Die Geschichte der Bienen {Rezension}

Wenn die Bienen verschwinden

Seitdem der Mensch bemerkt hatte, wie köstlich Honig schmeckt und welchen Nutzen er aus dem Bienenwachs ziehen kann, wurden Bienen genutzt. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Haltung der Bienen moderner. Vorher wurden die Waben und die Bienenvölker zerstört. Heute hält man die Bienenvölker in sogenannten Magazinen, versucht damit die Stämme möglichst schonungsvoll zu behandeln. Maja Lunde hat sich die Bienen vorgenommen und ein tolles mitreißendes Buch geschrieben. Ich war schon bei „Die Geschichte des Wassers“ von ihrer Schreibweise überzeugt, aber dieses Buch gefällt mir noch viel mehr.

Die Geschichte der Bienen

Ein Roman von Maja Lunde

Wieder besteht der Roman aus verschiedenen Handlungssträngen, die sich irgendwann überkreuzen. Nein, die Personen werden sich nie gegenseitig kennenlernen, dazu liegen ihre Zeiten viel zu weit auseinander. Aber ihr Tun gehört zusammen.

So schreibt Maja Lunde in der Ichform von William (1852), einem Biologen und Samenhändler in England, der sich mit dem Leben der Bienen beschäftigt. Eine weitere Geschichte, aus der Sicht von Georg (2007), der davon träumt seine Imkerei und den Hof an seinen Sohn weiterzugeben und von Tao (2098), die auf Bäume klettern muss um die Blüten der Bäume zu bestäuben, weil Bienen außerordentlich selten geworden sind.

Maja Lunde schreibt spannend, lässt einen nicht los und bringt den Blick auf die kleinen Insekten, die für den Menschen einen besonderen Wert haben. Nicht nur die Honigbiene ist wichtig, es sind auch noch zahllose andere Hautflügler die dafür zuständig sind, dass unsere Nahrung an Bäumen, Sträuchern und auf Feldern wächst. Doch wie gehen wir mit unserer Umwelt um. Verteilen reichlich Pestizide auf den Feldern, die alles vernichtet, was krabbelt oder fliegt. Wir legen Monokulturen an, damit das Ernten einfacher wird und wundern uns am Ende, wo die Vielfalt geblieben ist. Tao lebt in einer Welt die Angst macht. William hat noch alle Möglichkeiten. Und Georg? Er verkörpert das, was wir heute auf den Feldern sehen.

Mich hat dieses Buch überzeugt. Maja Lunde kann einfach eingängig schreiben. Ihre Zukunftsvisionen sind nicht an den Haaren herbeigezogen. Wir sollten umdenken und vollumfänglich an das Leben mit unserem Planeten denken, anstatt nur in dem winzigen Rahmen zu denken, den wir sehen.

Die  Autorin

Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Ihr Roman “Die Geschichte der Bienen” wurde mit dem norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet und sorgte auch international für Furore. Das Buch wurde in 30 Länder verkauft, stand monatelang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und war der meistverkaufte Roman 2017. Zuletzt erschien der zweite Teil ihres literarischen Klimaquartetts, “Die Geschichte des Wassers”. (Der Text stammt von hier)

Die Übersetzerin

Ursel Allenstein ist freischaffende Übersetzerin. Sie übersetzt vorwiegend Belletristik aus dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen ins Deutsche.

Verlinkt bei meinen Februarbüchern

1+

Märchenbücher im karminroten Bücherregal

Märchenbücher

Ich liebe Märchenbücher! Habe ich dir das schon mal erzählt? Als frisch geschlüpfte Leseratte, habe ich alles, was sich nach Märchen anhörte verschlungen. Die Bücherei war mein zweites Zuhause. Als mein Großvater mitbekam, wie ich die Märchenbücher verschlungen habe, ging er auf den Dachboden und kam nach einer sehr langen Weile, mit einem großen “Taschenbuch” zurück. “Das war 1933 ein Sammelalbum. Nicht so welche Klebedinger, wie ihr sie heute kennt. Da sammelte man die Bilder um die Märchen, die darin stehen zu vervollständigen.” Ich nahm dieses Buch und fing an darin zu lesen.
Sindbad der Seefahrer, Die chinesische Nachtigall, Don Quixote und noch so manches Märchen fand ich auf den Seiten, die auch schon mein Vater durchgeblättert hatte. Für mich waren das fantastische Märchen. Durch die Zigarettenbilder, war es ein besonderes Buch.

Als ich letztens die “Märchen der Völker” wieder aus meine Bücherregal zog und in den Märchen zu lesen begann, schüttelte es mich etwas. In unserer heutigen Zeit, werden Menschen aus anderen Ländern, mit anderen Hautfarben und Aussehen, nicht mehr so beschrieben, wie es in diesem Buch zu finden ist. Wenn man das mal ausblendet und einfach nur das Märchen liest, sind es doch ganz spannende Geschichten.

Ein anderes Buch, das ich sehr mag, ist aus dem Beltz-Verlag. Mit zauberhafen Bildern von Helga Gebert. Ein ziemlich kleines Büchlein, das vollgestopft ist mit Hauff-Märchen. Ich mag diese Märchen besonders. Der kleine Muck und Zwerg Nase. Als Kinder hatten wir eine Schallplatte, mit dem Kalif Storch… “Mutabor” war das Zauberwort, das der Kalif und sein Wesir wieder in Menschen zurückverwandeln könnte. Hätten sie es doch bloß nicht vergessen. Das kommt davon, wenn man sich über Andere lustig macht. So beugten sie sich immer wieder nach Osten und riefen “Mu…Mu…Mu…” aber das Wort war verloren. Kennst du dieses Märchen auch?

Immer noch bleibe ich in den Büchereien lange an den Märchenregalen stehen. Immer wieder faszinieren mich die schönen Bücher. Ich kann mich nicht an den Bildern satt sehen und freue mich daran, wenn ich einen kleinen Kerl erwische, dem ich meine Märchen erzählen kann. Manchmal etwas zusammengewürfelt und vermischt. Aber wen stört es, wenn man die glänzenden Kinderaugen sieht.

Magst du auch Märchenhaftes? Schau bei der Zitronenfalterin vorbei, da findest du noch mehr Inspiration. Würdest du jedes Märchen Kindern vorlesen?

 

0

Bücher für den Februar

Was? Schon Februar?

Was habe ich denn wieder nicht mitbekommen? Die Lesezeit im letzen Monat war einfach zu knapp. Das möchte ich im Februar anders machen. Also, ich hoffe es anders machen zu können. Im Moment stecke ich noch in “die Geschichte der Bienen” Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sein kann, ohne Bienen zu sein. Aber wir arbeiten ja direkt darauf hin, mit unseren Monokulturen und Pestiziden. Demnächst aber mehr dazu.
“Das wunderbare Wollparadies”, steht auch noch auf dem Plan. Ich denke, dass es eine leichte Literatur ist, die schnell gelesen werden kann, wenn man sich die Zeit nimmt. Das ist bei der Theaterlektüre von Martin Schörle etwas anders. Ich habe schon hineingelesen und feststellen müssen, dass man sich dafür einiges an Ruhe gönnen muss, um es voll und ganz zu genießen. Wenn es dich interessiert, dann schau einfach mal in den online Buchhandlungen vorbei, da kann man in das Buch hineinlesen.

Dann habe ich mir noch “Piccola Sicilia” herausgelegt. 624 Seiten stark. Drei Frauen, drei Kulturen und eine Liebe, die alle Grenzen überwindet, so die Beschreibung auf der Verlagsseite. Ich freue mich auf dieses Buch. Für dieses Buch habe ich übrigens nichts bezahlt! Ich habe es in einem öffentlichen Bücherregal gefunden. In einem neuen Café, das hier bei uns um die Ecke aufgemacht hat, steht nämlich ein Regal zum Büchertauschen. Man nimmt eins mit und stellt dafür ein anderes hinein.

Andrea, die Zitronenfalterin, hat diesen Monat ein prima Monatsmotto. Da werde ich doch glatt mal schauen, ob sich nicht eines meiner Märchenbücher hier her auf den Blog verirrt. Hatte ich dir nicht schon einmal erzählt, dass ich Märchen sehr gerne gelesen habe? Ich lese sie noch immer gerne, wenn ich sie in die Hände bekomme.

Du hast nun gesehen, welche Bücher ich mir in diesem Monat vorgenommen habe. Hast du auch einen Plan? Ich würde mich freuen, wenn du deine gelesenen Bücher bei mir verlinken würdest. Tatsächlich bekommt man eine Menge tolle Rezensionen zu lesen. Letzten Monat haben sich interessante Bücher und Lesende zusammengefunden.


1+

Alles fing mit einer Wasserpuppe an {Sungs Laden – eine Rezension}

Und alles fing mit einer Puppe an. Einer Wassertheaterpuppe aus Vietnam. Wassertheater? Was ist das denn. Dann schau mal hier

Sungs Laden

Von Karin Kalisa

In meiner Stadt Berlin, gibt es unglaublich viele Menschen, die hier nicht geboren sind. Sie sprechen unsere Sprache nur mäßig und kamen hier her, weil es in ihrem Land unerträglich war und sie sich ihres Lebens nicht sicher sein konnten. Sie kamen, als die Stadt noch geteilt war und lebten in engen Wohnheimen in schlechter Qualität. Die „Vietnamesen“ oder „Fidschis“, wie sie abfällig genannt wurden, arbeiteten in Fabriken für wenig Geld. Und als die Deutschen sich wieder zusammenfügten, standen die Zugezogenen auf der Straße und konnten weder in ihr eigenes Land zurück, noch konnten sie einen „normalen“ Job annehmen, da sie selten die deutsche Sprache sprachen. Viele kamen auf die „schiefe“ Bahn oder verkauften billige Zigaretten an Menschen, die die Vietnamesen nicht einmal richtig ansahen. Da hatten die Eltern von Sung Glück, denn Dete, die Hebamme, half dem Pärchen einen kleinen Laden aufzumachen, nachdem sie den Beiden schon geholfen hatte, ihren Sohn auf die Welt zu bringen.

Was ich gelesen habe

Eine kleine mitreißende Geschichte, in einem etwas fiktiven Berlin! Wäre es nicht schön, wenn es tatsächlich so wäre, wenn es ein Miteinander ohne Hass gäbe. Karin Kalisa erzählt eine leicht zu glaubende Münchhausen-Geschichte, die so liebevoll erzählt ist, dass man sich wünscht, sie wäre wahr! In dem Buch kommt ein kleiner Stein ins Rollen, der es möglich machen könnte, dass ein Zahnarzt, einfach nur aus Nächstenliebe, die nicht versicherten Asiaten behandelt oder die Ordnungshüter sich verpflichtet fühlen, dem netten Vietnamesen, den Imbiss gegenüber dem Spielplatz, zu gestatten, weil frisches Obst und Gemüse so viel gesünder ist, als die olle Currywurst. Bezaubernd beschreibend, zog mich die Autorin mit. Meistens lächelte ich bei der Erzählung und immer wieder staunend, ob der interessanten Schreibweise, des Romans. Am Ende war ich traurig, dass die Geschichte schon zu Ende war. Ich habe die 246 Seiten in zwei Tagen verschlugen und mochte das Büchlein kaum aus den Händen legen.

Einige Sätze haben mich zum Lachen gebracht. Die Autorin wies in ihrem Roman darauf hin, dass man doch nur in Berlin geblieben oder hergezogen sei, weil es dort so viel lustiger und freier zugehen würde, als in so manch anderer Stadt. Man kann in Berlin… eine Sitzgruppe mit der U-Bahn transportieren, ohne dumm angequatscht zu werden… (Seite 183) Daran sollten wir uns erinnern, wenn wir dieses Buch zur Hand nehmen. Sollten uns daran erinnern, dass es einfach spannend und inspirierend ist, mit fremden Menschen, woher auch immer sie stammen, ins Gespräch zu kommen. Uns ihre netten Angewohnheiten zu eigen machen, um unserer Stadt weiterhin den Anstrich des Besonderen zu geben! Toleranz üben und Spaß haben.

Auf den letzten Seiten findet man einige Hinweise auf Literatur, die ich mir unbedingt noch einmal ansehen möchte. Wusste ich doch so vieles nicht, über das Leben der Vietnamesen in Berlin. Wie sie hier her gekommen sind und unter welchen Bedingungen sie hier lebten (und immer noch leben) Dass sie hier keine Kinder zur Welt bringen durften und viele kein Deutsch können, immer noch nicht.

Die Autorin

lebt seit einiger Zeit in Berlin. Im Osten von Berlin. In dem Teil der Stadt, der Spielort ihres Romans ist. Sie ist Wissenschaftlerin und freie Autorin.

 

Verlag Droemer
255 Seiten
ISBN 978-3-406-68188-2

Verlinkt mit Januarbücher

2+

Jede Familie hat ihre Geheimnisse {Rezension}

Truly Madly Guilty: Jede Familie hat ihre Geheimnisse

Haben wir nicht alle Geheimnisse, verschweigen und verstecken Dinge, die wir nicht gerne herzeigen? Geheimnisse, die keinen was angehen. Aber was ist, wenn eben diese Geheimnisse eine Katastrophe herbeiführen?

Die Geschichte

Clementine und Erika sind seit der Grundschule „beste Freundinnen“. Erika fand bei der Freundin und deren Familie Sicherheit, während Clementine sich schon immer genötigt sah, Erika als Freundin anzunehmen. Als Erwachsene haben sie sich ziemlich auseinander gelebt, treffen sich aber immer wieder und halten den Kontakt. Clementine hat zwei kleine Kinder und einen chaotischen Haushalt, während Erika, ungewollt kinderlos, in sehr geordneten Verhältnissen lebt. Als Erika Clementine während einer Grillparty um einen besonderen Gefallen bittet, sollte alles anders werden. Doch wie stark ist eine Freundschaft, so eine Bitte auszuhalten.

Was ich gelesen habe

Im Grunde hatte Clementine überhaupt keine Lust, sich mit Erika abzugeben. Nur weil es schon immer so war, rüttelt sie nicht an der Beziehung zu ihrer Freundin. Erika geht ihr auf die Nerven, und dass ihre Mutter auch noch einen besonderen Draht zu der Freundin hat, stört sie noch mehr. Erika hingegen, findet es furchtbar in welchen Verhältnissen Clementine lebt. Dieser ungeordnete Haushalt macht sie nervös. In dem ersten Drittel des Buches wird auch schon bald klar, warum Erika solch eine „Unordnung“ nicht ertragen kann.

In dem Roman geht es aber nicht nur um die beiden Frauen. Sie sind das Grundgerüst, an der sich die Geschichte hochzieht. Da ist noch das Nachbarpaar von Erika und ihrem Mann, nebst Tochter und der brummelige Nachbar, der keinen ausstehen kann und ständig nur rumpöbelt. Die Eltern von Clementine und Erika, spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr schwer. Ich fand keinen Bezug zu den Figuren. Erst, als ich über das erste Drittel hinaus war, riss mich die Geschichte mit. Spannend fand ich dann den Aufbau der Story. Ständig kommst du immer wieder zu dem Tag der Grillparty zurück, erfährst aber immer nur einen winzigen Teil des Verhängnis. Immer wieder springt die Erzählung in die Gegenwart, beschreibt die Handlungen nach der Grillparty. Eines wird dabei klar, jede der Personen hat ein Geheimnis, verschweigt einen Teil, ignoriert, versteckt oder verheimlicht, wissentlich oder unabsichtlich. Das macht den Reiz der Geschichte aus. Am Ende ist man ganz erstaunt, dass etwas ganz anderes dabei heraus kommt.

Wie seltsam, dass nur wenige Menschen sich zu ihren Gefühlen äußern können. Sie verstecken sich hinter Masken und machen lieber auf cool oder ignorant, als deutlich zu machen, welche Ängste und Bedenken sie haben oder wie schlecht es ihnen gerade geht. Am Ende, fand ich das Buch sehr inspirierend. Vielleicht sogar etwas aufrüttelnd.

Die Autorin und die Übersetzerin

Liane Moriarty lebt mit ihrer Familie in Sydney und hat schon mehrere Romane veröffentlicht. Einer wurden sogar schon verfilmt. Sie ist Werbetexterin und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet.

Übersetzt wurde der Roman von Sylvia Strasser

Ich stelle dieses Buch zu den Lieblingsbüchern im Januar. Hast du auch schon eins dazugestellt?

BASTEI LÜBBE Verlag
575 Seiten
ISBN: 978-3-404-17680-9

0