundes fuhren die Frauen und der väterliche Freund in die nächste Stadt, damit die große Schwester in einem überfüllten Krankenhaus versorgt werden konnte. Es begann eine traurige Odyssee. Die Suche nach einem Ort, an der die Frauen einen sicheren Platz finden. Ihr Weg wird sie von Homs in Syrien über Jordanien, Ägypten, Libyen, Algerien, Marokko nach Spanien führen.

Nour nimmt die Welt in Farben wahr. Sie sieht Gerüche und macht Worte zu Farben. Farbintensiv sieht man die Welt wie sie der kleinen Nour vorkommt. Die Zwölfjährige erzählt ihre Geschichte, wie sie es empfindet, auf der Flucht zu sein, durch ein Land, welches durch Kriege zerrüttet wurde. Wo keiner mehr dem Anderen trauen mag. Wo Glauben zu Krieg und Verwüstung führte. Nour ist erst 12 und doch wird sie auf ihrer Reise schnell erwachsen, ohne dass ihre Familie es wahr nimmt. Denn immer wenn es brenzlig wird, versucht die Familie das Mädchen zu schützen.

Geschichten aus Tausend und einer Nacht

Es gibt noch eine zweite Geschichte in diesem Buch, die von einer Reise erzählt, die 1150 zur Kalifenzeit, den selben Weg nimmt wie die flüchtenden Frauen. Es ist die Geschichte eines Mädchens, das sich als Junge verkleidet und als Lehrling bei dem Kartographen Al-Idrisi in dessen Dienst stellt. Sie erlebt Abenteuer und wird zur Kriegerin, als Nour (aus der eigentlichen Geschichte) selber zur Kriegerin wird. Es wird gegen Fabelwesen und Armeen gekämpft. Dabei wird ein Stückweit klar, warum diese Völker so zerrissen sind.

Was ich gelesen habe

Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen. Ich habe mit dem Mädchen Nour gezittert und mit dem Rawiya, dem Mädchen aus Tausend-und-einer-Nacht, gekämpft. Jedes mal zogen meine Gedanken zu den Menschen, die da draußen auf der Flucht sind. Unter welchen Bedingungen sie unterwegs sind. Wie gefährlich es gerade für Frauen und Kinder ist, die alleine versuchen, in sichere Gebiete zu gelangen.

Viele Sätze haben mich stocken lassen. Nachdenklich bin ich ein ums andere Mal schlafen gegangen. Was bringt die Menschen dazu, zu morden und blindlings wehrlose Menschen in jeglicher Art zu missbrauchen? Ich führte einige Diskussionen mit meiner Familie über diese Themen. Zeyn Joukhadar beschreibt aber auch, wie sehr eine Familie und Freunde zusammenhalten können. Wie wichtig es ist, einander zu haben. Und auch wie schwer der Tod einen treffen kann, auch wenn man keine Zeit für Trauer hat.
Ich finde, es ein absolut gelungenes Buch!

Der Autor

Zeyn Joukhadar wurde als Kind einer christlichen Mutter und eines muslimischen Vaters in New York geboren. Er hat Pathobiologie studiert und in der biomedizinischen Forschung gearbeitet, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. »Die Karte der zerbrochenen Träume« ist sein erster Roman. Zeyn Joukhadar ist Mitglied bei RAWI (Radius of Arab American Writers) und lebt heute in Pennsylvania.

(Dieser Text stammt von der Random House Seite)

Übersetzt von Andrea Kunstmann
Originaltitel: The Map of Salt and Stars
Hardcover
448 Seiten
ISBN: 978-3-453-27151-7
aus dem Encore Verlag

Dieses Buch muss in die Liste der Juli-Bücher. Es hat mich einfach mitgerissen.

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