Mathilde und Marie

01.03.2026 | Roman | 0 Kommentare

Marie verlässt Paris, sie ist auf der Flucht vor einer lauten und anstrengenden Großstadt. Im Zug trifft sie dabei auf die Norwegerin Jónína, diese überredet Marie mit in ihr Dorf Redu zu kommen. Dort sieht Marie zum ersten Mal Mathilde. Eine ältere Frau, die irgendwie nicht in das zauberhafte und ruhige Dorf in den Ardennen zu passen scheint. Denn alle Menschen, die hier leben, scheinen glücklich zu sein. Anders als Mathilde, die sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen hat und „verbiestert“ ihren Alltag bestreitet.

Mathilde und Marie

Marie wollte aus Paris so schnell wie möglich weg. Irgendetwas scheint sie überfordert zu haben. Da ist es doch ein riesiges Glück, dass sie die Norwegerin Jónína im Zug getroffen hat. Jónína kann zuhören und scheint Marie, ihr Gegenüber, förmlich lesen zu können wie ein Buch. Auch scheint sie ältere Frau sich in Literatur sehr gut auszukennen. Immer wieder fachsimpelt sie mit Marie über verschiedene Bücher. Marie lässt sich einfach überreden, in das Dorf von Jónína mitzukommen. In Redu angekommen muss die junge Frau feststellen, dass es hier so viel ruhiger zugeht als in der Großstadt. Man kennt sich, trifft sich auf der Straße, unterhält sich von Angesicht zu Angesicht und genießt die Natur, die gleich nach dem Dorfende beginnt. Vögel zwitschern, die Bäume rauschen im Wind, und auch sonst kann man viele Geräusche hören, die in Paris einfach nicht zu hören wären. Dazu kommen die vielen Gerüche, die überwältigen und bezaubern die junge Frau immer mehr. Marie ist jedenfalls hingerissen. Nur dass es hier in Redu keine Internetverbindung gibt, das macht die junge Frau dann doch etwas nervös.

Von einem auf den anderen Tag verlässt Jónína das Dorf und überlässt Marie das Gartenhäuschen, in dem Marie die letzten Tage gewohnt hatte. Und nicht nur das, Jónína geht davon aus, dass Marie sich auch um ihren Buchladen kümmern wird.

Total entschleunigt

Der Schreibstil ist klasse. Es gefällt mir, dass man nicht von Anfang an weiß, warum Marie aus der hektischen Großstadt geflohen ist. Der Autor versucht den Leser zu sensibilisieren, auf die Natur, die Umgebung, Geräusche und Gerüche. Schade, dass ein Buch nur nach Buch riecht und nicht die Gerüche des Dorfes und der Wälder aus den Seiten aufsteigen kann. Man sollte sich Zeit für dieses Buch nehmen. Nach einer Weile kamen mir aber die Dialoge zwischen den wirklich gut gezeichneten Figuren, sehr aufgesetzt vor. Sie wiederholten sich immer häufiger und die Sprache zwischen den Figuren kamen mir immer mehr „gestelzt“ vor. Das ist aber bestimmt auch meckern auf hohem Niveau.
Marie traute sich anfangs nichts zu, sie stellte sich unter den Scheffel und ihre Welt infrage. Im Laufe des Romans, wird man aber verstehen, warum das so ist. Auch Mathilde wirft Fragen auf. Sie hat sich aus dem Alltag zurückgezogen. Mir schien sie Anfangs sehr verbittert, was sich dann im Laufe des Buches aber aufgeklärt hat.

Was mir das Buch vermittelt hat

Horche öfter mal auf dein Herz. Gebe deinen Ohren die Gelegenheit, etwas zu hören. Rede nicht einfach darauf los, sondern lasse deine Gedanken sacken und antworte erst, wenn du dir sicher bist, dass es dein Gegenüber auch wirklich hören will. Höre auf Krach zu machen und besinne dich wieder auf dein Inneres. Ich könnte jetzt unendlich weiter aufzählen. Einfach gesagt: sei einfach mal wieder da!
Das Buch bekommt von Rubi und mir 🐭🐭🐭🐭 Vielleicht sollte ich es einfach noch ein zweites Mal lesen oder es hatte für mich nicht den richtigen Zeitpunkt.

 

Mathilde und Marie

 
Ein Roman von Torsten Woywod
ISBN:9783423285124
336 Seiten
dtv Verlagsgesellschaft 

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