Ach Virginia {eine Rezension}

04.04.2020 | Historie, Nachdenklich, Rezension, Roman | 2 Kommentare

Ach Virginia

Wer kennt sie nicht, Virginia Woolf? Eine Schriftstellerin und Verlegerin, die für so manche Texte in der Frauenbewegung der Siebziger Jahre verantwortlich war. Aber wer war diese Virginia Woolf eigentlich wirklich. In London am 25. Januar 1882 in eine wohlhabende Intellektuellen-Familie hinein geboren, nahm sie sich am 28. März 1941 das Leben. Sie schrieb unzählige Romane. Viele erzählten unterschwellig aus ihrem Leben.

In dem Buch Ach Virginia, beschreibt der Autor Michael Kumpfmüller die letzten zehn Tage im Leben von Virginia. Eine Frau, die in tiefen Depressionen steckt und mit ihrem Leben abgeschlossen hat. Dabei ist sie noch verhältnismäßig jung. Hat ein gutes Leben auf dem Land, in einem wunderschönen Cottage mit ihrem Ehemann Leonard. Leonard liebt sie, obwohl die Ehe eher schwierig scheint. Er versucht alles, um seiner Frau Lebenswillen und -freude zu vermitteln. Aber alles lastet wie schwere Steine auf der Seele von Virginia. Sie lebt zwar mit Leonard, aber Liebe war es wohl nie, die sie an ihn gebunden hat. So zumindest vermittelt es das Buch. Virginia schien sich mehr zu Frauen hingezogen zu fühlen. 10 Tage. Das Ende einer großen Schriftstellerin.

Michael Kumpfmüller berichtet mit einer schönen Wortwahl über Virginia. Das Gedankenkarussell der Frau und ihre Empfindungen, ziehen den Leser in seinen Bann und stoßen zugleich ab. Mich haben die Gedanken der Schriftstellerin fast ebenso in eine Depression gezogen, welche die Hauptakteurin durchlebte. Schwierig, wenn man selber für solche Düsternis anfällig ist. Manchmal musste ich das Buch beiseite legen, um wieder zu Atem zu kommen.

Die letzten 10 Tage

Virginias Leben war nicht einfach und vieles in dem Roman deutet darauf hin, dass die Schriftstellerin schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hat. Leonard, ihr Mann ist so aufmerksam, kümmert sich und versucht seine Frau zu retten. Doch Virginia will sich nicht retten lassen. Ihr ganzes Streben besteht darin, sich das Leben zu nehmen. Schlaflos und überreizt wirkt Virginia auf den Leser. Psychisch überlastet zieht es die Frau in Richtung Tod. Immer wieder versucht sich die Autorin in ihren Erinnerungen und Tagebüchern wieder zu finden. Fühlt sich von den Besuchen ihrer Schwester Vanessa belästigt und doch versöhnt. Sie unterhält sich mit Gespenstern und sucht die Nähe, sowie die Entfernung zu ihrem Mann. Gaukelt ihm Normalität vor.

Kupfermüller beschreibt ein Leben, das verwirrt, mit Gespenstern behaftet und von (Alb-) Träumen zersetzt ist. Am Ende stand ich selber verwirrt da und habe mir die Geschichte Virginia Woolf‘s im Internet heraus gesucht. Ob ich den Roman wirklich gut fand, das kann ich nicht sagen. Für den, der es erträgt, ist der Roman bestimmt gelungen.

Verlag: Kiepenheuer&Witsch
240 Seiten
ISBN: 978-3-462-04921-3
von Michael Kumpfmüller

2 Kommentare

  1. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Ich glaube, in der derzeitigen Lage wäre das Buch auch nicht wirklich etwas für mich. Noch mehr Düsternis kann ich gerade nicht gut vertragen. Von daher kann ich deine Reaktion gut verstehen.
    Manchmal trifft man im falschen Moment auf ein Buch…
    Liebe Grüße
    Andrea

    Antworten
  2. Bienenelfen

    von Helga:

    Liebe Andrea,

    dankeschön, daß Du es trotzdem gelesen hast, in diesen lausigen Zeiten. Die Zitronenfalterin hat schon recht, falsches Buch zur falschen Zeit. So etwas muß man lesen wenn es einem saugout geht. Jetzt steht eher leichte Kost an, damit man über diese Krise unbeschadet kommt. Beim Lesen ist Abwechslung wichtig, aber was dann das so alles ist, verrät man nicht so gerne, man wird rasch belächelt und herabgestuft. Heimlich alte Schlager hören und von Opern schwärmen, ja ? Auch so eine Sache. Es kann sich alles miteinander vertragen, wenn Deine Seele es so bestimmt. Auch die KZ Geschichten der letzten Wochen drücken nieder. Es gab auch maßenhaft Deutsche die im Untergrund die Sache zu verhindern versuchten und dafür wie unser Onkel 12 Jahre seines Lebens dem KZ, (immer wieder verschiedene) hingeben mußte, Kinder ihm und seiner Frau deshalb versagt blieben. Vergast hat man die „Politischen“ nicht, nur mißhandelt und gefoltert und Jahrelang drangsaliert. Hab hierzu Namen aus einem Sonderexemplar. Diese Menschen dürfen wir auch nicht vernachläßigen, darüber wird aber kaum berichtet. Singen vom Balkon nützt auch nichts, nur Augen zu und durch. Wir sind im Garten und sonst drinnen, ich geniese lesen und stricken, oder schreib mal für die Bienenelfen einen Post. Gesund sein und bleiben, wir arbeiten daran, gell?

    Liebe Grüße
    Helga

    Antworten

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