Die Frauen des Hauses Wu

Der Klassiker „Die Frauen des Hauses Wu“ ein Roman, wurde schon vor langer Zeit (1949) von Pearl S. Buck geschrieben.
Die Autorin Pearl S. Buck wurde in Amerika geboren. Dazu reisten Bucks amerikanische Eltern aus China zur Geburt ihrer Tochter nach West Virginia und schon im Herbst wieder zurück in das Kaiserreich China. Das Mädchen wuchs in China und Amerika auf, pendelte später immer wieder zwischen den Kontinenten hin und her. Sie hatte somit ihr Leben lang eine besondere Beziehung zu China und ihren Bewohnern. 1932 erhielt sie den Pulitzer-Preis für den Roman The Good Earth (Die gute Erde). Sie schreibt noch viele weitere Romane, Sachbücher, Biografien, erhielt 1938 einen Nobelpreis und noch verschiedene andere Preise. 1946 schrieb sie Pavilion of Women – Die Frauen des Hauses Wu.

Die Frauen des Hauses Wu

Madame Ailian Wu, Frau eines reichen chinesischen Kaufmanns, feiert ihren Geburtstag, sie wird 40 Jahre alt. Das ist schon ziemlich alt um noch Kinder zu bekommen, weshalb sie dafür sorgt, dass eine Zweitfrau in den Haushalt des Hauses Wu einzieht. Ihr Mann ist anfangs nicht besonders davon begeistert, aber er fügt sich den Wünschen seiner traditionellen Frau, die in einen eigenen Teil des Hauses zieht um dem „jungen“ Glück nicht im Weg zu sein oder sich vor ihrem Mann zu „schützen“. Immerhin hat sie ihm schon vier wundervolle Söhne geschenkt. Madame Wu hält alle Fäden des reichen Haushaltes in ihren wunderschönen und zarten Händen. Sie spricht mit silberglockenklarer, leiser Stimme und manipuliert ihr Gegenüber. Keiner widerspricht ihr, alle machen wie sie es vorschlägt.

Doch dann holt sie einen Ausländer, den Priester André in ihr Haus, der ihren vorletzten Sohn unterrichten soll. Ein großer Mann, ein bärtiger Riese, der so sanftmütig wie ein Lamm wirkt. Sie beginnt selber an dem Unterricht teilzunehmen und fängt an die Welt mit anderen Augen zu sehen und zu verstehen. Madame Wu ist in einer Zeit erzogen worden, in dem Frauen das machen, was man schon immer von ihnen erwartet hat, dem Mann untertan zu sein, Kinder zu gebären und den Haushalt still und leise zu führen. Aber nun beginnt eine neue Zeit, eine Zeit des Umbruchs, die sogar die elegante Madame trifft.

Umbruch

Die Frauen des Hauses Wu machen deutlich wie man in seiner Tradition gefangen sein kann. Wie sehr man an den alten Gepflogenheiten festhalten kann und selber gar nicht merkt, wie sehr man sich dadurch knechtet. Madame Wu stellt eines Tages fest, dass sie ihren Mann noch nie geliebt hat. Sie hat ihm Kinder geboren und sich immer wieder für ihn schön gemacht. Sie hat mit ihm lange wichtige Gespräche geführt und doch schien es nie, dass sie etwas für ihn empfindet. Erst als sie den ausländischen Priester kennenlernt, begreift sie was ihre Gefühle eigentlich bedeuten.

Ich habe das Buch in einer Lesegruppe gelesen und die Meinungen dort gingen etwas auseinander. Für mich scheint es einfach nur ein Buch darüber zu sein, dass eine Frau plötzlich entdeckt, das ihr vorheriges Leben nicht perfekt war. Dass sie durch Gespräche und Austausch ihren eigenen Kosmos erweitert, verändert und vielleicht ein großes Stück verbessert hat. Ich mochte die Hausherrin und fand es verständlich, dass sie ab einem bestimmten Moment, sich in ihren eigenen Teil des Hauses zurückzog. Auch fand ich die Veränderung sehr gut beschrieben, die Madame Wu durchlebte. Sie wurde weicher und ließ die Moderne zu. Sie öffnete sich für die Welt da draußen, wenn auch erst sehr zögerlich und gab Aufgaben an andere ab. Traditionen sind schön und gut, aber irgendwann muss man eben auch mal die Tür und sein Herz öffnen.

Es ist eine Entwicklung und man darf wirklich nicht vergessen, wann dieses Buch geschrieben wurde und in welcher Zeit und in welchem traditionsreichen Land dieser Roman spielt. Dafür ist es schon wirklich ein großer Schritt in die Freiheit der Frau. Von uns bekommt dieser Roman 🐭🐭🐭🐭 

 

Die Frauen des Hauses Wu

geschrieben von Pearl S. Buck
Übersetzt von Justinian Frisch
FISCHER Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-596-90398-6
336 Seiten

Real Americans

Ich habe schon so viel über das Buch „Real Americans“ gehört, sodass ich es ebenfalls lesen wollte. Und was soll ich sagen, ich bin nicht enttäuscht worden!

Real Americans

Lily ist noch jung und lebt 1999 in New York. Sie ist eine unbezahlte Praktikantin, lebt in einer WG mit einer Freundin. Sie ist geprägt von ihren Eltern, die damals aus China geflohen sind. Lily ist in Amerika geboren, sie kann kaum Chinesisch sprechen und doch wird sie immer wieder als Fremde angesehen. Während einer Feier trifft Lily auf Matthew, einen hübschen jungen Mann. Die zweiundzwanzigjährige verliebt sich in Matthew und staunt als sie feststellen muss, dass er der Sohn einer reichen amerikanischen (weißen) Familie ist, sich von ihnen möglichst fernhält. Nach einiger Zeit trifft sie dann auch die Familie ihres Freundes, da ist die junge Frau schon schwanger.
Viele Jahre später leben Lily und ihr Sohn Nick weit weg von New York. Lily hat sich einen neuen Namen gegeben und ihrem Sohn erzählt, dass sein Vater kein Interesse an ihm habe. Nick ist ein Nerd, er hat einen tollen besten Freund. Timothy will es nicht glauben, dass Nick keine Ahnung hat, wer sein Vater ist und überredet den Freund einen Gentest machen zu lassen.

Es gibt noch einen dritten Teil in diesem Buch, in dem May die Mutter von Lily ihre Geschichte erzählen wird. Ich fand alle drei Geschichten sehr spannend, süchtig machend. Man muss dieses Buch einfach verschlingen. Das Grundthema, so scheint mir, ist Vertrauen, Zeit und Familie, Ausgrenzung. Mays Tochter stammt augenscheinlich aus China, genau wie ihre Eltern. Allerdings ist Lily in den Staaten geboren und spricht so gut wie kein chinesisch. Nur ihr Aussehen macht sie zu einer Außenseiterin. Nick kommt nach seinem Vater, was außenstehenden immer etwas aufstößt, wie eine Chinesin einen weißen Sohn haben könne. Es dreht in diesem Roman auch viel um Gentechnik und Vererbungslehre.

Geheimnisse

Mich hat die Autorin Rachel Khong so sehr begeistert mit ihrer Schreiberei, dass ich es fast unerträglich fand, als der Roman so plötzlich zu Ende war. Jede Unterbrechung fand ich schrecklich. Die Figuren sind so liebenswürdig und die Autorin hat eine Art zu schreiben, die mich auch noch nach dem Lesen beschäftigt hat. Manchmal wünschte ich auch, ich hätte mehr Zeit, könnte die Uhren langsamer stellen so wie die Frauen in diesem Buch. Ich könnte all das schaffen, was ich mir vorgenommen habe, die Momente mehr zu genießen, Situationen mehr  auskosten. May die Mutter/Großmutter hat da wohl etwas gefunden, dass sie die Zeit förmlich still stehen lassen kann. Was das ist, sorry, dass musst du leider selber lesen. Ich verrate doch nicht alle Geheimnisse.

Ich liebe dieses Buch und kann es wirklich empfehlen. Die Figuren machen Spaß und sind wirklich gut beschrieben. Man fiebert mit und man kann diesen Roman nicht aus der Hand legen. Von Rubi und mir bekommt dieses Buch 🐭🐭🐭🐭🐭 Absolute Leseempfehlung!

Real Americans

geschrieben von Rachel Khong
Übersetzt von Tobias Schnettler
aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag
ISBN 978-3-462-00572-1
528 Seiten

 

Hase Hollywood

Ich liebe gute Kinderbücher und dazu gehört wohl der Hase Hollywood. Hase Hollywood ist wie der Name schon sagt ein Hase der das „Gasthaus zum fröhlichen Pups“ von seinem Uropa übernommen hat. Hollywood ist eigentlich ein Angsthase aber dafür auch sehr schlau, denn er liest mindestens zwei Bücher am Tag. Hase Hollywood lebt aber nicht alleine in dem Gasthaus. Das wäre ja auch viel zu langweilig. Da ist zum einen Kate die Katze, die ein bisschen wie eine Rockerin wirkt und sehr mutig ist.

Dann gibt es noch Mama Lou, eine Nilpferddame, die dafür sorgt, dass alles im Reinen ist und Giovanni der Koch mit einem riesigen Schnurbart. Diesen stelle ich mir allerdings sehr lustig vor, denn Giovanni ist eine kleine Maus, der früher auf Kreuzfahrtschiffen Chefkoch war. Und dann gibt es da noch Affe, ein großer Affe, der eigentlich gar keine Aufgaben hat, denn er ist einfach zu nicht zu gebrauchen, außer Spaß zu haben.

Hase Hollywood

Eines Tages kommt ein gefährlicher Pirat in das Gasthaus. Ein hässliches Krokodil, mit Piratenhut samt Totenkopf und richtig schlechten Manieren. Kapitän Grünzahn benimmt sich wirklich schlecht, er brüllt herum, was er zu essen haben möchte und legt die Füße auf den Tisch. Er bestellt bei Hollywood, der richtig große Angst vor dem wilden Kapitän hat die seltsamsten Gerichte, die Giovanni so schnell wie möglich in seiner Küche zaubert, während Kate die Küstenwache alarmiert. Denn der Kapitän ist ein gesuchter Pirat und nimmt die Beine in die Hand, als Willi Walross, die Küstenwache im Gasthaus auftaucht. Bei seiner Flucht vergisst das Krokodil einen Sack unter dem Tisch.

Affe findet in diesem Sack einen wunderschönen Glitzerball und jongliert mit diesem herum. Doch es stellt sich heraus, dass dieser Ball in Wirklichkeit ein Ei ist, aus dem kurze Zeit später ein lustiges Wesen krabbelt, das Affe ab diesen Moment als seine Mama ansieht. Lustig ist es jedenfalls anzusehen aber die richtige Mama muss gefunden werden. Und so machen sich die Freunde auf den Weg ins Drachenland …

Ein tolles Vor- und Selberlesebuch

Wie schön und vielfältig die Bilder sind! Ich habe die Seiten umzublättern sehr genossen. Immer wieder kann man noch etwas mehr entdecken. Dazu kommen kleine Kommentare zu den komplizierten Wörtern oder zu sprachlichen Übersetzungen. Jede Seite ist wieder eine kleine Überraschung. Dazu kommt der Text, der sehr amüsant ist und den kleinen Lesern bestimmt eine große Freude macht.
Was dieses Buch besonders macht ist, dass einer der drei Autoren gerade mal fünf Jahre alt war, als dieses Buchprojekt ins Leben gerufen wurde. Simon mochte die meisten Kinderbücher nicht, weil entweder böse Dinge geschahen oder sie einfach schlichtweg langweilig waren. Sein Papa Stefan hat zusammen mit Simon die Texte geschrieben (Simon hat sich dazu die wichtigsten Figuren ausgedacht). Und die Bilder stammen aus dem Tuschkasten von Anja Abicht, die Mutter von Simon. Hey, die Bilder sind ohne Computer entstanden, manche Menschen können noch mit Pinsel und Farben malen. Und die 250 Bilder sind wirklich toll!

Das Buch gibt es auch als Hörbuch. Aber für mich ist dieses Buch in den Händen einfach mal super schön und ich freue mich schon darauf es eines Tages meinem Enkelkind vorlesen zu dürfen. Rubi war jedenfalls auch sehr begeistert! 🐭🐭🐭🐭🐭 vergeben wir. Alleine die liebevoll und lustigen Bilder sind es schon Wert angesehen zu werden. Aber auch der mitreißende Text und die sympathischen Figuren machen absolute Laune. Ein Buch für Kinder von 4 bis 9 Jahre oder älter.

 

Hase Hollywood

Die Autoren: Simon & Stefan Rasch
Ilustriert von Anja Abicht
Aus dem Hasenfrosch Verlag
280 Seiten 
Hase Hollywood – Hardcover:

ISBN 978-3-9505678-0-9
Hörspiel auf CD:

ISBN 978-3-9505678-1-6
Mehr auf der Seite Hase Hollywood

Mit beiden Händen den Himmel stützen

Schon auf den ersten Seiten war ich von »Mit beiden Händen den Himmel stützen« teilweise mitgerissen und abgestoßen. Lale, sie erzählt aus ihrem Leben, kam mir immer wieder so verletzlich vor. Sie wächst in den 80er Jahren in Berlin Kreuzberg auf. Bei ihrem Vater, der mit anderen Männern in einer WG wohnt. Ihre Mutter war nicht in der Lage das Mädchen großzuziehen und als Lale als Kleinkind eine ordentliche Portion von den Drogen ihrer Mutter geschluckt hatte, wurde das Mädchen in ein Kinderheim gesteckt. Ihr Vater, bzw. ein Freund des Vaters, holte das Mädchen dann dort wieder heraus. Es machte dabei wohl nichts aus, dass der Vater wegen eines Geldtransporterüberfalles gerade erst aus dem Knast entlassen worden war.

Mit beiden Händen den Himmel stützen

Lilli Tollkien erzählt von einem Mädchen, dass ich damals gerne gewesen wäre. Sie darf alles, was sie sich zutraut. Sie darf so lange aufbleiben, wie sie möchte. Lale darf Fernsehen, was sie auch immer möchte, sie kann und darf alles Essen, dabei wird nicht darauf Wert gelegt, dass es gesund ist. Das Mädchen stromert zwischen den vollgedröhnten „Freunden“ oder Kunden ihres Vaters durch die versiffte Wohnung, oder verzieht sich in ihr Zimmer.

Ich hätte Lale damals bewundert und wäre gerne ihre Freundin gewesen, hätte gerne ein bisschen von ihrem unkonventionellen, aufmüpfigen Leben abhaben wollen. Doch so toll ist das Leben des Mädchens gar nicht. Jedes Kind wünscht sich ein bisschen Geborgenheit und Sicherheit. In ihrem eigenen Zimmer, in einem vermeintlich sicheren Ort, ist das Kind nicht sicher. Spielerisch wird sie verführt, kommt mit Drogen und betrunkenen Männern zusammen. Manchmal versuchen die Freundinnen der WG-Männer dem Kind ein bisschen Normalität zu geben, aber die meisten Frauen bleiben nicht lange.

»Tatsächlich hatte ich nichts gemein mit den starken Mädchen aus meinen Büchern, weder mit der roten Zora noch mit Pipi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter. Ich hatte Mühe mit meinem unbeständigen Leben.« 
Seite 62

Die 255 Seiten waren schnell gelesen, obwohl ich öfter das Buch mal weglegen musste, damit ich wieder zu Atem kommen konnte. Lale hatte eine verrückte Kindheit. Eine ungestüme und verletzte Kindheit. Man könnte meinen, dass eine solche Umgebung das Kind stark macht, aber stattdessen hat sie oft Angst, ist unsicher und vorsichtig. Die Autorin Lilli Tollkien schreibt einfach toll. Sie reißt den Leser in ihre Welt und „beschmeißt“ ihn mit fast prosaischen Texten. Man kann einfach nicht aufhören, zu lesen. Für mich ist dieses Buch ein Highlight des Jahres. 🐭🐭🐭🐭 hat dieser Roman sicherlich verdient, so finden jedenfalls Rubi und ich.

»Ich stütze den Himmel mit beiden Händen. Während die Sonne zwischen den Wipfeln der Kastanien im Garten der Klinik aufgeht, heben wir die Arme nach oben, …«
Seite 179

Wer ist die Autorin?

Von der Verlagsseite: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ihr erster Roman. In ihrem Instagram Account findet man die passende Musik und Ausschnitte aus ihrem Buch, schau einfach mal hier

 

Mit beiden Händen den Himmel stützen

ein Roman von Lilli Tollkien
aus dem Aufbau Verlag
ISBN 9783351042844
255 Seiten

Sörensen macht Urlaub {Hörbuch}

Sobald ich Sörensen höre, muss ich grinsen. Und nun macht Sörensen auch noch Urlaub. Ach, der angstgeplagte, norddeutsche Kommissar macht Urlaub, wirklich? In den Bergen? Echt jetzt? Eigentlich will er ja gar nicht in die Berge, eigentlich wäre ihm das Meer auch sehr recht, aber wie sieht das denn aus, wenn Sörensen von der Nordsee zur Ostsee fahren würde, um Urlaub zu machen. In einem kurzen Moment der Schwäche hat er einfach einen Urlaub gebucht. Auf einem Bauernhof in Österreich, mit Streichelzoo und nur mit Frühstück. Na hoffentlich haben die auch was für den vegetarischen Kommissar zum Essen eingeplant.

Sörensen macht Urlaub

Ich liebe die Bücher über Sörensen. Eigentlich wollte Sörensen nur seine Ruhe haben und seine Angststörung still und heimlich verarbeiten und ist in den ruhigen Ort Katenbüll gezogen. Aber das ist die erste Geschichte und mit Sörensen macht Urlaub, kann man den fünften Teil mit diesem schrulligen KHK (Kriminalhauptkommissar) lesen oder besser hören. Und ich höre diese Bücher so richtig gerne. Denn der Autor Sven Stricker liest sein Buch selber. Und das in seinem wunderbaren norddeutschen Slang, mit den Betonungen an den richtigen Stellen und der Gemächlichkeit, die man an den Küsten manchmal hören (beobachten) kann.

Klar könnte man diese Bücher auch lesen, aber dann fehlt mir einfach die Stimmung, die der Autor so perfekt rüberbringt. „sag ich jetzt mal so!“ Wie gesagt, ich habe schon alle Bücher von Sörensen gehört. Ich habe aber auch die Filme in den öffentlich-rechtlichen gesehen. Am herrlichsten sind immer noch die Hörbücher. Wenn die Käse Käthe ihre (ollen) Käsesemmeln an den Kommissar verkauft oder Sörensen wieder einmal einen Angstanfall bekommt, dann liest Sven Stricker seine Figuren perfekt.

Noch einmal zurück zum Buch: Während Sörensen in die Berge unterwegs ist, ob er dort ankommt, dass stellen wir mal infrage, hat seine Kollegin Jennifer in Katenbüll alle Hände voll zu tun. Seitdem Sörensen das Kommissariat in Katenbüll übernommen hat, werden immer mehr Menschen in dem verschlafenen friesischen Ort ermordet. Und während Jennifer den Mord mit dem schönen und von sich sehr eingenommenen Kollegen aus Flensburg auflösen soll, kommt Sörensen nicht weiter als nach Hamburg. Dort besucht er seine Exfreundin und seine Tochter. Eigentlich nur kurz mal, er will ja noch in die Berge. Aber dann geschehen dort auch seltsame Dinge die Sörensen (gezwungenermaßen) aufklären möchte/soll.

Die Geschichte ist wieder echt spannend. Die Zeit beim Hören vergeht wie im Flug. Der Tonfall des Autors und die wunderbaren Was-wäre-wenn-Sätze machen das Buch und die Ermittlungen einfach unschlagbar. Jetzt muss ich mir unbedingt den Folgeband „Sörensen geht aufs Haus“ anhören.

 

 

Sörensen macht Urlaub

Gesprochen von Sven Stricker
Spieldauer 16 Stunden und 22 Minuten
Lesung, ungekürzt
300 Datein
aus dem Verlag Audio-To-Go
EAN 9783965196162

Olympia, der 8. Gereon Rath Krimi

Olympia in Berlin! Damals, 1936. Berlin hat sich für dieses besondere Event herausgeputzt. Überall hingen die Fahnen mit den olympischen Ringen und natürlich auch die Roten, mit dem Hakenkreuz. Alle bösen Schilder und Schautafeln wurden entfernt und der Stürmer musste auch einige Zeit seinen bösen Mund halten. Alles sollte auf eine klare und weltoffene Nation hindeuten. Und doch geschehen auch dann noch böse Dinge, die Gereon Rath zu ermitteln weis.

Olympia, der achte Rath-Roman

Ich liebe die Bücher von Volker Kutscher. Einige habe ich mir als Hörbuch vorlesen lassen und einige habe ich auch selber gelesen. Ich mag den smarten Kommissar Gereon und seine Geschichte. Olympia ist inzwischen schon der achte Roman, in dem Gereon und Charly oder besser Charlotte, in dem alten Berlin leben und immer wieder mit zwielichtigen Gesellen zusammentreffen. Ich finde, dass der Autor, Volker Kutscher, ein perfektes Berlin entstehen hat lassen. Dazu die interessanten Figuren. Immer wieder liest man den Berliner Dialekt, den ich in unserer Stadt so vermisse. Und auch die Straßen, Plätze, Orte und Häuser sind mir plausibel angeordnet. Ich kann auch nicht sagen, ob mir der Krimi hinter dem Roman besser gefällt, die Lebensgeschichte von Gereon, Charly und Fritze dem angenommenen Sohn oder der Blick in die Vergangenheit. Keine Ahnung, aber die Bücher haben einen Sog auf mich. Aber worum geht es dieses Mal, in dem achten Rath-Roman Olympia?

Berlin in Aufruhr

Gereon Rath ist mit den Machenschaften der neuen Regierung nicht besonders glücklich. Seinen Polizeidienst macht er inzwischen mit einer Unentspanntheit, die ihn selber ärgert. In Berlin werden demnächst die olympischen Spiele 1936 eröffnet. Menschen aus aller Welt strömen in die Stadt und weil nicht alle ein Hotelzimmer finden, laden die Berliner und Berlinerinnen sich fremde Gäste ein. Auch Gereon hat zugesagt, einen Gast aufzunehmen. Seitdem Fritze, ihr Pflegesohn nicht mehr bei ihnen wohnt, sondern bei seinen neuen nationalistischen Eltern Rademann, haben die Raths ein Zimmer frei. Statt einem Gast, trifft dann eine dreiköpfige Familie aus Amerika ein, die Gereon alleine versorgen muss. Charly will mit dem allem nichts zu tun haben und hat sich zu ihrer Freundin Gerda verzogen.

Die ganze Stadt sieht wie aus dem Ei gepellt aus. Die Menschen begegnen den Besuchern unglaublich weltoffen. Aber nicht alles ist Gold, was glänzt. Fritze ist als Hitlerjunge in den Ehrendienst in das Olympische Dorf bestellt worden. Er darf dort den Sportlern zur Hand gehen, sie betreuen, ihnen die Wünsche von den Augen ablesen. Als er im Speisesaal etwas besorgen will, bricht einer der Gäste über seinem Essen zusammen und ist tot! Hatte der Mann nur einen Herzinfarkt, wie die Polizei behauptet? Gereon wird in das olympische Dorf versetzt, sehr zu seinem Ärger und soll den Fall „vertuschen“. In dem weltoffenen Berlin darf kein Mord geschehen. Wie würde die Stadt wohl dastehen! Aber es war ein Mord und es bleibt nicht bei einem!

Wie gesagt, ich liebe die Geschichten aus dem alten Berlin. Ich liebe es, wie Volker Kutscher mich immer wieder begeistert, wenn ich seine Romane über den rheinischen Kommissar und seine kleine Familie lese. Von mir bekommt der Krimi/Roman 🐭🐭🐭🐭 Wer mehr über Gereon Rath und sein Berlin lesen möchte, kann hier auf dieser Webseite lesen

 

Olympia, der achte Rath-Roman

geschrieben von Volker Kutscher
544 Seiten
aus dem Piper Verlag
EAN 978-3-492-31857-0