„Mädchen, Frau, etc“ ein Roman von B. Evaristo

15.03.2021 | Nachdenklich, Roman | 4 Kommentare

Bernardine Evaristo ist die erste schwarze Frau die den Booker Prize in seiner 50 Jährigen Geschichte gewonnen hat.. Als ich dann auch noch den Klappentext gelesen habe, musste ich dieses Buch einfach haben und lesen. Da waren meine Erwartungen sehr hoch

Mädchen, Frau etc.

Bernardine Evaristo schreibt dabei recht seltsam. Ihre Texte enden nicht mit einem Punkt. Nur am Ende eines Kapitels findet man einen. Anfangs fand ich es recht verwirrend, aber schnell überliest man es einfach, denn die Texte sind einfach sehr flott geschrieben. Man wird mit Feminismus, Diskriminierung, Sexismus und Rassismus konfrontiert. Ich habe am Anfang gar nicht gemerkt, dass ich von einer schwarzen Frau gelesen habe. Das wurde mir erst später klar. Dabei habe ich mich selbst dabei ertappt, wie sehr ich doch in Schubladen denke. Selber Weiß, kann ich mich bestimmt nicht in die Frauen hineindenken, die mit einer anderen Hautfarbe in der weißen Gesellschaft lebt. Doch Bernardine Evaristo bringt es mir bei und zeigt dabei sehr viel ihrer Protagonistinnen.

Ihre zwölf Frauen lassen den Leser in ihre Welt blicken. Ihre Herkunft, ihre Wut und Liebe, ihren Lebenswandel. Jede Einzelne hat mich irgendwie in ihren Bann gezogen.
Es wird kein Blatt vor den Mund genommen, denn sie zeigen ihre Gefühle und breiten auch ihr Sexleben vor dem Leser aus. Es geht dabei aber mehr darum zu zeigen, wie bunt die Welt eigentlich ist. Nicht zu (ver-)urteilen, bevor man die ganze Geschichte kennt. Nicht jede Frau ist die schöne, selbstständige Geschäftsfrau, die ihren „Mann“ steht. Evaristo beschreibt auch die Frau, die sich ihrer Geliebten beugt, sich abhängig macht, genauso wie das Findelkind, das sich seinen Platz in der Gesellschaft erkämpfen muss.
Oftmals sind Evaristos Figuren maßlos überzeichnet, was irgendwie wieder bezaubernd ist.

12 Geschichten

Bernardine Evaristo stellt 12 Frauen/Mädchen in ihrem Buch vor. Dabei sind alle Geschichten irgendwie miteinander verbunden. Sie schieben sich ineinander, wie ihre Texte ohne Punkte. Den Anfang macht Amma, eine frauenverschlingende Frau der 60er Jahre. Sie ist eine fast wütende Person, die ständig gegen alles und jeden meckert und protestiert. Sie geht mit ihrer besten Freundin Dominique zu Theaterpremieren und weiß schon im Vorfeld, dass sie auf den oberen Rängen Bambule machen wird.

Selber versucht sie sich an Theateraufführungen und seltenst hat sie dabei Erfolg. Doch am Ende des Buches hat sie ihren Durchbruch. Eine Premiere, bei der die meisten der Frauen, die Evaristo beschreibt wieder zusammen kommen und das gute Theaterstück hoch loben oder zerreißen.
Ihre Tochter Yazz ist ein typisches Mädchen der 1990er Jahre. Offen für alles und stets bemüht über Hautfarbe, Religion oder sexistischen Neigungen hinweg zu sehen. Ständig die Umwelt im Auge und den neusten Trends folgend. Sie zieht möglichst aus allem den größten Nutzen.

Die beste Freundin Ammas, Dominique, macht ganz andere Erfahrungen, als sie auf ihre Frau trifft. Eine vegane, radikale, drogenunabhängige, radikalfeministische Lesbe. Nzinga ist unglaublich schön in den Augen Dominiques. Allerdings auch genauso einnehmend. Diese Erfahrung muss Dominique machen.
Aber auch die Geschichte von Megan ist anrührend. Sie wird von ihren Eltern von klein auf in die Mädchenrolle gedrängt. Sie muss mit Barbiepuppen spielen und wenn sie die unsäglichen Puppen versteckt, zerrt die Mutter sie wieder hervor. Megan begreift irgendwann, dass sie eigentlich in dem falschen Körper steckt. Aber sie begreift sich auch nicht als Mann. Es ist irgendetwas dazwischen. Sie lehnt sich auf und findet über einen Chatroom im Netz eine passende Gefährtin und ein Leben, dass zu ihr passt.

Zwölf Geschichten die berühren, die manchmal zum schmunzeln anregen. Aber was ihnen allen eigen ist, ist wach zu machen. Besser hin zu schauen und anzunehmen!
Dieses Buch hatte ich schon in meinen FebruarBüchern vorgesehen.

Die Autorin

Cover von Mädchen, Frau, etc

Bernardine Evaristo wurde 1959 als viertes von acht Kindern in London geboren.

Sie ist Professorin für Kreatives Schreiben an der Brunel University London und stellvertretende Vorsitzende der Royal Society of Literature. Für ihren Roman Mädchen, Frau etc. wurde sie als erste schwarze Schriftstellerin 2019 mit dem Booker-Preis ausgezeichnet. (von der Verlagsseite)

Ein Roman von Bernardine Evaristo
ISBN 9783608504842
512 Seiten
Aus dem Tropen-Verlag

4 Kommentare

  1. Nicole Kirchdorfer

    Das klingt mega interessant.
    Solche emotionalen und auch „Episoden“-Romane finde ich super.
    Landet auf meiner laaaaaaaaangen Liste.
    Danke für den Tipp.

    LG und schöne Woche,
    Nicole

    Antworten
  2. Bienenelfe Helga

    von Helga:

    Hallo Andrea,

    na das ist doch mal eine ganz andere Perspektive von einem Buch. Gerne mach ich mich da mal schlau, sehr interessant könnte das werden, danke fürs vorstellen.

    Herzliche Grüße Helga

    Antworten
  3. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Das hört sich nach einer spannenden Lektüre an! Auch das Cover hat mich gleich angemacht. Offensichtlich sind die Geschichten ebenso bunt und wild.
    Liebe Grüße
    Andrea

    Antworten

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