Ein Schweden Krimi {1793, von Niklas Nat och Dag}

10.05.2019 | Buch des Monats, Bücher, Buchregale, Historie, Krimi, Thriller | 6 Kommentare

1793, ein grausame Welt erwartet dich in diesem Schweden Krimi

ein Schweden Krimi von Niklas Natt och Dag

Lasst uns mal ein wenig in der Zeit zurückblättert. Es ist 1793 und wir sind in Stockholm. Der letzte Krieg liegt schon etwas länger zurück, den Menschen geht es einigermaßen gut. Schwedische Könige sind einen Kopf kürzer, oder sonst wie ermordet worden. (Ich bin in der schwedischen Geschichte nicht so bewandert) Krimis gehören nicht mehr zu meiner bevorzugten Literatur aber diesen hier konnte ich nicht aus der Hand legen.

Ein einarmiger Häscher, namens Jean Michael Cardell, zieht eine verstümmelte Leiche aus einem stinkenden Auffangbecken. Der Tote muss mal recht hübsch gewesen sein. Inzwischen ist aber nicht mehr viel von dem jungen Mann übrig. Cardell soll gemeinsam mit dem schwerkranken Juristen Winge, den Mörder aufspüren. Sie haben nicht viel Zeit, denn der Auftraggeber wird demnächst seinen Posten verlassen und danach wird sich keiner mehr für den Toten interessieren.

Es entwickelt sich eine spannende Geschichte, die uns in eine grausame und doch interessante Welt in der Vergangenheit mitnimmt.

Es ist ein Debütroman, der es in sich hat. Der Autor schrieb selber am Ende des Buches, dass er Respekt vor seiner Idee hatte, einen Roman mit der vergangenen Wirklichkeit zu verschmelzen. Das ist ihm aber außerordentlich gut gelungen und am Ende war Niklas Natt och Dag erstaunt, was für ein Meisterwerk er geschrieben haben mag.

Was ich gelesen habe

Der Autor entführt uns in ein Schweden, das man so bestimmt noch nicht kannte. Die Welt ist im Umbruch, die französische Revolution verwirrt die Gemüter und es ist der eisigste Winter in Stockholm, den man sich vorstellen kann. Die Menschen leben in schlechten Verhältnissen. Neid und Missgunst, sind natürlich auch wieder ein Thema. Seltsame, misshandelte und entstellte Menschen begegnen dem Leser auf den über 400 Seiten des Romans. Spannende Momente versetzen uns in die Vergangenheit. Grausame Situationen lassen uns gruselnd zurück. Natürlich! Ohne, wäre ein Thriller kein Thriller!

Mich haben einige Seiten schockiert. Anblicke, die ich nicht in der Wirklichkeit sehen möchte (Achtung Kopfkino!). Aber auch, unter welchen Bedingungen die Menschen gelebt haben und wie fies manchen Menschen auf „Niedrigere“ hinabgeblickt haben. Frauen, hatten so gut wie gar keinen Stand in der Gesellschaft. Mit dem kleinsten Vergehen, landeten sie im Spinnhaus und arbeiteten sich zu Tode. (Und das musste lediglich einer bezeugen, damit war ein Urteil schon gesprochen)

Natt och Dag hat es fertig gebracht, die echte Vergangenheit mit seinen teilweise fiktiven Figuren zu verschmelzen, so das eine sehr gut lesbare Story entstanden ist. Von diesem Autor, hoffe ich auf mehr!

Übersetzt von: Leena Flegler
496 Seiten
EAN 978-3-492-06131-5
Auf der Verlagsseite von Piper, findest du eine Leseprobe.

6 Kommentare

  1. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Schweden ist ja eigentlich eines meiner Lieblingsländer (aus Gründen…), deshalb hätte ich mich das Buch eigentlich gereizt. Aber ich bin so überhaupt keine Freundin von Thriller oder Horror. Ich glaube, meinem Kopfkino würde das vor dem Schlafengehen nicht wirklich gut tun. Schade, denn der Rest hört sich so gut an!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. ninakol.

    Oh, eigentlich bin ich jetzt total angefixt. Aber Kopfkino…. Das ist gemein! Anfixen mit einer offensichtlich spannenden Story, (und ich mag Keine aus vergangenen Zeiten) und dann erzählen, dass es ziemlich brutal geschrieben ist. Und da muss ich wohl Mal reinschauen, um zu entscheiden ob ich s verknüsen kann 😃

    Danke und liebe Grüße
    Nina

    Antworten
  3. Kristin - Wollkistchen

    Hallo Andrea,
    von diesem Buch hatte ich eine Leseprobe in der Hand und fand schon das erste Kapitel, dass darin abgedruckt war, ziemlich gruselig. Ich überlege immer noch, ob ich das Buch lesen möchte, aber natürlich möchte ich schon wissen, was da tatsächlich passiert ist. Deine Rezension wird mich jetzt sicher dazu bringen, es zu lesen. Mein Kopfkino kann ich glücklicherweise bei den schlimmsten Stellen ausblenden, was sich schon oft als Vorteil erwies. Danke für den kleinen Schubser.
    Schöne Grüße
    Kristin – Wollkistchen

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  4. Brigitte B.

    Hallo Andrea,

    endlich habe ich den Roman auch zu Ende gelesen. Er ist schon spannend, das ist wahr.
    Die Beschreibungen der Zustände sind wirklich drastisch und ich glaube dem Autor, dass er diese sorgfältig recherchiert hat.

    Ziemlich ermüdend fand ich aber die ewigen Wegbeschreibungen, mit Strassennamen, Kirchen, Plätzen; wenn der Autor gerne möchte, dass man seinen Protagonisten auf ihren Wegen folgt, hätte er einen detaillierteren Stadtplan anfügen sollen.

    Eindeutig gestohlen hat er den Ausgangsplot: kennst du den absolut traurigsten und besten Antikriegsfilm aller Zeiten?: „Johnny zieht in den Krieg?“

    Verwirrend fand ich dann die letzten Kapitel: da beginnt ein junger Mann eine Bildungsreise (ich denke gelesen zu haben, 1788, mit 17 Jahren) , bleibt dann in Paris, erlebt die Revolution 1789 mit 18 Jahren, um dann 1793, wieder in Schweden, mit 22 Jahren schlimmste Greueltaten zu begehen?

    Ich habe schon wesentlich bessere Romane aus dem Norden gelesen, aber auch schon schlechtere.

    Beste Grüße aus dem Münsterland – Brigitte

    Antworten
      • Brigitte B.

        Bei „Johnny zieht in den Krieg“ erleben wir das Innenleben eines Menschen, der blind, taub, stumm, ohne Arme und ohne Beine aus dem Krieg zurück kehrt.
        Letztendlich will er nur noch sterben, eine barmherzige Krankenschwester, mit der er sich durch eine Art Morsezeichen (sein Tastsinn ist noch vorhanden) verständigen kann, will sozusagen den Stecker ziehen. Wird aber in letzter Sekunde durch einen General verhindert, der das ganze als Experiment sieht.
        Johnnys letzte Gedanken: Eines Tages werde ich ihnen entkommen, sie können mich nicht ewig am Leben halten.
        Ich habe den Film als Jugendliche gesehen, 1972, das ist mittlerweile 46 Jahre her; er ist mir nach wie vor sehr präsent und Eines wußte ich danach genau: Kein Krieg ist gerechtfertigt. Und jeder Mensch sollte in Würde sterben können.

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