Die Stunde zwischen Nacht und Morgen

20.01.2022 | Historie, Roman | 4 Kommentare

Die Stunde zwischen Nacht und Morgen spielt 1946. Der Krieg ist zu Ende und die Stadt Köln liegt in Trümmern. Viele Häuser stehen nicht mehr und die Menschen leben in unwürdigen Unterkünften. Die Schweizer Spende schickt einige Helferinnen, Lebensmittel, Kleidung und Medikamente in die Stadt Köln, um vor allem den Müttern und Kindern ein wenig zu helfen. Die Helferinnen und Helfer bauen auf einer „Brache“ am Westbahnhof dazu einige Baracken auf, die als Kleiderausgabe und Speisung fungieren. Dazu gibt es eine Schreinerei, eine Näherei/Strickstube und eine Küche. (Es gibt sie heute noch, die Baracken. Allerdings verfallen sie zusehends) Man nannte diese Baracken, das Schweizer Dorf.

Die Stunde zwischen Nacht und Morgen

Elvira Wipf, Eli genannt, wächst während des Krieges in der Schweiz als Tochter gutsituierter Kaufmanns-Eltern auf. Sie soll demnächst den reichen Anwalt Werner Lüdi heiraten. Aber Eli ist damit nicht glücklich. Irgendwie kann das doch noch nicht alles gewesen sein. Ihr Leben scheint so langweilig, unerfüllt. So hat sie sich dazu entschlossen sich heimlich davon zu stehlen und sich den Helferinnen der Schweizer Spende anzuschließen.

Eli ist eine mutige, junge Frau die unerschrocken durch die Trümmer Kölns läuft. Sie begegnet auch den britischen Militärs mit hocherhobenen Kopf, dabei trifft sie den schneidigen Offizier Trevor Atkins. Er wird Eli bei verschiedenen Problemen noch sehr nützlich sein. Ein anderer junger Mann von 12 Jahren ist Mattes (Matthias), der kurz vor Kriegsende noch seine Mutter bei einem Bombenangriff verloren hat. Mattes hofft, dass sein Bruder Helmut irgendwann aus dem Krieg zurück kehren wird. Solange wohnt er bei einer Freundin seiner Mutter in einer engen Dachkammer, und sucht in den Trümmern nach Nahrungsmittel. Ein gefährliches Unterfangen, denn überall sind noch Blindgänger versteckt.

Helmut ist in Russland in einem Gefangenenlager. Er schafft es, während einer Verlegung in ein anderes Lager, zu fliehen und schließlich über viele Umwege nach Köln. Er hofft seine Familie ist noch am Leben. Er findet aber nur noch seinen kleinen Bruder vor, der sich viel in dem Schweizer Dorf aufhält. Helmut darf auch dort bleiben und wenn er mit anpackt, dann bekommt er auch eine kleine Mahlzeit ab. Dabei trifft er Eli. Die Frau, die ihn verwirrt und anzieht wie ein Magnet.

Ein unterhaltsamer Roman

Die Autorin Priska Lo Cacio hat mit „Die Stunde zwischen Nacht und Morgen“ einen unterhaltsamen Roman geschrieben. Selber Schweizerin war sie sich nicht sicher, ob sie es darf über den Krieg zu schreiben. Denn auch wenn die Schweiz immer als loyal gegolten hat, so hatten doch manche schweizerische Geschäftsleute viel Geld mit dem Krieg gemacht. Ihre Beschreibungen bringen ein wenig Licht ins dunkel. Auch fand ich es sehr spannend etwas über das Schweizer Dorf zu erfahren. Prisca Lo Cacios Romanheldin ist eine sehr sympathische Person, und auch alle anderen Figuren machen es einem leicht, in das Geschehen abzutauchen. Das Leben in dem zerstörten Köln war sicherlich kein Zuckerschlecken. Ebenso wie auch in vielen anderen Städten, die dem Erdboden gleich gemacht wurden. Priska Lo Cacio verbindet historische Begebenheiten mit einem Abenteuer und einer zarten Liebesgeschichte, in der Stunde zwischen Nacht und Morgen…

Rubi empfiehlt dieses Buch mit 🐭🐭🐭🐭

 

Die Stunde zwischen Nacht und Morgen

Ein Roman von Priska Lo Cacio
Verlag: Droemer
432 Seiten
ISBN: 978-3-426-30787-8

4 Kommentare

  1. Tina

    Zack, auf meiner Leseliste. Ich danke für die Rezension!
    Wünsche ein schönes Wochenende
    Tina

    Antworten
  2. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Es ist auch immer wieder interessant, geschichtliche Hintergründe neu zu sehen durch eine Lektüre. Von dem Schweizer Dorf wusste ich bislang noch gar nichts. Danke für die wunderbare Rezension!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Bienenelfen

    von Helga:

    Hach liebe Andrea,

    Voll erwischt, das muß ich lesen. Zum Valka Lager zu gehen, war mir strikt verboten von Mama. Gerade da hat es mich hingezogen, da waren viele Kinder, freundliche …aber arm und dreckig die mich mitspielen ließen, das war was für mich. Heimlich bin ich natürlich hingeschlichen, Mama mußte ja für mich und meinen Bruder Brot verdienen gehen, so gab es immer Möglichkeiten zu entschlüpfen. Komisch, daß es mich immer noch zu Minderbemittelten hinzieht, ist mir wohl angeboren. Gerne helfe ich wo ich kann. In letzter Zeit übernehme ich mich manchmal, meine Rückschritte werden deutlicher.
    Das Alter nagt doch, na ja knabbert an einem herum.
    Danke für die Vorablesung, schön , daß es auch Dich gibt ….und grüße mir Berlin. 🙋‍♀️
    Schönes Wochenende wünscht Helga, die gerade zwei Paar Socken in Größe 47 zur Post gebracht hat, für einen Heimbewohner der keine Angehörigen hat, die ihm zu handgestrickten Socken verhalfen, die er sich dringlich gewünscht hat. Hab ich gerne gemacht. 🧦 🧶

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