Daisy Jones & the Six, ein besonderer Roman

Daisy Jones & The Six

Daisy Jones ist eine junge Frau, die seit Kindertagen auf der Suche nach Geborgenheit und Anerkennung war. Ihre Eltern hatten sich, nach Daisy‘s Angaben, nie um das Kind gekümmert. Als Teenager glaubt sie, sich mit Partys, Drogen und Sex, Anerkennung zu erschleichen. Sie ist eine sehr gut aussehende junge Frau. Große tiefblaue Augen, eine Singstimme, die einen umhaut, eine Figur, um die sie jede Frau beneidet hätte.

Diese Daisy nun, trifft 1975 auf die Rock‘n Roll Band, The Six. Eine Truppe, die ihre ersten Erfolge verzeichnen konnte. Die Brüder Graham (Leadgitarrist) und Billy Dunne (Leadsänger) gründeten diese Gruppe. Dabei coverten sie am Anfang noch Songs von anderen Bands. Doch bald schrieb Billy eigene Musik und Texte. Die restlichen Mitglieder setzten sich aus der einzigen Frau Karen Karen (Keyboarderin), den Brüdern Eddi Loving (Gitarrist) und Pete Loving (Bassist) und dem Drummer Warren Rhodes zusammen.

Daisy Jones bekommt die Gelegenheit, einen Song mit Billy zusammen zu singen. Die Produzenten sind sehr angetan und wünschen sich unbedingt eine Zusammenarbeit mit der Band. Wie sich nun alles zusammenfügt und wie die Menschen der Band miteinander zurecht kommen, dass erzählen die Bandmitglieder einer Reporterin.
Und genau so, ist dieses Buch auch aufgebaut. Hier kommt jeder mal zu Wort. Die Musiker und Freunde der Gruppe, die Ehefrauen und Produzenten plaudern aus dem Nähkästchen. Das ganze Buch ist wie ein einziges Interview aufgebaut.

Daisy Jones and The Six, ein Musikroman

Was ich gelesen habe

Am Anfang des Buches war mir gar nicht bewusst, dass das ganze Buch im Interview-Stil geschrieben ist. Auf den ersten Seiten habe ich immer wieder gewartet, wann es denn mal richtig losgeht. Aber so nach und nach, habe ich mich an diesen merkwürdigen Lesestil gewöhnt. Fand es tatsächlich sogar recht angenehm, weil es eben kein drumherum gab. Die Reporterin fragt nur selten dazwischen und hat das Ganze dann zu einem durchgängig erzählten Roman zusammengesetzt.

Unterteilt in die Jahre (das sind die Kapitel), bekommt man ein Gefühl für die Bandmitglieder und die Menschen, die um die Musiker herum leben. Lachend wird von ihren Sex- und Drogeneskapaden erzählt. Wie sie sich gefunden, welchen Lebenswandel sie vollzogen haben. Auch Neid und Missgunst spielen natürlich eine Rolle: „Ich kann mit dem nicht mehr arbeiten“ oder „Immer will der im Mittelpunkt stehen“, wird besonders deutlich, da es sich um ein Interview handelt.

Natürlich besteht eine Musikgruppe nicht nur aus denen, die auf der Bühne stehen, weshalb eine Menge Menschen zu Wort kommen. Da kann man schon mal durcheinander geraten. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, so steht es auf den ersten Seiten. Denn jeder Mensch, hat so seine eigene Sicht auf die Dinge und vergisst auch mal, dass eine oder andere zu erwähnen, was dann wieder ein Anderer für wichtig hält. So fügt sich ein tolles Bild der Musiker zusammen.

Ich denke, dass es manchem nicht gefallen wird, wie dieses Buch aufgebaut ist. Doch mir hat es (nachdem ich gemerkt hatte, dass es immer im Interview-Format bleiben wird) am Ende sehr viel Spaß gemacht zu lesen. Der Aufstieg und der Fall dieser fiktiven Musikgruppe veranlasst dazu, doch nach diesen Personen zu googeln (natürlich erfolglos!). Die Idee der Autorin gefällt mir sehr. Beim googlen habe ich eine Playlist bei Spotify gefunden, die ich während des Lesens, nebenher gehört habe. Das machte das Buch um so lebendiger.

Die Autorin

Taylor Jenkins Reid lebt mit ihrer Familie in Los Angeles. Sie schreibt seit 2013 Romane. Vorher hat sie eine Karriere als Journalistin gemacht. Außerdem schrieb sie für das Fernsehen.
Ihre Bücher wurden bisher große Erfolge. (Neun Tage und ein Jahr, Zwei auf Umwegen) Wunderbare Sommerbücher!

Ullstein Verlag
368 Seiten
Aus dem Amerikanischen übersetzt
von Conny Lösch (eine tolle Frau übrigens!)
ISBN: 9783550200779

Der kalte Saphir

Hin und her gerissen, war ich von diesem Buch. Habe ich nun einen Krimi gelesen oder einen Roman? Soll ich diese Geschichte ernst nehmen, ist sie wirklich passiert oder ist reine Fiktion? Die Straße in Berlin existiert wirklich und die Schauplätze, nahe dieser Straße sind absolut real. Beim googeln, nach der Rockband aus den 1980 Jahren, bin ich auf eine Seite gestoßen, die mir sogar Musikdownloads angeboten hat. Und in dem Buch fand ich die passenden Codes dazu. Ich blieb weiterhin verwirrt, denn ansonsten fand ich nichts über die “Kommune des Schreckens” oder die Band Klarstein…
Aber erst einmal will ich dir etwas über das Buch erzählen:
Die forsche und neugierige Jule Sommer, eine Musikjournalistin, die bei der Zeitung “Schall” arbeitet, fährt nach Griechenland, um den ehemaligen Tontechniker der Band Klarstein, zu interviewen. Nachdem der Sänger der Band, in Berlin, in der Villa in der Kopischstraße erschossen wurde, hat sich Sebastian Winter (der Tontechniker) auf eine der griechischen Inseln zurückgezogen und noch nie über den Mordfall mit jemanden geredet. Jule schafft es dem ehemaligen Bandmitglied, die wahre Geschichte ab zuluchsen. Denn Sebastian war damals dabei. Aber was verschweigt er? Und unter welchen Bedingungen kommt Jule an die Story.

“Der Sommer knallte nach langer Abwesenheit wieder seine ganze Hitze auf die Stadt und trieb den Menschen den Schweiß aus den Poren. Über dem Pflaster des Gehsteigs flirrte die Luft, und gegen das gleißende Licht erschienen uns die Menschen auf dem Ku’damm verzerrt, als würden ihre Moleküle von der heißen, aufsteigenden Luft hin- und herbewegt, die Körper gegen alle Naturgesetze bis zur Durchsichtigkeit zerstäubt. Ich liebe den Sommer in der Stadt, obwohl ich die lauen Nächte den schwülheißen Tage vorzog.”

Der Roman liest sich außerordentlich leicht. Auf jeder Seite findet man etwas mehr über die Band und ihre Mitglieder heraus. Jule ist eine sympathische Person und man hofft, dass ihr bei dem psychopathisch wirkenden Sebastian, nichts passiert. Auch die anderen Bandmitglieder sind toll beschrieben. Obwohl viel über Musik gesprochen wird, ist es nicht langweilig für Nichtmusiker. Das Buch ist in drei große Kapitel unterteilt. Gleich zu Anfang des Kapitels, findet man den Text zu dem Song aus der Zeit, die das Kapitel beinhaltet. Zudem bekommt man einen Downloadcode für die drei großen Hits der Musikgruppe. Natürlich habe ich sie mir heruntergeladen und kann nur sagen, nicht schlecht. Passt in die Zeit. Ich fand das Buch wirklich spannend geschrieben. Und wie gesagt, ich kann mich immer noch nicht entscheiden Roman oder Krimi. Michael Düblin hat mich auf jeden Fall mit seinem Schreibstil überzeugt. Er findet wunderbare Worte, die überzeugen. Ein sehr unterhaltsames Buch, das sich ziemlich schnell lesen lässt. Interessante Einblicke in das Musikbusiness lockern die Erzählung von dem Tontechniker auf. Aber auch Jule kommt in dem Roman zu Wort und man spürt mit ihr eine leichte Angst und eine kleine Überlegenheit.

von Michael Düblin

Johannes Petri Verlag
2016. 336 Seiten. Gebunden.
ISBN 978-3-03784-098-6

Der Klang der Zeit

Das ist nun mein Beitrag zu der Blogparade, die Astrid und Silvia von dem Blog Leckere Kekse ins Leben gerufen haben. Ich wollte dich nach New York entführen und dir ein Stück schöne Literatur vorstellen. Mein Buchdealer hat mir “Der Klang der Zeit” empfohlen und so habe ich mich an die 768 Seiten gewagt.
Ich wollte dich nach New York entführen und dir ein Stück schöne Literatur vorstellen.
Mein Buchdealer hat mir “Der Klang der Zeit” empfohlen und so habe ich mich an die 768 Seiten gewagt.

Ich habe ein klangvolles Buch voller Musik gefunden. Einem Buch, randvoll mit bezaubernden Worten, melodiösen Sätzen. Ich habe Abhandlungen über die Zeit gelesen, die mich mehr verwirrt haben, als mir die Zeit zu erklären. Physikalische Belehrungen, die mich ermüdeten. Ich habe von New York gelesen. Von den Kämpfen zwischen Schwarz und Weiß, den Rassenunruhen in den Sechziger Jahren. Habe über die Geschichte zweier Jungen gelesen, deren Eltern nicht unterschiedlicher sein konnten. Die Mutter aus einer gebildeten schwarzen Familie und der Vater ein jüdischer Physiker, der aus dem Nazideutschland geflohen ist. Gegen allen Verstand heiraten die Beiden und bekommen drei sehr musikalische Kinder. Die Kinder Milchkaffeebraun / -weiß, mit so viel Musik in den Adern, dass der Ältere ein Stipendium an einer Musikschule bekam, wo seine Stimme Engelsgleich ausgebildet wurde. Obwohl es für schwarze Kinder ganz und gar nicht üblich war, eine solche Ausbildung zu bekommen. Geschweige denn, auf eine solche Schule zu gehen. Auch der Mittlere wurde auf diese Schule geschickt und erhielt eine Klavierausbildung. Stets im Schatten des Älteren, dazu verdammt immer nur der Diener, Schlichter und Kindermädchen für die Familie zu sein. Die viel jüngere Schwester, noch musikalischer als die Brüder, entschied sich, nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter, für einen ganz anderen Weg. Einen Weg, der mit Musik nichts zu tun hatte, aber auch den Klang der Zeit verdeutlichte. Einen Weg durch die Unruhen …
Die Kinder wachsen in einer Scheinwelt der so verschiedenen Eltern auf. Sie bekommen den Krieg zwischen den Hautfarben, der überall in Amerika brodelt, nur am Rande mit. Die Eltern unterrichten die Jungen zu Hause in New York, am Rande von Harlem, wo sich Schwarz und Weiß vorsichtig vermischen. Die Tochter wird später auf eine “normale” Schule gehen, nicht so weltfremd wie die Brüder. Die Kinder spielen lieber im Haus, als auf der Straße, wo die anderen Kinder schon darauf warten, die Mischlinge zu quälen. Als die Jungen in ein Internat umziehen, werden sie von fast allen Kindern akzeptiert, es sind wieder die weißen Eltern, die es zu verhindern wissen, dass engere Kontakte entstehen.
Die Story wird größtenteils von Joseph, dem mittleren der Kinder erzählt. Nur wenn es in die Vergangenheit geht, als der Junge noch nicht geboren war, übernimmt ein Erzähler das Wort.

“Wir sollten die Zukunft sein. Wir sollten die Gegenwart überwinden. Wir sollten die Rassenunterschiede überhaupt nicht sehen. Nicht einmal das Wort Rasse sollte fallen.” Seite 358
Wo kommt bloß dieser Titel her? Ja, es handelt von Musik. Von den Schwierigkeiten der Schwarzen in einem Land, in das sie nicht freiwillig eingewandert sind. Es handelt von dem Niemandsland der Kinder von gemischten Partnerschaften. Aber der eigentliche Titel entstammt einem Abschnitt von Seite 191, wo der Vater seinen Jungen Noten aus einer Zeit zeigt, als es noch keine Notenschlüssel und Tonarten gab. Er erklärt ihnen das Geheimnis der Töne in der Zeit, als die Welt noch in einem anderen Rhythmus schlug. In einem Kloster an der Nordspitze von Manhatten, auf einem Hügel oberhalb des Hudson River. “The Cloisters” einer Zweigstelle des Metropolitan Museum of Art. (Einem Kloster, das aus verschiedenen Klöstern zusammengetragen wurde. Niemals in der Vergangenheit einen echten Sinn gehabt hatte.)

“Zeit ist das Mittel, mit dem wir verhindern, dass alles zugleich passiert” Seite 116
Ich habe dieses Buch wirklich gerne gelesen, nur manchmal war ich von den vielen Eindrücken, physikalischen und zeitlichen Ergüssen, den vielen Musikstücken und Komponisten und Sängern erschlagen. Ich war froh, auf den letzten Seiten des Buches eine Zeittafel der Geschichte und  die für dieses Buch relevanten Momente zu finden. Einige Sänger und Komponisten habe ich mir im Internet zusammengesucht und auch da wieder einiges dazugelernt. Ich habe mir die Musik angehört, die auf den Seiten erwähnt wurde.

Die Grundgeschichte hat mich gefesselt, hat mir ein Lesevergnügen bereitet, das mich die trägen Momente in dem Buch meist vergessen ließ.

“Wer die Vergangenheit zum Ursprung erklärt, lässt der Zukunft keinen Spielraum…Wir alle bewegen uns auf einer gekrümmten Kurve, die zusammenbrechen wird und uns alle neu erschaffen wird” Seite 114

Um auf das New York Thema zurückzukommen: Die Straßen von New York, die Bezirke und die Musikschulen und Konzerthäuser, spielen in diesem Buch eine große Rolle. New York ist der Knotenpunkt in diesem Buch. Und ich wünsche mir eine Reise in diese Stadt. Ich fürchte nur 2 oder 3 Tage würden nicht reichen, all die Plätze zu besuchen, die ich mir ansehen möchte. Diese Blogparade #nycblogparade macht unheimliche Lust dorthin zu fahren.

Schau bitte auch auf den anderen Blogs vorbei, damit du mit dem zwölften Wort “in”, das ich dir jetzt gebe, den Satz vervollständigen kannst, mit dem du bei Leckere Kekse gewinnen kannst.

Roman von Richard Powers
768 Seiten,
FISCHER Taschenbuch

ISBN 978-3-596-15971-0