Im Licht des neuen Tages

Im Licht des neuen Tages ein Roman von Jarka Kubsova. Damals (2021) als sie Bergland herausgebracht hatte, war ich von ihrer Schreiberei sehr angetan und konnte die Berge fast riechen. Ich mochte ihre Figuren und das Buch hatte ich schnell fertig gelesen. Jetzt nun halte ich ihr neues Buch Im Licht des neuen Tages in den Händen und habe es verschlungen!

Im Licht des neuen Tages

Elli Hajek ist Schriftstellerin und sie sucht einen ruhigen Platz zum Schreiben. Ihr letztes Werk war ein Bestseller und das Nächste Buch soll noch besser werden. Ihre Tochter Klara ist erwachsen und in die Großstadt gezogen. Klara mag sich nicht mehr bemuttern lassen, hält Abstand zu ihrer Mutter Elli. Entschlossen verlässt Elli ihren Geliebten Jan, obwohl dieser sich eine Zukunft mit ihr aufbauen möchte. Sie zieht aus der Stadt in den Wald, weit weg von der Zivilisation und hofft auf die nötige Ruhe. Ruhe um ihr nächstes Buch zu schreiben (oder vielleicht auch um sich selber zu hinterfragen?).

Es Frühling und alles ist im Aufbruch. Und dann sieht sie zwischen den Bäumen die Märchengestalt Viktorka. Eine Figur die man in dem Märchen von der Babička (Die Großmutter) von Božena Němcová finden kann. Etwas berührt die Schriftstellerin und sie versucht mehr über diese Viktorka herauszubekommen. Als Kind hat Elli in der Tschechei gelebt aber sie hat mit der Vergangenheit abgeschlossen, sie verdrängt. Also macht sich die Schriftstellerin auf die Spurensuche und fährt kurz entschlossen nach Tschechien in das Tal der Großmutter. Aber aus der Suche nach Viktorka, wird die Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit.

Aber dann sagte das Großmütterchen überraschend klar: „Kennst du die Wahrheit über dich selbst? … bevor man die Geheimnisse von anderen lüftet, sollte man doch vielleicht seine eigenen kennen, findest du nicht?“

Seite 76

Der ganze Roman kam mir wie ein Märchen vor. Immer wieder tauchten Geschichten aus Tschechien auf. Ausschnitte von Rübezahl oder vom Wassermann. Oder eine ähnliche Geschichte wie die vom Rumpelstilzchen. Magische Momente im Wald, Blätterrauschen oder Waldelfen, -Kobolde und Tieren. Ein wunderschön geschriebener Roman über das Sehnen und Hoffen, vom Leben und dem Enttäuscht werden, von Zurückweisungen und Verletzungen. (Seite 204). Jarka Kubsova hat eine tolle Art ihren Figuren Leben einzuhauchen. Sie nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise und öffnet damit Herzen. Am Ende hatte ich kurzfristig ein paar Tränen in den Augen.

Ich sah ein Leben. Mein Leben. Und ich wusste, dass es an der Zeit war, zu verzeihen – mir selbst und allen anderen.

(Seite 143)

Märchen und Sagen

Ich hätte gerne noch viel mehr Zitate hier in der Rezension untergebracht, aber dann würde ich niemals fertig werden zu schreiben. Ich liebe Märchenbücher und habe schon als Kind die Bücher aus aller Welt verschlungen. Jarka Kubsova hätte gut eine Märchensammlerin sein können und im gewissen maße, ist sie das auch. Am Ende des Buches wird alles gut, aber vorher muss der Hauptcharakter erst noch einige Prüfungen bestehen, so wie es in einem guten Märchen eben Pflicht ist. Das neue Buch von Jarka Kubsova hat mich nicht enttäuscht, ich bin wirklich froh es gelesen zu haben. Weshalb Rubi und ich diesem Roman gerne 🐭🐭🐭🐭🐭 geben werden. Märchen oder Roman, das entscheide selber.

 

Im Licht des neuen Tages

ein Roman von Jarka Kubsova
aus dem S. FISCHER Verlag
ISBN: 978-3-10-397497-3
304 Seiten

Die Flussfrau

Anneliese oder besser Lis wird zur Flussfrau, nachdem sie dem Bauernhof ihrer Eltern entkommen ist. Sie sollte einen doppelt so alten Bauern heiraten, damit die Allianz geschlossen werden konnte. Lis war nicht begeistert denn, nachdem sie und ihrer Mutter Gudrun den Krieg über den Macken-Hof bewirtschaftet haben, war Lis der Meinung, dass sie keinen Mann braucht um weiterzumachen.

Die Flussfrau

Das Buch beginnt als die Menschen noch die kleinen roten Fähnchen mit dem Hakenkreuz bewunderten. Im Dorf hat der Müller das Sagen und wer nicht dazu gehört, der bekommt es zu spüren. Bei einer Veranstaltung fällt Otto der kleinste der Geschwister in den nahen Fluss und Anneliese kann ihn retten, indem sie ihm in das eiskalte Flusswasser hinterher springt. Damals merkt sie schon, das Wasser ihr Element ist. Jahre später, als der Krieg verloren und die Männer rar sind, der Vater zurückgekehrt ist und dem siebzehnjährigen Mädchen erklärte, sie müssen den alten Schweinebauern Liebrecht heiraten, trifft Lis einen jungen Mann. Jeder ist der Siebzehnjährigen lieber als dieser Schweinebauer. Horst ist einer dieser mutigen jungen Männer. Er wird in die Fußstapfen seines Kapitänsvaters steigen und eine Péniche sein Eigen nennen. Kurzerhand wollen die Beiden heiraten.

Die Welt von gestern war tot, etwas neues hatte begonnen, hier auf dem Boden der Mackens und auch in Ediths Leben

Seite 208

Frauenverachtend stehen die Schleuser und Auftraggeber vor Lis, trauen ihr keine Männerarbeit zu, nachdem Horst zu Tode kam und Lis sich gewagt hatte selber das Schiff zu steuern. Dabei haben ihre Mutter und ihre beste Freundin Edith schon während des Krieges, als die Männer nicht da waren alles auf dem Hof gemacht, was angefallen ist. Und auch noch einige Zeit danach, wieso sollte die erwachse Frau Lis jetzt nicht das können, was „nur“ Männer können? Lis trägt eine Schuld mit sich herum, die sie immer wieder einholt. Und doch ist sie, die starke Persönlichkeit, die sich durch die Jahre schlägt. Ihre Freundin unterstützt eine neue Liebe findet und einen vierbeinigen Gesellen.

Eine Lebensgeschichte

Mir war Lis die Flussfrau sofort sympathisch. Sie hat eine Lebensgeschichte, die mich wirklich mitgerissen hat. Lis schlägt sich durch die Jahre bis sie einen Weg findet ihren Lebensabend nach ihren Vorstellungen zu beschließen. Dazwischen liegen viel Arbeit, Vertrauen, Missachtung, Frauenfeindlichkeiten, eine große Liebe, ein normales Auf und Ab dem ein Leben so begeht und doch hat es so viel Emotionen in mir geweckt, dass ich diesen Roman in einem besonderen Tempo gelesen habe. Die Autorin Tanja Weber lebt an einem Fluss und hatte mit einer Kurzgeschichte über eine alte Frau an einem Schreibwettbewerb teilgenommen und diesen auch noch gewonnen. Diese Protagonistin ließ Tanja Weber nicht mehr los. Die Autorin wollte die ganze Geschichte aufschreiben und hat hiermit einen ganz wunderbaren, feinfühligen und spannenden Roman geschrieben. Nicht nur die Lebensgeschichte von Anneliese, Lis, ist spannend, sondern auch die Wandlung des Flusses, die Zeiten und die Menschen, die in diesem Roman eine besondere Rolle spielen.

Ich bin von diesem Roman so überzeugt, dass ich ihm gerne 🐭🐭🐭🐭🐭 geben möchte. Sprachlich ein wunderbarer Roman, mit einem kleinen Fingerzeig darauf, wie wir mit unserer Umwelt umgehen. Wie sich die Frauen nach dem Krieg behaupten mussten und wie sie sich verbogen um zu bestehen.

 

 

Die Flussfrau

geschrieben von Tanja Weber
aus dem Ullstein Verlag
304 Seiten
ISBN 9783550204883

Der Betrachter

In »Der Betrachter« findet man einen Roman über die Freundschaft, die Liebe, das Leben, den Neid, über Verrat und Verleugnung. Es geht um 6 Freunde die sich in Kindertagen zusammenfinden. Über eine Freundschaft die unverwüstlich erscheint, die aber wie sollte es anders sein, ihre Risse und Macken hat. Sechs Freunde und das Leben.

Der Betrachter

Hermann Loch kommt 1906 in den Niederlanden, in der Stadt Haarlem zur Welt. Sein Vater ist allerdings nicht zugegen, denn der ist Soldat in Österreich. Als Hermann zehn Jahre alt ist, kommt seine Mutter zu Tode und der Junge wird zu der Tante, der Schwester seines Vaters nach Wien gebracht. Der Junge muss erst einmal das Deutsche lernen und die Tante ist nicht die beste Lehrerin. Als sie selber zur Kur nach Baden fährt, überredet der Hauslehrer sie, Hermann mitzunehmen und in der Sommerschule anzumelden die neben dem Kurhaus jungen Menschen das Musizieren beibringen soll. Dort trifft der Junge das erste Mal auf seine zukünftigen besten Freunde. Béla den jungen Aristokraten aus Ungarn. Franzi, die Tochter eines Sozialisten, Bertl, dem Sohn eines Kartonagenfabrikanten aus Wien, Max, dem jüdischen Sohn seines Hauslehrers und Lotte. Ein bunter Haufen, der keine Vorurteile kennt.

Sie treffen sich immer wieder und später als junge Erwachsene in Wien. Sie verbringen viel Zeit miteinander und so langsam verweben sich ihre Geschichten. Hermann ist das Bindemittel, die Kittmasse, der stille Betrachter. Schon als Junge konnte Hermann wunderbar zeichnen und malen. Er kann studieren und wird zum Dozenten an der Kunstakademie, unterrichtet die jungen Restauratoren. Das Leben um ihn herum bekommt er ein bisschen vernebelt mit, sieht die Zusammenhänge immer nur dann, wenn es schon zu spät ist. So bemerkt er nicht, dass seine Freunde unter dem neuen NS-Regime genauso wie sein weiteres Umfeld immer mehr zerbricht. Hermann erzählt von seinem Leben in Wien und wie er mit den Freunden immer wieder in die Berge fährt, ist verwirrt, wenn sich wieder eine neue Situation auftut und ist der Freund, den man sich wünscht, wenn die Welt untergeht.

Unterhaltsam geschrieben

Der Roman »Der Betrachter« ist wirklich gut geschrieben. Hermann als Erzähler, als Freund und Betrachter. Er liebt seine Freunde, egal was sie machen und welchen Neigungen, Ideologien oder Konfessionen sie nachgehen. Er ist wie gesagt das Bindeglied. Manchmal dachte ich zwischenzeitlich, dass er ein großes Stück Naivität abgebissen hat. Er sprudelt über vor Liebe zu seinen Freunden und verzeiht viel. Aber am Ende … Tja, das werde ich jetzt nicht erzählen. Ich war jedenfalls begeistert von diesem Buch und von der Erzählweise. Der Roman ist sehr leicht zu lesen, neben der Unterhaltung zeigt ein Finger immer wieder auf die Zustände, den Wandel der Zeit, die Entwicklung zum dritten Reich. Vielleicht war es so, dass die Menschen dachten, dass es was Gutes hat, vielleicht hofften sie auf besserer Zeiten, Wirtschaftswachstum oder was auch immer und sie machten die Augen zu. Mich hat der Roman und seine Figuren jedenfalls auf der ganzen Linie abgeholt.

Rubi und ich geben dem Roman, Der Betrachter, gerne 🐭🐭🐭🐭🐭 ein absolut lesenswerter Roman. Spannend, wunderschöne Bilder im Kopf und gleichzeitig sehr kurzweilig.

 

 

Der Betrachter

ein Roman von Judith Fanto
aus dem niederländischen
übersetzt von Christiane Burkhardt
432 Seiten
ISBN: 978-3-0369-9549-6

Grenzgang – Die Belagerung von Neuss

Grenzgang – Die Belagerung von Neuss ist eine Kurznovelle von Nina Casement. Es geht dabei um die Belagerung von Neuss im Jahre 1474 -1475 aus der Sicht eines 11-jährigen Mädchens namens Luitgard.

Grenzgang

Die Autorin hatte mich gefragt, ob ich ihre Kurznovelle lesen mag, sonst wäre ich nie über dieses kleine E-Book gefallen. Das Titelbild hätte mich wahrscheinlich auch nicht eingefangen, dabei passt es hervorragend zu der kurzen Geschichte.
Der Leser begleitet die Elfjährige ein Jahr lang. Luitgard und ihre Mutter, den Vater gibt es nicht mehr, kommen nach Neuss und mieten sich dort in ein winziges Häuschen in der Stadt an der Stadtmauer ein. Nicht lange, nachdem die beiden sich eingelebt haben, zieht der Herzog von Burgund, Karl dem Kühnen, vor die gut befestigte Stadt Neuss und beginnt eine Belagerung. Das Mädchen berichtet davon wie sie mit ihren Freundinnen erst noch recht sicher auf den Straßen spielt. Immer schwieriger wird das Leben, denn die Lebensvorräte werden knapp und die damals stärkste Armee bleibt hartnäckig vor den Toren in Stellung. Kanonenkugeln fliegen, Gräben werden zugeschüttet und wieder geflutet. Kurz gesagt, das war ein Gemetzel und die Bewohner der Stadt, die eigentlich gar nichts mit den Querelen der Oberen zu tun hatten, waren mal wieder die Verlierer.

Spannend und mitreißend

Das kleine Büchlein, dass die Autorin im Mai 2026 via tolino media veröffentlicht (Werbelink) hat, ist wirklich sehr spannend. Ich habe die knapp 40 Seiten schnell gelesen und habe mit der kleinen Luitgard mitgefiebert und gelitten. Die Autorin hat die Zustände damals wohl gut recherchiert. Ich habe schon mehrmals Bücher aus dieser Zeit gelesen und immer ging es dabei um die Männer und Frauen in den Burgen und auf den Chefsesseln dieser Zeit. Niemals habe ich mir Gedanken um die Menschen in der Stadt gemacht. Welche Verluste sie hinnehmen mussten, welchen Hunger sie aushielten und wie viel Zusammenhalt es dabei gab und wie viel Zerstörung schon damals durch einen unnützen Krieg entstand.
Ich hätte mich sehr gefreut, wenn die Geschichte weitergegangen wäre. Denn nachdem die Stadt befreit war, endete das Büchlein. Nina Casement hat eine wirklich mitreißende und spannende Art zu schreiben. Ich würde mich über mehr freuen!

Von uns bekommt die Kurznovelle 🐭🐭🐭🐭 Ein spannendes kleines Buch, dass man mal schnell gelesen hat und Hunger auf mehr macht.

Grenzgang – Die Belagerung von Neuss

von Nina Casement
eBook
ISBN:B0H36FCGYV
39 Seiten
Verlag:via tolino media

Die üblichen Mauern

„Die üblichen Mauern“ ist ein Roman von Gerhard Weinreich. Es geht hierbei, um einen Bischof, auf den der Verdacht fällt, einen Mann umgebracht zu haben. Der Staatsanwalt scheint, aus dem ganzen keine große Sache machen zu wollen und beschäftigt sich lieber damit sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Dazu kommt noch ein Monsignore Ries, der sich nicht an sämtliche Regeln hält. Der Autor bringt (ein schmunzelndes) Licht hinter die Mauern der katholischen Kirche.

Die üblichen Mauern

Gerhard Weinreich hat einen unterhaltsamen Roman-Krimi geschrieben. Seine Figuren haben unendlich viele Gedanken, die den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringen. Allerdings kann sich der Leser auch immer wieder darin verheddern. So erging es mir jedenfalls. Warum muss ich wissen, was der Salatsoßenfleck auf einem gepunkteten Kleid anrichtet oder warum sich der Staatsanwalt unwohl fühlt mit klackernden Schuhen durch das endlos große Büro des Bischofs zu gehen? Aber dadurch werden die Mitspieler auch lebendiger.

So richtig überzeugt hat mich das Buch allerdings nicht. Mir waren es zu viele Informationen, zu viel drumherum, sodass ich oft den Faden verloren habe und nicht mehr wusste welcher Mission wir gerade verfolgen. Man liest unglaubliche viele Dialoge, und Gedankengänge. Was ich mir dagegen sehr gut vorstellen könnte, wäre diesen Roman zu verfilmen. Die Mitwirkenden haben allesamt etwas auf dem Kerbholz, mal mehr mal weniger und ihre Dialoge sind schon Recht witzig gehalten. Monsignore Ries mag dabei noch die unterhaltsamste Figur gewesen sein.
Gerhard Weinreich hat eine besondere Art seinen Roman zu schreiben. Manche sagen, es sei spritzig. Wer es lustig mag und schnell ins Lachen kommt, der ist hier bestimmt gut bedient.

Rubi und ich geben dem Roman 🐭🐭🐭. Sprachlich wirklich interessant. Schmunzeln inklusive. Vielleicht auch ein bisschen kritisch gegen die Kirche und ihre Versteckspiele. Bischöfe, die machen, was sie wollen, die ihre Macht ausnutzen.

 

Die üblichen Mauern

ein Krimi-Roman von Gerhard Weinreich
203 Seiten
aus dem sisifo Verlag
ISBN: 978-3-86660-316-5