Ziemlich Unverbesserlich

Für einen netten Lesenachmittag.

Nikola ist Anwältin und bekommt von ihrer Schwiegermutter den Auftrag, den armen italienischen Nachbarn, der doch so wenig Deutsch versteht, zu verteidigen. Dieser soll nämlich in seinem Gewächshaus Hanf angebaut haben. Allerdings wusste der charmante Italiener nichts davon. 
Während Nikola versucht eine gute Verteidigung aufzubauen, muss sie auch noch eigene Probleme bewältigen. Zum Einen ist da ihre 13 jährige Tochter und ihr 5 jähriger Sohn, die es faustdick hinter den Ohren haben. Zum Anderen ist da die Schwiegermutter, die sich um die Kinder kümmert, während Nikola die Anwaltskanzlei, alleine seit dem Tod ihres Mannes schmeißt (da gibt es noch einen Teilhaber), auch keinen Moment aus lässt, ihre Schwiegertochter, wieder unter die Haube zu bringen. So entstehen aus vielen lustigen Verwechslungen und Situationen, eine unterhaltsame Geschichte. 
Die Story ist aus der Sicht von Nikola erzählt. Die Gedanken, die sich die Witwe so von ihrer Umwelt macht, sind sehr lustig beschrieben. Sie hat längst damit abgeschlossen, das ihr Mann tot ist, auf neue Kerle hatte sie bislang keine Gedanken verschwendet. Die Kinder bringen die nötige Unruhe in das Landleben vor den Türen Hamburgs, zumal die pubertierende Tochter einen ziemlichen Dickkopf hat und der kleine Lauser auch keine Situation auslässt Spaß zu haben. Plötzlich interessieren sich gleich mehrere Männer für die attraktive Anwältin. Obendrein wird auch noch der Fall um den Hanfanbau aufgeklärt und vor Gericht verteidigt. 

Alles in allem eine wirklich unterhaltsame Story. Schnell zu lesen, einfach und unkompliziert geschrieben. Eine typische Verwechslungsgeschichte mit viel Komik. Die perfekte Urlaubslektüre. Eine unterhaltsame, fröhliche Krimi-Beziehungs-Komödie. 

von Frauke Scheunemann

Paperback,

Klappenbroschur
ISBN: 978-3-442-20414-4

Erschienen: 09.03.2015

-verlinkt mit Niwibo

Die Gestirne

Ein Buch wie ein Film

mit Holzfällerhütte

Ein junger Mann kommt in ein Raucherzimmer eines Hotels und die anwesenden 12 Männer verstummen im Gespräch. Der junge Mann fühlt sich nicht unwohl, lässt den Blick durch den Raum streifen und gibt seine Eindrücke in Gedanken haarklein wieder. Er gießt sich einen Brandy ein und setzt sich in einen freien Sessel… Einer der Männer beginnt ein Gespräch mit ihm, die Anderen hören sehr aufmerksam zu. Und langsam dämmert es, die Männer haben alle etwas Gemeinsames. Sie sind alle in einen Mord und in einen Betrug verwickelt.
Wie es zu dem Mord kam und wer wie betrogen wurde, wollten sie im Geheimen, eben in diesem Zimmer besprechen. Moody, der junge Mann, ist Anwalt von Beruf und es hat ihn aus familiären Problemen heraus nach Neuseeland, eben in dieses Raucherzimmer verschlagen. Man schreibt das Jahr 1866 und es ist die Zeit des Goldrausches. Die Männer erzählen ihre Geschichten, die miteinander verwoben sind, so dass am Ende ein Ganzes daraus entsteht. Moody wird, wie auch der Leser, zum Zuhörer und wertet nicht, zieht aber seine Schlüsse..,

“Hier wurden Männer nicht zu etwas gemacht, sondern sie erschufen sich selbst, wie sie im Schlamm hockten, um das Gold rein zu waschen…”

Kurz bevor man die 1048 Seiten zu Ende gelesen hat, wird einem Einiges klar. So lange hält die Autorin Eleanor Catton den Spannungsbogen. Obwohl sie sehr kleinteilig erzählt, hat man nie das Gefühl zu viele Informationen zu erhalten. Die Geschichte ist wie ein Kinofilm im Kopf. Nichts muss man sich dazudenken, alles ist genau vorgegeben. Jeder der Charaktere, die in diesem Roman mitspielen, hat eine eigene Sicht auf die Dinge, was jedesmal ein neues Licht auf die Story wirft.

Die Gestirne

Das Buch lehnt sich an die Sterne, an Sterndeutung und Horoskope an. Ist in 12 Kapitel eingeteilt und die Charaktere haben alle ein eigenes Sternbild. Jedes Sternbild hat seine Eigenschaften, die in der Geschichte auch zum tragen kommen. Da gibt es den, der um Aufmerksamkeit buhlt, der Andere ist der Verschlossene… Jedes Sternbild, mit seinen Eigenschaften spielt hier mit. Wer sich damit auseinandersetzen möchte, hat hier bestimmt seinen Spaß. (Ich persönlich fand es mal recht lustig mein Horoskop, zur Zeit meiner Geburt, im Internet zu recherchieren.) Den großen Sinn hinter den Sternenkonstellationen blieb mir allerdings verborgen. Die Kapitel beginnen mit dem Sternbild, das zu der Zeit in dieser Stadt gerade zu sehen war.

“…-was sich als Vision zeigte, geglaubt wurde, prophezeit, vorausgesagt, bezweifelt und wovor gewarnt wurde -, wird unter dem Zeichen der Fische manifest. Die einsamen Visionen, die noch einen Monat zuvor nur dem Träumer allein gehörten, nehmen nun Formen und Substanz des Realen an. Wir haben uns selbst erschaffen, und wir werden uns auch das eigene Ende bereiten…”

Als Ebook, kann ich dieses Werk nicht empfehlen. Ich habe oftmals zurück geblättert und noch einige Male nachgelesen…

Die Autorin

Eleanor Catton hat mich bezaubert. Ihre Art des Schreibens ist unglaublich. Sie hat, trotz der Kleinteiligkeit, einen spannenden Roman geschrieben, der nichts auslässt. Es gibt Mord und Totschlag, Intrigen, Historisches, Liebe und einen feinen Humor, einfach von allem etwas. Trotz der vielen Seiten, keine Langeweile. Ich war wirklich gefangen im Jahr 1866. Einzig, das Ende hat mich nicht überzeugt. Da wäre bestimmt mehr drin gewesen. Allerdings hätte der Roman dann noch mehr Seiten gehabt ☺

Eleanor Catton ist erst 28 Jahre alt als sie es schrieb, dieses Buch ist ihr Zweites. Sie erhielt für “Die Gestirne” den begehrten, mit 50.000 Dollar dotierten Booker Prize. Damit ist sie die jüngste Person, die diesen Preis jemals erhalten hat und erst die zweite Neuseeländerin.

Ihren ersten Roman “Die Anatomie des Erwachens” habe ich mir schon auf meinen Stapel für ungelesene Bücher gelegt, das wird bei uns allerdings erst Mitte 2016 erscheinen.

Ich bewundere jedesmal die Übersetzerinnen, in diesem Fall Melanie Walz.

von Eleanor Catton
Verlag : btb Verlag (HC)
ISBN: 9783442754793
Fester Einband 1.040 Seiten

 

Die Bücherdiebin

1939, Liesel und ihr Bruder sollen zu Pflegeeltern gegeben werden. In dem Zug, auf dem Weg zu den Hubermanns, hielt Liesel ihren Bruder im Arm, die kranke Mutter neben sich, als der Junge starb. Neben der Bahnstrecke wird der kleine Bruder im winterlichen Boden beerdigt, dabei fällt dem Totengräber ein Büchlein aus der Tasche, das Liesel an sich nimmt und verbirgt. „Handbuch für Totengräber“ steht in goldenen Buchstaben darauf. Das ist der Moment, als der Tod ein Auge auf Liesel wirft und die Karriere der Bücherdiebin beginnt. Die Mutter überlässt dem Münchner Paar, Rosa und Hans Hubermann aus der Himmelsstraße, das Mädchen. Hans ist ein herzensguter Mensch, der Liesel ein echter Freund wird. Er bringt dem Mädchen das Lesen anhand des „gefundenen“ Buches bei. Zeigt ihr die Macht der Worte. Liesel schlägt sich mit den Klassenkameraden, spielt Fußball und findet ihren besten Freund, Rudi. Als Max, ein jüdischer junger Mann, auftaucht und um Hilfe bittet, wird einiges anders und doch nicht alles.

Erzählt wird vom Tod, einem recht angenehmer Erzähler, wenn man sich an seinen Stil gewöhnt hat. Er erzählt oft schon was geschehen wird, nimmt die Geschichte voraus, kommt aber immer wieder auf die eigentliche Geschichte der Bücherdiebin zurück. Immer wieder wird klar, wieviel der Tod in dieser grausigen Zeit zu tun hatte. Der Tod hat auch einen ganz anderen Blick in die Seelen der Menschen. Sieht vieles klarer und emotionsloser. Rückt auch sich selber ins rechte Licht, denn er trägt zum Beispiel, nur wenn es kalt,wird einen schwarzen Kaputzenmantel.

Seite 267: …“Natürlich bin ich gemein. Ich verderbe euch den Spaß und nehme das Ende vorweg, das Ende des gesamten Buches und besonders diesen Abschnitts. Ich habe euch zwei Ergebnisse im Voraus verraten, weil ich nicht an Heimlichtuerei interessiert bin. Heimlichkeiten langweilen mich. Ich weiß, was passieren wird, und ihr auch. Es ist die Art und Weise, wie es passiert, die mich ärgert, verwirrt, fasziniert und erstaunt”…

Wir begleiten Liesel, Rudi und Max, den jüdischen Gast, durch die Jahre des Krieges. Lassen uns die Geschichte vom Tod erzählen. Es ist eine leichte Lektüre, die uns das Leben der Menschen in der Himmelstraße, in dem armen Teil Münchens zeigt. Die Entbehrungen und Katastrophen, die über eine “normale” arme Familie hereingebrochen sind, als Hitler die Führung übernahm. Die Beschreibungen versetzen leicht in diesen Vorort von München, geben Aufschluss über ein einfaches Leben.
Ich finde es sehr mitreißend erzählt. Man muss sich allerdings an die Art des Erzählers erst gewöhnen. Über den einzelnen Kapiteln stehen fettgedruckte Überschriften, die schon einiges vorwegnehmen und sollte man sie überlesen, fehlen die Zusammenhänge. (Ich überlese gerne solche Überschriften ☺) Die Macht der Worte, wird hier wirklich außerordentlich deutlich. Viele Metaphern sind zu finden. Ich finde, eine außergewöhnliche Art, mit dieser brutalen Zeit um zu gehen.
Ein absolutes Leseerlebnis!
Von Markus Zusak

Taschenbuch
608 Seiten
ISBN: 978-3-442-37395-6

Er ist wieder da

2011 wacht Adolf Hitler auf einem leeren Grundstück in Berlin Mitte auf. Er ist selber sehr überrascht, wieso er dort auftaucht. Er sucht seinen Führerbunker und seine Mitläufer, aber nichts außer ein paar fußballspielenden Jungen sind zu sehen. Er macht sich auf den Weg um seine Leute zu suchen und bleibt an einem Zeitungskiosk “hängen”. Der junge Zeitungsverkäufer hilft dem gut hergerichteten Hitlerkomödianten, der mit seinem Auftreten und dem rollenden R in der Sprache wirklich genial nachgestellt wirkt. Er gibt ihm vorübergehend eine Unterkunft und hilft ihm in dem modernen Leben Fuß zu fassen. Hitler selber ist etwas verwirrt, findet sich aber schnell in der Moderne zurecht. Bleibt sich komplett treu und nimmt kein Blatt vor den Mund. So wie er immer war, aber keiner sieht ihn als das, was er in Wirklichkeit ist…Der Führer!

Christoph Maria Herbst liest dieses Buch. Dieser Schauspieler ist eine erstklassige Wahl. Er gibt dem 122 (oder 56) Jährigen eine perfekte Stimme und hat obendrauf diesen herrlichen schwarzen Humor, der für diese Buch spricht. Aber auch die anderen Figuren werden von Herbst hervorragend gesprochen. Er koddert wie es die Berliner gerne machen, genauso wie er den kölner Dialekt wunderbar imitiert. 
Gefährlich finde ich die Situationen, die in diesem Buch angesprochen werden. Wie leicht sich die Menschen übertölpeln lassen würden und wie leicht es Einer hätte, wenn man nur die richtigen Knöpfe drückt. 
Sprachlich finde ich das Buch auf jeden Fall gelungen. Es sprudelt lustig (soweit man schwarzen Humor mag) vor sich hin. Viele Momente sind einfach zum schmunzeln gemacht. Das Ende bleibt offen. Vielleicht hat sich der Autor einen zweiten Teil vorgenommen.
von TIMUR VERMES
erschienen bei Luebbe Audio
Hörbuch, bearbeitet

411 Minuten

ISBN: 978-3-7857-4741-4

How to be Parisian

 Stil und Lässigkeit aus Paris

In diesem Buch wird dir die Möglichkeit gegeben, sich Tipps abzuschauen. Sie nachzulesen und vielleicht auch ein wenig selber zur Pariserin zu werden.
Kurze Kapitel lassen uns den Flair spüren und fordern uns heraus nach zu ahmen.
Sich mal ein wenig bewusst gehen zu lassen, natürlich immer unter der Maßgabe, nicht zu lässig mit sich umzugehen, den Schein zu wahren.
Was findet man in dem Bücherregal einer Pariserin oder was wird bei einer Einladung zu Essen aufgetischt. Wie verliebt sie sich und wie geht sie mit ihren Freundinnen um. Es gibt Rezepte zum nach kochen, Schminktipps und auch Adressen die man aufsuchen sollte, wenn man mal nach Paris kommt. Französische Vokabeln mit Erklärung, und Filme, die man unbedingt gesehen haben muss. Was zieht eine Pariserin an, was sollte auf jeden Fall in ihrem Kleiderschrank zu finden sein…
Mir persönlich haben es die Bilder in diesem Buch angetan. Schön fotografiert und gut umschrieben. Die Frauen die sich als Pariserinnen gefühlt haben, aber keine waren, so wie Josephine Baker oder Romy Schneider und die Erklärung, was sie zu Pariserinnen gemacht hat. Die Rezepte sind interessant und werde ich bestimmt mal versuchen.
Allerdings mag ich keine Bücher die nur Aufzählen. Ich fand keinen Faden in diesem Buch.
Über 2 Seiten wird uns, zum Beispiel erklärt, was eine Pariserin auf einer Parkbank macht, Wie sie ihren Kleiderschrank auffüllt oder was sie zu Essen kocht, wenn sie Besuch bekommt. Eingeteilt in 5 Kapitel mit vielen Unterkapiteln, hat man eine Weile Lesematerial. Manches ist auch recht lustig gehalten und Unterhaltsam. Die Beschreibung der zugezogenen Pariserinnen ist oberflächlich. 

“Die Kunst, den Schein zu wahren…Das Geheimnis besteht darin, ihm das Gefühl zu geben, dass du ihn brauchst: 

Natürlich kannst du die Flasche Bordeaux selbst aufmachen. Aber lass es ihn machen. Auch das ist Gleichberechtigung.” 

Seite 206

Die 4 Pariser Autorinnen haben auf 266 Seiten eine Hommage an die Frauen in Paris geschrieben. Lustiges, Unterhaltsames und informatives zusammengetragen. Die Bilder sind toll, zeigen teilweise die Autorinnen selber. Als leichte Lektüre, so zwischendurch zum Blättern und schmunzeln wirklich geeignet. Manches könnte man sich auch abgucken. Vielleicht bin ich selber eine Pariserin oder die Berlinerin ist der Pariserin nicht unähnlich ☺

Aus dem Französischen von Carolin Müller
Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag,
272 Seiten
ISBN: 978-3-442-75620-9

Das ist mein Buch des Monats Oktober. Bei Nicole findet ihr noch mehr…

Seelenkuss mit Himbeereis

von Anna Fischer

Liebeskummer kann Frau nicht gut ertragen. So geht sie los und versucht sich abzulenken. Was ist da besser als sich mit einem Fremden zu vergnügen. Sich verwöhnen lassen ohne Verpflichtungen. Schade, wenn es dann in einem Chaos endet.  
Sue geht es zu mindestens so. Ein One-Night-Stand endet mit einer gebrochenen Nase und auch sonst steht ihr Leben auf dem Kopf. Ihr Freund hat sie mit einem Modell betrogen. Sue’s Auto fährt nur wenn es möchte. Als Grafikdesignerin versucht sie sich über Wasser zu halten, aber auch da klappt nicht alles so wie sie es gerne hätte. Und dann taucht auch noch ihr Ex wieder auf! Allerdings als Geist, den nur Sue sehen kann. Was dahinter steckt, versucht sie mit dem Geist Max aufzuklären. Max verfolgt Sue, wohin sie auch immer geht. Sue fällt immer wieder auf, weil sie mit sich selber spricht.
Ein wenig hat mich die Geschichte an „Ghost – Nachricht von Sam“ erinnert.
Die Story ist aus der Sicht von Sue erzählt. Anfangs denkt man an eine einfache Schnulze, aber ziemlich schnell wird die Geschichte recht lustig und unterhaltsam. Mit viel Witz erzählt, erlebt man mit Sue und ihrem Ex, Max einige vergnügliche Lesestunden. Für einen entspannten Lesenachmittag absolut geeignet. Ich habe an verschiedenen Stellen wirklich gut lachen können.
Geschrieben ist der Roman von Stefan M. Fischer unter einem Pseudonym. Anna Fischer ist der Name seiner Mutter, die an einem Hirntumor gestorben ist.

Verlag : CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN :9781505444841
Flexibler Einband oder Ebook
256 Seiten