Zorn … Tod und Regen

Tod und Regen ist der erste Teil einer langen Serie von Krimis, die Stephan Ludwig geschrieben hat. Im Vordergrund steht Cornelius Zorn. Ein Kommissar, der eigentlich gar keinen Bock hat, sich in die kriminalistischen Probleme der Welt einzumischen. Er würde liebend gerne einfach nur sein Ding machen, eine nach der anderen Zigarette rauchen und ansonsten einfach nur gute Musik hören oder sich mit schönen Frauen „unterhalten“ und besonders seine Ruhe. Ihm zur Seite steht Schröder. Ein etwas dicklicher, rothaariger Typ, der ansonsten eher unscheinbar ist. Zorn hat keine Ahnung, welches Können in dem korrekten 39-Jährigen steckt.

Der erste Band Zorn (Tod und Regen)

Zu einem guten Krimi oder Thriller gehört natürlich mindestens eine Leiche. Die wird, wie bei fast jeden Thriller, gleich am Anfang des Buches übelst zugerichtet. Wobei ich sagen muss, dass es zwar blutig zuging, der Autor sich aber nicht unbedingt in die Details hineingesteigert hat. Was ich persönlich immer sehr begrüße. Blutrünstig ist nicht meins!
Die beiden Ermittler kennen und arbeiten wohl schon eine Zeitlang miteinander. Doch so viel wissen sie noch nicht voneinander. Schröder scheint eine Menge interessanter Dinge zu können und ist ein akribischer Ermittler. Etwas, das Zorn noch sehr zu schätzen lernt. Zorn dagegen ist eher die Schluse, derjenige, der einfach drauflos rennt und sich immer wieder in verzwickte Situationen bringt. Sei es einfach nur ein ausgestreckter Mittelfinger oder eine blöde Bemerkung. Außerdem ist er Kettenraucher und lässt sich auch nicht davon überzeugen, dass im Polizeigebäude Rauchverbot herrscht.

Zurück zum Fall: In einem Keller wird mächtig laut Musik gespielt und als man den Ruhestörer zur Rechenschaft ziehen will, findet man einen leeren Raum mit einem CD-Spieler und einer großen Blutlache auf dem Boden. Mindestens 4,5 Liter Blut werden gefunden und anhand einer Laboranalyse findet man heraus, dass es sich um Blut einer 40-50-jährigen Frau handeln muss, die etwas zur Fettleibigkeit neigen soll. Der Staatsanwalt hetzt Zorn und Schröder auf den Fall. Die sollen sich doch daran die Zähne ausbeißen. Dafür streicht dann der Staatsanwalt Sauer die Lorbeeren ein. Oder springt Zorn über die Klinge? Den Anwalt Sauer möchte den Kommissar am liebsten eliminieren.

Interessante Charaktere

Vielleicht liegt es an dem ignoranten Hauptkommissar Zorn, dass mich der Krimi so mitgerissen hat. Oder ist es der schlaue, immer wieder überraschende Schröder? Was es auch immer ist, ich habe das Buch innerhalb von 3 Tagen ausgelesen. Auch die Opfer (sorry, es sind dann doch mehr als zwei), Mitarbeiter oder einfach nur Nachbar und Bürger sind irgendwie interessant beschrieben. Klug aufgebaut und unterhaltend geschrieben. Schön schräg und mit einer angenehmen Portion schwarzen Humor. Was mich ein bisschen abgeschreckt hatte, waren die Beschreibungen der Morde. Ich mag blutrünstig nicht. Kann man aber gerade so aushalten.
Der Thriller ist schon 2012 herausgekommen und inzwischen gibt es viele Nachfolgebände. Außerdem sind schon einige Bücher verfilmt worden.

Ich werde mir so nach und nach die Folgebände zu Gemüte führen, denn es macht wirklich Laune dem Kommissar zu folgen. Vielleicht löst sich sein Widerwillen auch irgendwann im Nichts auf. Wobei das natürlich dem Krimi einigen Schmiss nehmen würde.
Von uns bekommt das Buch 🐭🐭🐭🐭

 

Zorn, Tod und Regen

Band 1
Geschrieben von Stephan Ludwig
aus dem Fischer Taschenbuch Verlag
368 Seiten
ISBN 978-3-596-19305-9

 

Die Verlorene

In dem Roman Die Verlorene versucht die junge Laura herauszubekommen, warum ihre vor kurzem verstorbene Großmutter Änne niemals von ihrer Vergangenheit in Schlesien gesprochen hat. Was ist damals geschehen …

Die Verlorene

Änne, die Großmutter, ist zu Hause gestürzt und auf den Kopf gefallen. Sie liegt nun im Krankenhaus und ist nicht mehr ansprechbar. Die 93-Jährige mochte nie über ihre Flucht aus Schlesien sprechen und ihre Tochter Ellen war einfach noch zu klein, um sich überhaupt daran zu erinnern. Und so nimmt die alte Dame ihre Erinnerungen mit ins Grab. Ihre Enkelin Laura findet eine Kiste mit niemals abgeschickten Briefen und in der Küche ein Gemälde, das aus Polen ohne Absender der Großmutter Änne kurz vor ihrem Sturz zugestellt wurde. Laura möchte mehr wissen und macht sich auf die Suche nach Spuren aus der Vergangenheit. Sie reist nach Polen, in die alten schlesischen Gebiete, zu einem Ort, der auf keiner Landkarte verzeichnet ist.

Schlesien 1943: Änne lebt auf dem Dachboden den großen Gutshof in Schlesien. Sie darf den Dachboden nur bei Nacht verlassen, ihre Familie versorgt sie mit Nahrungsmitteln und allem anderen Wichtigen. Wenn sie auf die Toilette muss, dann darf sie den Nachttopf benutzen und nur selten ins Bad. Keiner darf wissen, dass das 17-jährige Mädchen dort oben versteckt ist, während ihre Zwillingsschwester Luise ein ganz normales Leben auf dem Gestüt führen kann. Aber warum musste das Kind sich dort oben verstecken? Sie neidet ihrer Schwester das freie Leben und muss mitansehen, wie sich Luise in den Kriegsgefangenen Karl verliebt.

Schlesien, Flucht und Familie

Die Verlorene liest sich sehr angenehm und man fühlt sich von der Geschichte mitgenommen. Ich habe immer wieder meine Schwierigkeiten mit Geschichten, die in den Zeiten hin- und herspringen. Aber Miriam Georg hat diesen Drahtseilakt wirklich gut gemeistert. Allerdings sind mir ihre Umschreibungen manchmal ein wenig zu lang, zu ausgeschmückt. Sie erzählt aber sehr flüssig und nimmt den Leser auf eine aufregende Erforschung der Vergangenheit mit. Warum Änne auf dem Dachboden leben muss, wird allerdings erst in der Mitte des Buches klar. Ebenso wie Laura erfährt man nur zögerlich, was damals geschah. Warum Änne mit ihrer Tochter Elena/Elli Schlesien am Ende verlassen hat und wer das Gemälde geschickt hat, das zum Tode Ännes führte, bleibt auch bis zum Schluss ein Geheimnis

Spannende 512 Seiten laden dazu ein, ein bisschen die Geschichte Schlesiens zu studieren. Ich gebe ja zu, dass dieser Landstrich mir immer wieder durch die Lappen gegangen ist. Dass dort Menschen vertrieben wurden, dass dort die einheimischen Polen ihre Sprache nicht mehr sprechen durften, ist mir komplett verloren gegangen. Aber das kann ich ja ändern, mich mehr mit der Geschichte Schlesiens vertraut machen. Die Verlorene ist eine Familiensaga, die mitnimmt, die sich manchmal spannend wie ein Krimi liest. Von uns bekommt dieser Roman gerne 🐭🐭🐭🐭 eine wunderbare und manchmal nachdenkliche Unterhaltung.

Die Autorin

Miriam Georg hat sie sich von ihrer eigenen Familiengeschichte und durch ihre Ausbildung zur Systemischen Therapeutin inspirieren lassen. Für „Die Verlorene“ hat sie hier ein bisschen ihre eigene Familiengeschichte verarbeitet. Ihr Großvater hatte vor Jahren seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg in zwei Romanen verarbeitet, die aber niemals veröffentlicht wurden. Und auch ihre Großmutter stammt aus dem Sudetenland und wurde selber vertrieben. Miriam Georg ist 1987 geboren. Sie schrieb die Hamburg-Dilogien „Elbleuchten“, „Das Tor zur Welt“ und „Im Nordwind“

Die Verlorene

Ein Roman von Miriam Georg
aus dem Fischer Verlag
ISBN: 978-3-7587-0030-9
512 Seiten

 

Das Dinner

Fünf alte „Freunde“ treffen sich zu einem Krimi-Dinner. Wie das funktioniert? Man bekommt eine Figur zugewiesen, dazu ein Handbuch, in dem steht, was die Figur getan und gesagt hat. Die anderen haben keine Ahnung, was in den verschiedenen Rollenbüchern steht und versuchen durch geschicktes Fragen und Agieren herauszubekommen, wer der Täter war. Ganz nebenbei bekommt man ein tolles Essen serviert.

Das Dinner

Da treffen sich fünf alte Freunde in einem stylischen und weit abgelegenen Restaurant. Sie waren einmal zu Sechst, aber die sechste Freundin fehlt! Maria ist seit fünf Jahren verschwunden oder vielleicht sogar tot. Seit dem Verschwinden von Maria hatten die Freunde immer weniger Kontakt gehabt. Was ist damals geschehen? Warum sind sie so auseinander gegangen? Und wo ist Maria?

Jonathan und Lotta sind seit damals ein Paar. Er betreibt ein teures Restaurant und die Beiden leben gleich nebenan, in einem kleinen Haus. Nichts Dolles, wie Jonathans Schwester Hanna festgestellt hat. Hanna ist Künstlerin und lebt in London. Sie ist wegen des Treffens extra angereist. Aber auch Tristan ist mit seiner Gefährtin angereist. Diese bleibt aber im Hotel, solange die Freunde sich zum Dinner treffen. Tristan ist es ganz recht, denn so kann er schamlos mit allen Frauen flirten, die seinen Weg kreuzen. Auf eine der Frauen ist er ganz besonders scharf, seine Ex, Jonathans Schwester Hanna.
Und dann ist da Kiano. Der zurückhaltende und stille Kiano. Eigentlich wollte er gar nicht erst zu dem Treffen kommen und schon gar nicht dieses Spiel spielen. Früher haben sie öfter ein Krimi-Dinner gemacht, aber er hat einen guten Grund, die alten Freunde nicht wieder treffen zu wollen. Und dann, dann wird es plötzlich seltsam. Das Spiel erinnert an damals, als noch alle Freunde zusammen auf dem Festival, auf dem Zeltplatz waren. An damals, als Maria plötzlich verschwand.

Das Krimidinner

Kaum sitzen die Freunde zusammen, wird klar, dass sich einige spinnefeind sind. Ein Platz am Tisch bleibt frei, der ist für die verschwundene Maria reserviert. Und dann werden die Rollen verteilt, an jedem Platz liegt ein Buch und die Vorspeise wird gereicht. Wieso sind die zugeteilten Figuren den echten Personen so ähnlich und was ist wohl damals passiert? Immer wieder kommt es zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen den Freunden und immer mehr wird klar, dass das Spiel viel zu sehr mit der Wirklichkeit zusammenhängt.

Der Anfang war wirklich schon recht spannend geschrieben und man hat sehr wohl gemerkt, dass die Spieler längst keine Freunde mehr waren. Sympathie empfand ich für keine Figur, was ich jetzt nicht unbedingt schlimm finde. Der Krimi spielt in der Gegenwart und Vergangenheit und der Leser wird immer mehr zum Zeugen. Über den Kapiteln steht immer genau, in welcher Zeit und in wessen Leben man sich gerade befindet. Und doch kommt man irgendwann an einen Punkt, an dem man sich in einem Chaos befindet. Informationen auf den Leser einprasseln, einiges immer wieder wiederholt wird. Aus den verschiedenen Blickwinkeln und Empfindungen verwandelt sich dieser Thriller in ein Durcheinander. Die Empfehlung für diesen Thriller: Lege das Buch nicht weg, sondern lese es am besten in einem Zug, denn morgen könntest du schon vergessen haben, was du gestern gelesen hast.

Das Ende überrascht dann doch sehr. Denn damit hat keiner gerechnet. Im Grunde ist es wirklich perfekt aufgebaut, auch wenn das Buch an einigen Stellen ziemliche Längen aufweist. (Ich habe den Fehler gemacht und habe den Roman eine halbe Woche beiseite gelegt). Ein Manko hat es für mich allerdings noch gehabt, es geht viel um Sex. Angedeutet habe ich keine Probleme damit, aber haarklein erzählt gehen mir solche Szenen vermehrt auf die Nerven. Tristan ist ein sexsüchtiger Mensch und auch bei den Anderen steht dieses Thema hoch im Kurs.

Ich habe eine Weile überlegen müssen, um die richtige Anzahl Mäuse zu vergeben. Die Längen und Sexszene haben eine Maus geklaut, obwohl der Rest doch sehr unterhaltsam und spannend war. Auch der Aufbau hat mir gut gefallen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das ein guter deutscher Krimi fürs Fernsehen wäre. Somit bekommt das Buch von uns 🐭🐭🐭 Übrigens, das Cover ist toll!

 

Das Dinner

ein Thriller von Emily Rudolf
aus dem FISCHER Scherz Verlag:
464 Seiten
ISBN: 978-3-651-02515-8

The wilderness of Girls

„The wilderness of Girls“ ein Roman, der mich begeistert hat. Bevor man diesen Jugendroman liest, sollte man sich darüber bewusst sein, dass es hier um Missbrauch (psychisch wie physisch) und um Kannibalismus geht. Wie gut, dass die Autorin/der Verlag schon gleich zu Anfang darauf hinweisen.

The wilderness of Girls

Eden wächst in einem reichen Haushalt, mit einer unzufriedenen Stiefmutter auf, die das Mädchen ununterbrochen gängelt. Eden darf nur gesundes Essen zu sich nehmen, muss Sport treiben und darf keinesfalls zunehmen. Die Familie sitzt eines Abends beim Essen, als die Polizei kommt und Edens Vater festnimmt. Unterschlagung, Drogen, was auch immer.  Das ist der Punkt, an dem die Stiefmutter ihre Koffer packt und Eden in ein Heim überführt werden soll. Zum Glück gibt es da noch den Bruder ihrer verstorbenen Mutter, Jimmy. Der kommt sie holen und zeigt dem Mädchen eine völlig andere Welt.

Eden beschließt, ihren Namen zu ändern. Die Sechszehnjährige möchte Rhi gerufen werden. Sie möchte nicht mehr mit ihrem alten Leben verbunden sein. Onkel Jimmy lässt der dem Mädchen viel mehr Freiraum, als sie es von ihrem Zuhause gewohnt war. Sie darf essen, was sie will und machen, wonach ihr der Sinn steht. Als sie eines Tages eine Tour durch die Wälder macht, trifft sie auf vier Mädchen in ihrem Alter. Auf den ersten Blick scheint es sich um verwahrloste Mädchen zu handeln. Die jüngste steckt mit ihrem Bein in einer Bärenfalle und es sieht nicht gut aus für das Kind. Rhi würde gerne helfen, wären da nicht die beiden Wölfe an der Seite der Mädchen! Rhi staunt aber nicht schlecht, als die Wölfe auf sie zukommen und sie als Rudelmitglied akzeptieren. So kann sie dem verletzen Mädchen doch noch helfen.

Wild und weggesperrt

Die Mädchen sollen resozialisiert werden und kommen in eine psychiatrische Klinik. Sie sind wild, verteidigen sich. Wo kommen die Kinder her, sind sie entführt worden und wie haben sie da draußen in den Wäldern überleben können? Rhi und die Psychiaterin scheinen den einzigen Zugang zu den verwilderten Mädchen zu finden und so nach und nach können sie in Pflegefamilien untergebracht werden. Aber ihre Geschichte bleibt ein Geheimnis, dass die Mädchen selber kaum erklären können.

Im Laufe des Buches stellte sich mir immer mehr die Frage, ob Rhi den fast gleich alten jungen Frauen wirklich einen Gefallen getan hat, sie aus ihrer gewohnten Umgebung zu holen. Denn die Mädchen sind in der Wildnis groß geworden. Mit einem alten Mann, der sich als ein Magier ausgegeben hat. Die Kinder glauben an die Magie, die sie von dem Mann, den sie Mutter nennen, lernen. Die wilden Mädchen haben sich immer selber durchgeschlagen. Aber nun werden sie von der Gesellschaft, den Medien in Schemen gedrückt, die sie so nie gekannt haben. Sie werden wie wilde und nicht sozialisierte Tiere behandelt. The wilderness of Girls fügen sich aber gut ein, nur manchmal bricht es aus ihnen heraus.

Vielleicht ging das alles ein bisschen zu schnell, aber die Geschichte muss ja auch vorwärtsgehen. Schnell wird klar, dass Mädchen häufig nicht das machen dürfen, was sie in ihrem Herzen für richtig halten. Mädchen haben sich an Regeln zu halten: sie haben hübsch, brav, am besten unterwürfig und fleißig zu sein. Wer gegen den Strom schwimmt, der ist wild und unbezähmbar. Frauen werden in Bahnen gedrückt, die ihre natürliche weibliche Wildheit maßregelt …
Die Warnung auf den ersten Seiten fand ich persönlich ein bisschen überzogen, denn ich habe schon weitaus schrecklichere Texte gelesen. Aber da, das ein Jugendbuch ist, ist das wohl angemessen. Außerdem kommt die versprochene Magie ein bisschen zu kurz. Das macht aber nichts.

Rubi und ich haben dieses Buch sehr gerne gelesen. Wir waren so gebannt, dass wir es verschlungen haben. 🐭🐭🐭🐭 bekommt das Jugendbuch von uns.

Die Autorin und die Übersetzerin

Madeline Claire Franklin hat nicht nur das Schreiben studiert. Sie ist, wenn sie nicht gerade magische Bücher schreibt, dabei das Patriachat abzuschaffen oder versucht sich in Hexerei. Sie ist eine queere, jüdische, neurodiverse, unsichtbar behinderte Frau, die in Buffalo, NY, mit ihrem Partner, zwei Hunden, drei Katzen und zwei Roombas in einem kleinen gelben Haus namens Cluckleberry Farms lebt.
Maren Illinger, ihat das Buch aus dem Amerikanischen übersetzt. Schon seit 15 Jahren übersetzt sie Bücher für Kinder und Jugendbücher aus dem englischen und französischen.

 

The wilderness of Girls

geschrieben von Madeline Claire Franklin
aus dem Fischer Sauerländer Verlag
Übersetzt von Maren Illinger
Für junge Menschen ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7373-7310-4
464 Seiten

Emily Wildes Atlas der Anderswelten

Ich habe den zweiten Band, Emily Wildes Atlas der Anderswelten, schnell gelesen. Emily ist dieses Mal mit Wendell Bambleby in Österreich unterwegs. In einem Dorf hoch oben in den Bergen. Dort muss es eine Tür in das Feenreich geben, aus dem Wendell von seiner bösen Stiefmutter (Klischee?) vertrieben wurde. Er hatte Glück, dass er damals nicht von ihr getötet wurde. Nun hat die Stiefmutter aber endgültig genug von ihrem Stiefsohn und hat ihm Mörder auf den Hals gehetzt. Natürlich sind es Meuchelmörder aus der Welt der Feen und ganz anders, als die Menschen es erwarten würden.

Emily Wildes Atlas der Anderswelten

Emily und Wendell haben sich vertragen. Nachdem Wendell Emily auch noch einen Antrag gemacht hat, muss die kleine Person oft darüber nachdenken, ob es eine gute Idee ist, einen Feenherrscher zu ehelichen. Zumal eine Fee natürlich wesentlich langsamer altert als ein Mensch. Doch die Grübeleien werden durch den Mordanschlag auf Wendell erst einmal hinten angestellt, denn nun gilt es, die Tür zu dem Reich Wendells zu finden. In den Bergen Österreichs soll es eine Menge Zugänge geben. Dort oben ist sind unter anderem vor vielen Jahren zwei Wissenschaftler verschwunden, die immer wieder in dem Dorf St.Liesl auftauchen und die Menschen dort verunsichern. Wenn die Sonne untergegangen ist, traut sich dort ohnehin niemand mehr vor die Tür.

Aber es ist nicht nur Wendell, der Emily in die Berge zieht. Sie schreibt gerade an ihrem neuen Buch, Atlas der Anderswelten. Da begibt es sich doch prima, mit einer kleinen Eskorte nach Österreich zu reisen. Ihr erstes Buch, Enzyklopädie der Feen, hat solche Wellen in der wissenschaftlichen Welt geschlagen, dass sie jetzt eine unkündbare Stelle in Cambridge eingenommen hat.
Nicht weit von dem Dorf gibt es eine Menge interessanter Stellen, die die Wissenschaftlerin anziehen. Wie auch schon im ersten Buch sind es seltsame Feenwesen, die sowohl gefährlich als auch magisch sind. Die bezaubern und auch gruseln lassen. Emily hat einfach ein Händchen dafür, solche Wesen anzuziehen. Außerdem taucht eine Fee aus dem ersten Band auf, der liebenswerte Poe.

Lesesucht

Auch der zweite Band konnte mich überzeugen! Ich habe das Buch verschlungen. Die beiden Hauptfiguren sind so sympathisch beschrieben und sie haben Begleitfiguren erhalten, die das ganze noch auflockern. Der skeptische Wissenschaftler und Dekan Dr. Farris Rose und Emilys Nichte Ariadne sorgen dafür, dass es immer noch ein bisschen mehr Spannung gibt. Wieder ist der Roman im Tagebuchstil geschrieben. Das wirkt jetzt etwas trocken, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil, das macht den Roman noch um einiges interessanter. Wie auch schon bei Emily Wildes Enzyklopädie der Feen, findet man in diesem Buch Fußnoten.

Wir fanden das Buch wirklich unterhaltend. Wer Fantasie mag, wird hier bestimmt fündig werden. Die Liebesgeschichte steht überhaupt nicht im Vordergrund, auch wenn die beiden Hauptfiguren immer wieder über dieses Thema witzeln.
Ichhabe auf der Seite der Autorin Heather Fawcett gesehen, dass sie längst einen dritten Band geschrieben hat. Der ist sicherlich noch nicht übersetzt … Emily Wildes Atlas der Anderswelten bekommt von Rubi und mir wieder 🐭🐭🐭🐭🐭

Eva Kemper hat diesen Roman übersetzt. Sie hat schon den Vorgänger aus dem englischen übertragen. Außerdem hat sie das Buch Die Leuchtturmwärter übersetzt.

 

 

Emily Wildes Atlas der Anderswelten

geschrieben von Heather Fawcett
Übersetzt von Eva Kemper
FISCHER Tor Verlag
448 Seiten
ISBN: 978-3-596-71004-1