Die weiße Nacht

Die weiße Nacht ist der neuste Roman, einer neuen Serie von Anne Stern. Ihre Hörbücher über die Hebamme Fräulein Gold habe ich förmlich verschlungen und habe mich darauf gefreut jetzt eine neue Serie beginnen zu können.

Die weiße Nacht

Es ist kalt in Berlin im Winter 1946. Die Menschen wissen nicht, wie sie ihre Wohnungen warm bekommen sollen, noch wie sie die Mäuler ihrer Familien stopfen. Man verschachert auf dem Schwarzmarkt was nur geht. Auch wenn es verboten ist und strafrechtlich von der Polizei verfolgt werden kann. Polizisten, von denen man nicht weiß, was sie vor dem Kriegsende gemacht haben. Waren die nicht schon vorher bei der den Braunen? Wer Polizist werden möchte, der muss nur versichern können, dass er nicht bei der NSDAP dabei gewesen ist.

Lou Faber, eine junge Frau, schlägt sich mit Fotografieren durch die kalte Zeit. Sie hat fotografieren gelernt, hat ein Auge für die Motive und für ihre Bilder. Als sie unterwegs ist und die für sie wunderschönen Ruinen fotografiert, sieht sie in einem Innenhof eine Frauenleiche im Schnee liegen. Sie verständigt die Polizei und kann es nicht lassen noch ein paar Bilder von der Frauenleiche zu machen. Kommissar Alfred König kommt mit seinen Leuten, um die Fundstelle zu sichern, die natürlich schon von Schaulustigen umringt ist. Wer ist die Leiche und warum wurde sie dort neben der Teppichklopfstange drapiert, als würde sie beten? Der Hauseigene Fotograf macht Bilder und die Suche nach dem Mörder kann beginnen

Lou ist neugierig und versucht den Kommissar zu unterstützen. Sie mischt sich ein und bringt ihn schon ein bisschen durcheinander. Aber sie ist auch Hilfreich und als die nächste Leiche auftaucht, scheint es wohl eine Mordserie zu sein …

Gut gelesen!

Das Buch wird von Julia Nachtmann gelesen. Und sie liest wirklich gut. Ich mag ihre Stimme und sie hat ein Händchen für den Text von Anne Stern. Sie betont besonders gut und was ich vielen Sprechern immer ankreide sind die tiefen Atemzüge, die man zwischen den Sätzen hört. Ich höre Hörbücher meistens über Kopfhörer und bin damit dem Vorleser sehr „nahe“ Julia Nachtmann las so gut, das ich die Kopfhörer so gut wie gar nicht von den Ohren nehmen wollte. Die elf Stunden Hörbuchdauer waren schon fast viel zu kurz!

Das Buch selber hat mich natürlich auch gefesselt. Es sind mehrere Geschichten die parallel zueinander laufen, die aber doch irgendwann zu einer verschmelzen. Anne Stern hat sowieso eine tolle Art diese alten Zeiten in ihren Büchern wieder aufleben zu lassen und den Leser mitzuziehen. Ihre Figuren scheinen mir immer authentisch und besonders hat es mir mal wieder ihre weibliche Hauptrolle Lou angetan. Sie hat eine Vergangenheit, die ebenfalls irgendwann einmal an das Licht gezerrt wird. Aber auch der Kommissar ist sympathisch, auch wenn er anfangs etwas distanziert wirkt. Er hat ebenfalls während des Krieges Erfahrungen gemacht, die erst nach und nach deutlich werden.

Berliner Straßen und Orte

Noch einen Punkt, den ich an den Büchern der Autorin immer wieder bewundere, dass man einen Blick für das alte Berlin bekommt. Die Situationen in denen die Berlinerinnen dieser Zeit gesteckt haben. Was sie erlebt haben. Wie sie sich durch Leben schlagen. Wie sie dort leben und unter welchen Umständen. Dabei langweilt die Anne Stern den Leser nicht, sondern malt spannende Aussichten in die Vergangenheit. Ich habe beim Hören ganz schön gefroren und hatte den Dunst der Berliner Kneipe in der Nase. Außerdem weiß Anne Stern immer wo sich ihre Figuren bewegen. Sie macht selber viele Spaziergänge durch Berlin und scheint sich dort auch ihre Inspirationen zu holen.
Ich hoffe ich muss nicht allzu lange auf den nächsten Band warten. So lange kann ich aber noch ein bisschen aus den anderen Büchern von Anne Stern lesen und hören. Von uns bekommt „Die weiße Nacht“ 🐭🐭🐭🐭

 

 

Die weiße Nacht

Roman von Anne Stern
Gelesen von Julia Nachtmann
Laufzeit: 687 Minuten
ISBN: 978-3-8449-4508-9
Ungekürzte Ausgabe
Osterwoldaudio Verlag
Hörbuch Hamburg

Das Ende vom Lied

Das Ende vom Lied, ein Roman von Michael Wildenhaim erzählt von einem 13-jährigen Jungen und dessen Leben in Berlin der 1968er Jahre. Die Stadt ist geteilt, die Menschen sind noch nicht ganz über den Krieg hinweg und werden es wohl auch noch eine Weile nicht sein. Kriegsbeschädigte in Körper uns Seele sind nicht zu übersehen. Wildenhaim lässt seinen Jungen eine Geschichte erzählen, die einem eiskalt den Rücken runter kullert.

Das Ende vom Lied

Michael Wildenhaim hat einen wunderbaren und tiefgründigen Roman geschrieben, der ein besonderes Bild von einer Stadt und seinen Menschen zeichnet. Sein Ich-Erzähler ist ein schlauer Kopf, will aufs Gymnasium gehen. Er zieht mit seiner Familie aus Charlottenburg nach Schöneberg, muss sich dort erst wieder einleben, sich mit den Straßenjungen der Gegend auseinandersetzen und seinen Platz dort finden. Er hat Eltern, die mit Traumata aus dem letzten Krieg zu kämpfen haben, die aber versuchen ihren Kindern eine heile Welt vorzuleben. Dazu kommt das Erwachsenwerden und die erste Liebe zu einem Mädchen das allerdings mit dem stärksten Boxer der Gegend zusammen zu sein scheint.

Wieder einmal bin ich an einen Roman geraten, der sich am Anfang schwer anging. Aber wenn man das Muster des Romans verstanden hat und die Sätze nicht verschlingen mag, dann eröffnet sich eine spannende und vielschichtige Welt der Schreiberei. Der Autor liebt Bandwurmsätze mit vielen Kommata und Bindestrichen und manchmal „verrutscht“ der Leser in der Zeit und muss sich neu orientieren. Wenn man dann aber zwischen den Seiten angekommen ist, kann es passieren, dass man die 416 Seiten verschlingt. Es ist eher ein Roman, der sich an die älteren Leser wendet, oder solchen, die sich mit der Zeit der Revolution in Berlin der 60/70 Jahre auszukennen wissen. Manchmal verheddern sich die Erzählstränge und man versteht im ersten Augenblick nicht was man da gelesen haben mag. Manchmal habe ich über diese verwirrenden Sätze einfach hinweggelesen und fand einige Seiten später die Erklärungen.

Keine leichte Lesekost

Das Buch ist keine leichte Kost. Schwierig zu lesen und doch unterhaltsam. Vor allem, da ich in diesem Teil von Berlin aufgewachsen bin und ziemlich viele Schnittpunkte fand. Der Erzähler steckt zwischen den Fronten, wird gerade Erwachsen und findet heraus, wer er wirklich ist. Dazwischen die Protestaktionen der Studenten und die Machtkämpfe der Jungen von der Straße, die sich auch ein ums andere Mal bemüßigt finden, sich an den Protesten zu beteiligen. Die Aufklärung der eigenen Geschichte des Erzählers, die mit Betrug und Kriegstraumata einhergehen macht den Roman nicht leichter, da der Autor seine Sätze immer wieder gerne in verwirrende Stellungen bringt.

„Alle leiden darunter.“ – „Die Mauer tut einem nix. Die ist nur da.“ „Es werden Leute erschossen.“ „Nur welche aus dem Osten.“ Erschrockenes hüsteln, ungläubiger Blick … Das meint der Junge nicht ernst. „Was redest du da?“ „In Schöneberg gibt’s keine Mauer. In Charlottenburg auch nicht.“ „Darüber macht man keine Witze!“ 
Seite 167

Mir hat der Roman aber doch sehr gefallen. Vielleicht gerade, weil ich dort groß geworden bin und die Nähe zu dem Protagonisten sozusagen gespürt habe. Mir war die Mauer und die Fragen darum von der westdeutschen Verwandtschaft immer lästig, genau wie dem Erzähler des Romans.
Rubi fand den Roman dagegen schwer zu lesen und fand nicht immer die Zusammenhänge. Sie ist jünger und weiß nicht, wie es sich zwischen den Mauern Berlins angefühlt haben mag. Trotzdem geben wir dem Roman gerne 🐭🐭🐭🐭

Der Autor ist Westberliner. 1958 in Charlottenburg geboren, gehörte er in den 1980er Jahren für einige Zeit einer jungen Hausbesetzergruppe an. Seit 1987 schreibt Michael Wildenhain und hat schon einige Bücher, Romane, Theaterstücke, Lyrik, Prosa, Jugendliteratur und Sachbücher herausgebracht. Ich muss gestehen, das war mein erstes Buch von ihm, sollte aber nicht das Letzte gewesen sein.

Das Ende vom Lied

geschrieben von Michael Wildenhaim
416 Seiten
aus dem Klett-Cotta Verlag
ISBN:9783608989212

Menschen am Kaiserdamm

Der Kaiserdamm in Berlin, du suchst ihn in den Reiseführern Berlins vergeblich. Dabei ist er fast einzigartig, auf der Welt, der breite Damm und doch wird er fast nicht erwähnt, wenn man Berlin besucht.

Menschen am Kaiserdamm

Er ist eindrucksvoll, der Kaiserdamm. 1680 Meter ist er lang und war vor 1904 nur ein Weg aus Sand. Kaiser Wilhelm II. wollte eine Prachtstraße haben, also wurde ein breiter Damm geplant und planiert. Und schon 1906 wurde die „Prachtstraße“ für den Verkehr freigegeben. Als Verlängerung der Bismarkstraße ist der Damm heute, mit 50 Meter Breite, eine der meist befahrenen Straßen in Berlin. Oliver Ohmann , der Autor des Buches „Menschen am Kaiserdamm“, ist an dieser Straße aufgewachsen. Er hat in einer großen „Prachtwohnung“ gewohnt. Eine Wohnung, wie sie fast überall an dem Kaiserdamm zu finden waren. Riesig groß, mit vielen Zimmern und zwei Eingängen, üppigen Treppenhäusern, Fahrstühlen und Portierslogen. Pompös eben und doch wollte die High Society Berlins lieber nicht an dieser großen Straße wohnen. Der Grunewald oder andere Randbezirke waren ihnen lieber.

Oliver Ohmann ist der Autor dieses Buches. Er liebt den Kaiserdamm, das merkt man. Er hat sich mit den verschiedensten Anwohnern getroffen und unterhalten. Dabei hat er allerlei interessante Orte beschrieben, an denen ich auch schon vorbeigekommen bin. Spannende Menschen haben hier gelebt und die Geschichten der Häuser sind auch interessant. Doch denke ich, wer diese Straße nicht kennt, wer die Orte nie gesehen hat, wird keinen Bezug zu dem Geschriebenen finden. Für mich als Berlinerin wecken sie Erinnerungen und ich konnte nur staunen, was sich hinter so mancher Fassade wohl einst abgespielt haben mag.

Vielleicht nur was für den Berliner?

Der Text hat sich gut gelesen und wie gesagt, ich habe einiges dazu gelernt und musste die entsprechenden Häuser auch unbedingt noch einmal in echt besuchen gehen. Ich stand vor dem Haus, in dem es einst ein Kino gab und versuchte zu rekonstruieren, wie es ausgesehen haben mag, als die Menschen nach dem Film herausströmten. Gestaunt habe ich über die Geschichte des Hauses, an dem ich schon oft vorbeigefahren bin und nicht wusste, dass es fast noch im Original erhalten ist und der Eigentümer alles daran setzt, es so zu belassen.

Ich kann das Buch jedem Berliner nur empfehlen. Wer Stadtfern aufgewachsen ist oder lebt, kann mit dem Buch vermutlich kaum etwas anfangen, es sei denn, er interessiert sich für die Menschen, die dort gelebt haben oder ist in unsere Stadt vernarrt. Immerhin waren dort viele Prominente ansässig. Viele Menschen haben dort ihr Leben gelebt und auch sehr viele sind dort einfach verschwunden, abgeholt oder vertrieben worden. Die vielen Stolpersteine vor den Häusern sprechen Bände. Der Journalist und Autor Oliver Ohmann hat sich mit vielen Menschen unterhalten. Judy Winter und Ulli Zelle haben gerne mit dem Autor gesprochen und aus dem Nähkästchen geplaudert. Ohmann schien am Ende seiner Recherchen mit dem Team der historischen Charlottenburger Magistratsbibliothek auf „Du“ zu sein.

Schwer zu sagen, wie viele Mäuse das Buch verdient hat. Ich fand es unterhaltsam und interessant. 🐭🐭🐭 ist für ein Sachbuch nicht so schlecht, finde ich. Rubi hätte gerne noch eine Maus dazugegeben. Aber halbe Mäuse haben wir nicht.

 

 

Menschen am Kaiserdamm

geschrieben von Oliver Ohmann
aus dem BeBra Verlag
272 Seiten, mit 48 Abbildungen
ISBN 9783814802817

Felix Blom, Der Häftling aus Moabit

1878 ist Berlin eine aufstrebende Stadt, in der das Verbrechen nie schläft. Wer es zu etwas bringen möchte, hat Geld oder nimmt es sich von den Anderen. Felix Blom ist ein Krimineller, ein gewitzter Taschendieb, Schlösserknacker und Trickbetrüger. Doch nie hat er die Armen bestohlen. Immer waren es die, die so viel hatten, dass die es nicht mal bemerkt hatten, dass etwas fehlt. Es ging ihm gut, dem Felix. Bis vor drei Jahren konnte er einen ausschweifenden Lebensstil genießen. Gute Kleidung, eine teure Wohnung unter den Linden und Austern mit Champagner waren an der Tagesordnung. Doch dann hatte ihn jemand verpfiffen. Da wollte einer, dass er von der Bildfläche verschwindet. Somit wurde er in Moabit, einem der modernsten Gefängnisse seiner Zeit, untergebracht.

Felix Blom

Unschuldig, wie er behauptet, saß Felix Blom drei Jahre in Einzelhaft. Drei lange Jahre, ohne dass er für das Verbrechen, dass man ihm zur Last gelegt hatte, verantwortlich war. Aber jetzt ist er wieder auf freien Füßen und hat nur 3 Tage Zeit, um sich ehrlich zu machen, sonst fährt er wieder ein. Doch wie soll er so schnell an eine Wohnung kommen und wie sollte er eine ehrliche Arbeit finden, wenn in ganz Berlin keine Jobs zur Verfügung stehen? Und was soll das mit der kleinen Karte, die er in seiner Tasche findet? Eine Karte mit der Mitteilung, dass er in wenigen Tagen tot sein würde. Aber bevor er sich mit dieser Karte beschäftigen wird, braucht er eine Unterkunft. Er weiß schon, wen er fragen muss …

Zu einem anderen Zeitpunkt wird ein neunzehnjähriger Dresdner mit einem Kopfschuss tot aufgefunden. Man fand ihn ganz in der Nähe zu Berlin und Charlottenburg. Auch bei ihm steckte in der Innentasche seines Sakkos ein Kärtchen, dass in wenigen Tagen sein Leben ein Ende finden wird. Während sich der junge Dresdner die Waffe selber an den Kopf hielt und abdrückte, wurde er von drei Ganoven beobachtet. Doch das wollten die Ganoven der Polizei lieber nicht erzählen und verdrückten sich wieder in die Dunkelheit. Wie sollten sie ihre Anwesenheit erklären? Das Kärtchen aber machten den Kommissar neugierig.

Der Schnüffler

Ich liebe Bücher über das alte Berlin. Immer wieder greife ich zu solchen Krimis, die die alten Zeiten aufleben lassen. Ich finde es spannend, einen Einblick in die damaligen Ermittlungen zu bekommen. Fingerabdrücke, Fotoapparate und Hightech gab es ja noch nicht. Man musste sich auf seinen Spürsinn verlassen. Außerdem finde ich es immer wieder genial, die Schauplätze zu kennen, an denen die Verbrechen geschehen. So entsteht in meiner Fantasie ein altes Berlin und wird so zu einer Geschichte zum Anfassen. Die Autorin Alex Beer hat schon einige gute Krimis aus der Vergangenheit geschrieben. Und das merkt man ihrem Buch deutlich an. Es stimmt alles überein und der Roman liest sich unglaublich flüssig und unterhaltend. Felix Blom ist mir eine sympathische Figur und ebenso seine spätere Chefin, er braucht ja einen Job. Die Frau ist tough. Vielleicht etwas zu tough für ihre Zeit, aber das macht es interessant. Am Ende war ich sehr erstaunt über den Ausgang, denn damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Wenn du wissen willst, was es mit den Todeskärtchen auf sich hat, dann ließ es selber …

Mir haben die Seiten unglaublich gut gefallen. Somit vergeben Rubi und ich gerne 🐭🐭🐭🐭🐭 Das alte berlin ist einfach unschlagbar und spannend

 

Felix Blom

Der Häftling aus Moabit
ein Roman von Alex Beer
ISBN:9783809027591
368 Seiten
Limes Verlag

Marlow, der 7. Rath – Fall

Marlow ist eine kleine Stadt in Vorpommern. Von dort stammt ein Mann, der in der großen flirrenden Stadt Berlin sich einen Namen gemacht hat. Allerdings bleibt er möglichst im Hintergrund. Denn er hat viel in der Unterwelt zu sagen. Johann Marlow ist ein stiller Mensch. Aber das er Dreck am stecken hat, steht vollkommen außer Frage. Nur, kann es ihm niemand nachweisen. Er ist die Unterweltgröße, der man möglichst nur freundlich begegnet.

Marlow

Dieser Marlow eben, hat Gereon Rath in den letzten sechs Fällen immer wieder entweder geholfen oder ihm Stolpersteine in den Weg gelegt. In seinem siebten Fall ist es erst nicht klar, dass Marlow die Finger im Spiel hat: Es ist 1935. Die Gestapo macht sich immer mehr in Deutschland breit und einen unangenehmen Namen. Auch Gereon bleibt nicht davon verschont mit den Anhängern der neuen Regierung zusammen zu treffen. Er selber ist kein Freund der neuen Richtung und zuckt nur immer sehr verhalten mit dem Arm in die Luft, nuschelt den neuen deutschen Gruß. Gereon ist inzwischen zu einem Oberkommissar aufgestiegen und Charly seine Frau arbeitet als Anwaltsgehilfin und nebenbei als Detektivin. Als Frau bleibt ihr in dem neuen Deutschland die Arbeit als Anwältin verwehrt. Der Einzige, der seine wahre Freude hat, ist Fritz der Ziehsohn der Rath’s. Fritze zieht mit dem Jungvolk zu Fuß nach Nürnberg zum Parteitag.

Gereon bekommt kurzfristig einen Verkehrsunfall aufs Auge gedrückt. Da ist ein Taxifahrer in der Yorkstraße in die Brücken gefahren. Dabei ist der Fahrer und sein Fahrgast ums Leben gekommen. Eigentlich gar nicht Rath’s Aufgabe einen Verkehrsunfall zu bearbeiten. Doch es stellt sich heraus, dass da noch mehr dran hängt. Der Insasse hatte einen Briefumschlag dabei in dem sich prekäre Papiere befanden. Außerdem schien der Fahrgast ein Doppelleben zu führen. Gereon gerät mal wieder in eine Ermittlung die spannend ist, er auf alte Bekannte trifft und natürlich wieder einmal Marlow.

Krimis wie diese

Die Bücher über den Kommissar machen mir immer wieder Spaß zu lesen. Inzwischen wurden schon die ersten Bände als Babylon Berlin verfilmt. Doch finde ich, dass die Filme nichts mit den eigentlichen Krimis zu tun haben. Sie sind angelehnt und ich war eher enttäuscht als begeistert. Dieser siebte Fall entschädigt mich. Schnell und unterhaltsam, habe ich das Buch inhaliert. Was mir auch gefallen hat, ist dass man einen Einblick in diese verquere Zeit bekommen hat. Die Familiengeschichte der Raths macht es nebenbei auch noch zu einer Geschichtsstunde, einer Milieustudie. Am Ende wird natürlich nicht alles gut. Denn es muss ja weiter gehen. Der Verkehrsunfall ist dann doch ein Mord und Marlow, … Ja was wird aus dem?

Rubi meint der Roman hat 🐭🐭🐭🐭 verdient.

Diesen Roman habe ich schon ziemlich lange auf meinem Reader. In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, wenigstens 12 Bücher von meinem Reader im Rahmen der Jahresprojekte von der Zitronenfalterin zu lesen. Das nächste Buch von Volker Kutscher Olympia werde ich demnächst auch noch lesen.

 

 

Marlow

Ein Kriminalroman von Volker Kutscher
der 7. Gereon Rath Fall (1935)
aus dem Piper Verlag
528 Seiten
EAN 978-3-492-05594-9